Der langjährige Gemeindevertreter und Ortsvorsteher von Steinau, Winfried Schäfer, ist aus der CDU-Fraktion ausgetreten. Ein Grund liegt in einer Hochzeit in Corona-Zeiten.
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Der langjährige Gemeindevertreter und Ortsvorsteher von Steinau, Winfried Schäfer, ist aus der CDU-Fraktion ausgetreten. Ein Grund liegt in einer Hochzeit in Corona-Zeiten.

Schäfer verlässt Fraktion

CDU-Gemeindevertreter attackiert Bürgermeister: Ärger in Petersberg – unter anderem wegen einer großen Hochzeit in Corona-Zeiten

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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In Petersberg gibt’s Ärger: Der langjährige Gemeindevertreter und Ortsvorsteher von Steinau, Winfried Schäfer, ist aus der CDU-Fraktion ausgetreten. Er schießt nun scharf gegen Bürgermeister Carsten Froß (ebenfalls CDU). Unter anderem geht es um eine Hochzeit in Corona-Zeiten.

Petersberg/Steinau - „Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem es für mich einfach nicht mehr weitergeht“, sagt Winfried Schäfer. Seit 1985 saß der Steinauer für die CDU in der Gemeindevertretung, jetzt ist er aus der Fraktion ausgetreten. Und auch aus dem Gemeindeverband der Union wird er sich zum Ende des Jahres verabschieden.

Gründe für diese Entscheidung gibt es mehrere, die meisten haben mit dem Petersberger Bürgermeister Froß zu tun. Zum ersten Mal aneinandergeraten seien beide vor drei Jahren, berichtet Schäfer gegenüber unserer Zeitung, als es um Differenzen bei der Vergabe eines Bauplatzes in Steinau gegangen sei: „Seitdem lagen wir im Clinch.“

Schäfer schießt gegen Bürgermeister Froß - unter anderem wegen einer großen Hochzeit in Corona-Zeiten

Der jüngste Vorfall, der Schäfer endgültig auf die Palme gebracht habe, sei Ende August gewesen. Damals habe im Steinauer Bürgerhaus eine Hochzeit mit rund 100 Gästen stattgefunden – in einer Zeit, als sich die Landkreis-Bürgermeister wegen der Corona-Pandemie darauf geeinigt hätten, keine privaten Veranstaltungen in Dorfgemeinschaftshäusern zu erlauben. Die Gemeinde habe auf einen Fehler in der Verwaltung verwiesen, doch das will Schäfer nicht glauben: „Es war die Hochzeit des Bruders eines Freundes von Bürgermeister Froß. Der Verdacht liegt nahe, dass der Bürgermeister die Feier ausdrücklich erlaubt hat.“ Winfried Schäfer ist erbost: „Das geht nicht. Andere Hochzeiten und Geburtstage mussten auch abgesagt werden.“

Winfried Schäfer

Kritikpunkt: Petersberger Wassergebühr sei zu hoch

Ein anderer Kritikpunkt ist die Wassergebühr. Diese sei in den vergangenen Jahren in Petersberg zu hoch gewesen: „Die Bürger wurden abgezockt“, glaubt Schäfer. Bereits seit 2016 befasse er sich mit diesem Thema, auch die Kommunalaufsicht habe er schon eingeschaltet.

Schäfer, der stellvertretender Vorsitzender der Gemeindevertretung ist und auch dem Ausschuss für Jugend- und Vereinswesen vorsteht, wird nun als fraktionsloses Mitglied bis zur Kommunalwahl im März weiterarbeiten. Danach sagt er, wolle er erneut für die Gemeindevertretung kandidieren – für welche Partei ist offen. Schäfer ist enttäuscht: „Ich habe mich noch nie so in einer Person getäuscht wie in der des Bürgermeisters.“

Carsten Froß

Froß: Aus dem Zusammenhang gerissen - unrichtige Angaben

Carsten Froß nimmt zu den Vorwürfen auf Anfrage unserer Zeitung Stellung und wählt deutliche Worte: Die Entscheidung von Schäfer sei zu akzeptieren – „wenngleich er aus meiner Sicht darüber nachdenken sollte, ob ein durch die CDU erlangtes Mandat in der von ihm dargestellten Form überhaupt weitergeführt werden sollte.“

Schäfers Behauptungen „zu durchaus komplexen Themen“ seien aus dem Zusammenhang gerissen und beruhten auf unrichtigen Angaben, sagt Froß. Dabei hätten sowohl er persönlich als auch die Fraktion Schäfer „umfangreiche Informationen“ vorgelegt.

Dennoch sei Schäfers Entscheidung bedauerlich, erklärt Froß. Seine mehr als 30-jährige politische Tätigkeit für die Gemeinde sei „in großen Teilen sehr erfolgreich“ gewesen.

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