Wolf im Wald
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Unlängst sind mehrere Tiere in der Region gerissen oder schwer verletzt worden.

Mehrere Verdachtsfälle

Wolfsbeauftragte gibt Entwarnung: Fälle von Wolfsangriffen häufen sich in der Region nicht

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Nachdem unlängst mehrere Tiere in der Region gerissen oder schwer verletzt worden sind, stellt sich nun die Frage: War das ein Wolf? Oder sogar mehrere? Entsprechende genetische Analysen sind beauftragt worden. Ergebnisse gibt es jedoch noch keine.

  • Im Fall des schwer verletzten Pferdes in Gersfeld und getöteten Rehs in Neuhof stehen die genetische Analysen noch aus.
  • Diese sollen aussagen, ob gegebenenfalls ein Wolf der Angreifer war.
  • Die Hessische Wolfsbeauftragte sagt indes, dass sich die Fälle von Wolfsangriffen in Osthessen nicht häufen.

Region - Für den Landkreis Fulda gibt Susanne Jokisch vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) Entwarnung: Die Wolfsbeauftragte berichtet davon, dass Fälle von Wolfsangriffen sich hierzulande nicht häufen.

Im Jahr 2019 habe es lediglich zwei Fälle gegeben, in denen es sich im Landkreis Fulda nachweislich um Wolfsangriffe gehandelt hatte. Bei beiden Fällen handelte es sich um ein Schaf, das gerissen worden war. Die Vorfälle hatten sich in Poppenhausen-Abtsroda sowie in Mittelkalbach ereignet.

Mehre Verdachtsfälle zwischen März und Mai

In diesem Jahr habe es erst einen nachgewiesenen Wolfsangriff in Abtsroda gegeben. Zuletzt waren jedoch Verdachte in Gersfeld-Mosbach bei einem schwer verletzten Pferd (lesen Sie hier mehr: Nach möglichem Wolfsangriff in der Rhön: Islandstute Tonn geht es besser) und in Neuhof bei einem Reh (lesen Sie hier mehr: War es ein Wolf? Halb aufgefressenes Reh gefunden) aufgekommen.

Die Verdachtsfälle waren am 2. April, am 21. April, am 27. April sowie am 3. Mai gemeldet worden. Ergebnisse dazu liegen noch nicht vor. Einen weiteren Verdachtsfall hatte es in Hohenroda-Mansbach gegeben. Dort hatte der Halter drei tote Schafe auf der Weide gefunden, zudem waren zwei etwa zwei Monate alte Lämmer verschwunden. Durch das HLNUG war in diesem Fall keine Artbestimmung des Verursachers möglich.

Zwei Wolfsterritorien in Hessen

„Ich schätze die Lage im Landkreis Fulda nicht als problematischer ein als in einem anderen Landkreis in Hessen“, sagt die Expertin auf Nachfrage unserer Zeitung. Regionale Medien hatten unlängst davon berichtet, dass davon ausgegangen werde, dass sich in ein paar Fällen bereits Rudel gebildet haben könnten.

Das hält Jokisch für „reine Mutmaßung“ und berichtet: „Wir beobachten das Einwandern der Wölfe nach Hessen sehr genau.“ Deshalb seien in den beiden territorialen Gebieten - im Vogelsbergkreis und im Stölzinger Gebirge zwischen den Landkreisen Schwalm-Eder, Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg - bereits Fotokameras installiert worden.

Zehn verschiedene Wolf-Individuen nachgewiesen

Ein individuell bekannter Wolf ist nach Experten-Angaben sesshaft geworden, wenn er über einen Zeitraum von sechs Monaten mehrmals in einer Region sicher nachgewiesen wird. Anfang März war das erste Wolfsterritorium für Hessen seit 2011 bestätigt worden. Die Wölfin lebt im Vogelsbergkreis in der Gegend um Ulrichstein.

Seit Anfang 2019 konnte das HLNUG nach eigenen Angaben zehn verschiedene Wolf-Individuen in Hessen nachweisen - vier davon wurden zwischenzeitlich überfahren, ein Rüde ist nach Nordrhein-Westfalen abgewandert (Stand: 16. April 2020).

Landwirt lädt gerissenes Kalb auf Traktorschaufel

Wie sieht richtiges Verhalten im Verdachtsfall aus? Jokisch verweist auf ehrenamtliche, sachkundige Helfer, die bei einem Verdachtsfall verständigt werden sollten. Entsprechende Kontaktdaten für den Landkreis Fulda fänden sich auf der Internetseite des Hessische Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie.

Im Fall eines gerissenen Kalbes an der Wasserkuppe wurde die Spurenauswertung verweigert.

Wichtig sei, dass das Tier zunächst möglichst unberührt am Tatort verbleibt. Ein entsprechender Fall, bei dem eine Spurenauswertung verweigert wurde, hatte sich kürzlich in der Nähe der Wasserkuppe ereignet. Der Landwirt hatte das Kalb, das er gerissen aufgefunden hatte, auf eine Traktorschaufel geladen.

Problem: Hunde am Tatort

Zudem sei laut Jokisch darauf zu achten, dass der Riss frisch ist. Dies sei gewährleistet, wenn nach maximal 24 bis 36 Stunden eine Probe entnommen wird.

Jokisch macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: Hunde am Tatort. Sie erklärt: „Wolf und Hund sind genetisch so nah verwandt, dass gewährleistet sein muss, dass keine Hunde-DNA an den Kadaver gerät.“

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