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Nichts Giftiges im Körbchen: Was beim Pilzesammeln wichtig ist

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Was in einem Moment noch Genuss war, kann wenig später Lebensgefahr heißen. Und zwar, wenn beim Sammeln giftige Pilze ins Körbchen gewandert sind. Wie vermeidet man das?

Braunschweig/Göttingen - Mit dem Körbchen in den Wald: Für viele gehört das Pilzesammeln zum Herbst einfach dazu. Die gefundenen Schätze landen anschließend erst in der Pfanne und dann im Magen – als köstliches Ragout oder Risotto. Doch das kann böse enden. Denn so einige Speisepilze haben giftige Doppelgänger. Wer die systematischen Merkmale einer Pilzart nicht kennt und eher auf oberflächliche Merkmale wie Farbe und Größe setzt, greift schnell daneben.

Pilze: Darauf müssen Sie beim Sammeln achten

So hat etwa der Pfifferling giftige Doppelgänger: den Spitzgebuckelten Raukopf und den Orangefuchsigen Raukopf. Insbesondere kleine Exemplare dieser Giftpilze sehen Pfifferlingen ähnlich. Eine Vergiftung mit ihnen macht sich durch Durst und starke Nierenschmerzen bemerkbar. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mykologie kann es zwei bis 21 Tage dauern, bis sich Symptome zeigen.

Zu den Verwechslungskandidaten gehört auch der Pantherpilz, der dem Perlpilz ähnelt. Schon fünf Minuten nach dem Verzehr kann der Pantherpilz für Symptome wie Gehstörungen, Krampfanfälle und Rauschzustände sorgen, die sogar ins Koma führen können. (Lesen Sie hier: Volle Körbe in Aussicht: Warum Experten eine gute Pilz-Saison erwarten)

Steinpilze liegen in einem Korb
Steinpilze sind beim Sammeln besonders beliebt. © Patrick Pleul/dpa

„Wenn eine Vergiftung mit einer sehr giftigen Pilzart vorliegt, ist es fast immer der Grüne Knollenblätterpilz“, sagt Martin Ebbecke, Leiter des Giftinformationszentrums-Nord (GIZ) in Göttingen. Er ist außerdem Facharzt für Innere Medizin und klinischer Toxikologe ist. Exemplare des Kegelhütigen Knollenblätterpilzes können wenig erfahrene Sammler für einen Champignon halten. Der Grüne Knollenblätterpilz kann auf den ersten Blick essbaren grünen Täublingen ähneln.

Tückisch ist auch, dass sich bei Knollenblätterpilzen die Vergiftungssymptome – Erbrechen und Durchfall – relativ spät bemerkbar machen, erst sechs bis zwölf Stunden nach dem Verzehr. „Das führt dazu, dass man wertvolle Zeit verliert und irreversible Schäden an Organen wie Leber bereits entstanden sind“, sagt Ebbecke. Besteht der Verdacht einer Pilzvergiftung, sollte man den Giftnotruf seiner Region wählen oder den Rettungsdienst rufen.

Doch wie kann man sich schützen? „Man es nicht oft genug wiederholen: Bitte nur Pilze sammeln, die man sicher bestimmen kann“, sagt Harry Andersson von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Im Zweifel begutachten deutschlandweit ehrenamtliche DGfM-Pilzsachverständige wie er die Pilzfunde. (Lesen Sie auch: Aus dem Wald auf den Teller: Pfifferlinge mit selbstgemachten Semmelknödeln)

Schon ein kleines Detail am Pilz – die Farbe der Lamellen etwa – kann den Unterschied zwischen Gift- und Speisepilz ausmachen. Nur wer diese Feinheiten kennt, kann seinen Fund guten Gewissens in die Pfanne werfen. Doch auch nach dem Verzehr eines Speisepilzes kann es einem ziemlich übel gehen. Ein häufiges Problem sind Pilzvergiftungen durch das Verzehren zu alter Fruchtkörper.

Pilze sammeln: Es kommt auf Details wie die Lamellen an

Pilze enthalten Eiweiß und verhalten sich daher in Sachen Haltbarkeit eher wie Fleisch und Fisch – und nicht wie Gemüse. Man spricht dann von einer „unechten Pilzvergiftung“, die eine Variante der Lebensmittelvergiftung darstellt. Die ist zwar im Regelfall nicht so dramatisch wie eine Vergiftung durch Giftpilze. Aber auch eine unechte Pilzvergiftung kann angesichts von Durchfall, Übelkeit und Erbrechen im Krankenhaus enden. Daher: Nur einwandfreie und junge Pilze mitnehmen.

Tipp: Bei Röhrlingen wie Rotkappen und Steinpilzen sollte der Hut noch fest sein. Dies lässt sich bereits vor Ort im Wald feststellen, indem man mit dem Daumen auf den Hut drückt. Bleibt eine Delle zurück, ist der Pilz zu alt. (dpa)

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