Fuldas Bischof Michael Gerber steht vor der Fuldaer Dom.
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Für Bischof Dr. Michael Gerber ist Papst Johannes Paul II. auch heute noch ein Vorbild. (Archivbild)

100. Geburtstag von Papst Johannes Paul II.

Bischof Dr. Michael Gerber: „Papst Johannes Paul II. ist auch heute für mich ein Vorbild“

Papst Johannes Paul II. war eine der prägenden Figuren der Katholischen Kirche. Heute wäre der Pole, der mit gebürtigem Namen Karol Wojtyla hieß, 100 geworden. Lesen Sie im Wortlaut Bischof Gerbers persönlichen Rückblick auf den einflussreichen Papst.

Fulda - Für meine Generation war er über lange Jahrzehnte ganz einfach DER Papst. Als er gewählt wurde, begann in meiner Heimatpfarrei gerade die Vorbereitung auf meinen eigenen „Weißen Sonntag“. Als er starb, war ich schon einige Jahre stellvertretender Leiter der Priesterausbildung meines Heimatbistums. Johannes Paul II. gehörte fast wie ein weiteres Mitglied zu unserer Familie dazu.

Gute Freunde meiner Eltern waren von ihm in seinen „Päpstlichen Rat für die Familien“ berufen worden. Dadurch gab es immer wieder „aus erster Hand“ Informationen darüber, was den Papst bewegte und welche Initiativen er gerade ergriff. Unvergesslich bleibt mir die persönliche Begegnung am Karsamstag 1988. In der Phase der Vorbereitung auf das Abitur war dies für mich einer der Anstöße bei der Entscheidung, den Weg ins Priesterseminar zu gehen.

Potential innerhalb der Familie

Wichtige Impulse, die Johannes Paul II. mit seiner Enzyklika „Familiaris Consortio“ (FC) gesetzt hatte, griffen meine Eltern auf, etwa durch ihr Engagement in der Ehevorbereitung meines Heimatdekanats. Was der Papst vor 39 Jahren über die Familie als „Hauskirche“ schrieb, richtet meine Aufmerksamkeit auf das Potential, das in unseren Familien steckt und sich in so mancher Initiative angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen zeigt:

Alle Mitglieder der Familie haben, jedes nach seinen eigenen Gaben, die Gnade und die Verantwortung, täglich personale Gemeinschaft aufzubauen und dabei aus der Familie eine „Schule reich entfalteter Humanität“ zu machen. Das geschieht durch die sorgende Liebe zu den Kleinen, den Kranken und den Alten, durch den täglichen gegenseitigen Dienst, durch das Teilen der Güter, der Freuden und der Leiden. (FC 21)

Aussöhnung von Polen und Deutschen

2016 wurde mir einmal mehr in Gesprächen am Rande des Krakauer Weltjugendtages bewusst, welch prägenden Einfluss Johannes Paul II. auf die Entwicklung hatte, die letztlich zum Fall der Mauer und zur Einigung Europas führte. Schon früh legte der polnische Kardinal wesentliche Grundlagen für die Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen und steht damit für ein entscheidendes Stück europäischer Geschichte.

Nicht zuletzt deshalb befremdet mich bis heute manche Form der Kritik, wie sie gerade in Deutschland am Papst aus Polen geäußert wird. Seine Identität reifte wesentlich in der Zeit des Widerstands gegen die Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg. Damals studierte er im Untergrund und war zu schwerer körperlicher Arbeit verpflichtet. Er, der wenige Kilometer von Auschwitz entfernt in die Abgründe dessen geschaut hatte, was Menschen einander antun können, wurde so zum Mahner einer „Zivilisation der Liebe“ gegen jede Form der Relativierung der Würde des menschlichen Lebens. 

Als Bischof Seelsorger bleiben

Als ich Anfang April 2005 im Rahmen meiner Tätigkeit für das Priesterseminar einen unserer Seminaristen in Rom besuchte, stand ich genau in dem Moment unter unzähligen Betern auf dem Petersplatz, als der Tod des Papstes bekannt gegeben wurde. Die beeindruckende Atmosphäre dieses Augenblicks sowie die unmittelbar nachfolgenden Gespräche mit Gläubigen auf dem Platz werde ich mein Leben lang in mir tragen. Spontan erzählten mir Römer vom Papst als ihren Diözesanbischof und schilderten mir persönlichen Begegnungen, die für sie sehr prägend geworden waren.

So ist Johannes Paul II. auch heute für mich ein Vorbild: Als Bischof Seelsorger bleiben und immer mehr werden. Seine Worte, die er ganz am Anfang seines Pontifikates uns mitgab, gelten gerade heute: Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus! Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts seiner rettenden Macht! Habt keine Angst! Christus weiß, was im Innern des Menschen ist.

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