Fotos: Hanswerner Kruse

911 Plättchen machen Zeit sichtbar: König-Konrad-Denkmal auf dem Domplatz enthüllt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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FULDA - Mit vielen Prominenten aus Politik, Kultur und Kirche wurde vor großem Publikum auf dem Domplatz Fulda das neue König-Konrad-Kunstwerk präsentiert. Das vom Fuldaer Künstler Franz Erhard Walther geschaffene Objekt erinnert an die Beisetzung des mittelalterlichen Königs hier vor 1100 Jahren.

Von Hanswerner Kruse

Der mächtige Sandsteinblock steht im gebührenden Abstand zum Dom und weist eine glänzend erscheinende Oberfläche auf. Zunächst wirkt er wie ein riesiges aufgestelltes Buch oder eine moderne Infotafel. Tritt man näher, erkennt man zahlreiche vergoldete Plättchen, welche die Oberfläche des Objekts gliedern. Unten am Ende der Tafeln liest man den Schriftzug „Koenig Konrad 1 · 911“. Der Verweis auf die Historie macht in der Arbeit die Schwere, ja, die Last der Geschichte deutlich. Doch die Struktur der 911 Plättchen setzt dagegen Leichtigkeit – und distanziert sich zugleich von goldenen historischen Prunkstücken des Klerus und der Krone. Nach der Enthüllung der Stele fielen noch einige Sonnenstrahlen auf deren Oberfläche, bevor der Schatten des Domes sie erreichte. Der Widerschein der Sonne ist ein wunderbarer Anblick und bewusster Teil des Kunstwerkes.

„Meine Arbeit ist keine Skulptur oder ein Bild“

Künstler sollten ihre Arbeiten nicht beschreiben, erklärte Walther vor seinem Objekt und erläuterte lediglich dessen Konzeption: Ausgeschlossen sei ein Abbild des Königs gewesen, allein schon deshalb, weil man gar nicht weiß, wie der aussah. Auch eine symbolische oder allegorische Darstellung kam für ihn nicht infrage. Deshalb wollte er in seinem Werk „Zeit sichtbar oder anschaulich machen. Meine Arbeit ist keine Skulptur oder ein Bild – sondern allenfalls eine Projektionsfläche.“

Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber, der tatkräftig geholfen hatte, das Objekt zu enthüllen und es zum Abschluss der Veranstaltung segnete, ergänzte diese Idee Walthers. Für ihn zeige es, dass jeder Mensch auf seine Weise in die Welt strahle, so wie jedes Plättchen ein bisschen anders sei. Hoffnungsvoll zeige das Werk: „Licht ist stärker als die Dunkelheit!“

Idee von Fuldas Stadtverwaltung

Vor zwei Jahrzehnten entwickelte Fuldas Stadtverwaltung die Idee ein Denkmal für König Konrad zu errichten – angeregt und unterstützt von der „Bürgerschaftlichen Initiative“. Mit der Zeit entstand der Anspruch, durch zeitgenössische Kunst an den fast vergessenen Herrscher zu erinnern. Der angefragte Künstler Walther sagte sofort zu und erklärte auch nach seiner Ehrung mit dem Goldenen Löwen auf der Biennale in Venedig 2017: „Fulda geht vor.“ Das berichtete Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU), der viel über die Entstehung des Kunstwerks erzählte und die Veranstaltung unterhaltsam moderierte.

Neben ihm machten auch MdB Michael Brand (CDU) und Josef Hoppe für die „Bürgerschaftliche Initiative“ deutlich, dass Konrad den „Wurzelgrund des Prinzips föderaler Staatlichkeit“ gelegt hatte. Mit dem ersten deutschen Wahlkönig wurde auch die erste deutsche Geschichtsepoche begründet. Diese „Geschichte des deutschen Föderalismus sollte zukünftig mehr denn je gepflegt werden“, forderte Hoppe, „denn Zukunft braucht Herkunft“.

Schützende Rolle König Konrads

Walthers Arbeit steht im öffentlichen Raum. Sie hält Distanz zum Dom und steht doch – ohne Konfrontation – in Bezug zu ihm. Damit ist die schützende Rolle König Konrads im Umgang mit der Kirche symbolisiert, denn im Mittelalter verfolgten oder töteten Adelige oft Kirchenmänner. Mit diesem (buchstäblichen) „Schlussstein“ der Veranstaltungen im Jubiläumsjahr wird noch etwas klar: Fulda soll nicht nur als Barockstadt bekannt sein, sondern mit dem Denkmal wird auch auf die mittelalterliche Bedeutung der Stadt hingewiesen.

Das Werk

Der von weitem gar nicht so massiv wirkende Sandsteinblock ist mit Sockel 3,75 Meter hoch, 2,45 Meter breit, 0,3 Meter tief. Gewicht: neun Tonnen. Finanziert vom Bund sowie der Sparkassenkulturstiftung. Erstellt von der Firma Max Böse (Großenlüder) und Steinmetz Thomas Stephan (Langenbieber).

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