Blick in die historische Bibliothek der Theologischen Fakultät Fulda.
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Blick in die historische Bibliothek der Theologischen Fakultät Fulda.

Theologische Fakultät wird bleiben

Priesterausbildung in Fulda auf dem Prüfstand: Ende einer über 1000 Jahre alten Tradition?

  • vonMarius Scherf
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Werden in Zukunft in Fulda noch Priester ausgebildet? Das ist laut dem Rektor der Theologischen Fakultät, Bernd Dennemarck, eine der Fragen, mit denen sich kommende Woche die deutschen Bischöfe bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda befassen. Die nackten Zahlen sprechen dagegen. 

Fulda - Die über 1000 Jahre alte Tradition der Priesterausbildung in Fulda könnte schon bald zu Ende gehen. Die Bischofskonferenz berät derzeit darüber, die Ausbildung an wenigen Standorten in Deutschland zu konzentrieren – auf der Liste stehen Mainz, München und Münster – aber nicht Fulda.

Viele sind es nicht mehr, die den barocken Bau neben dem Dom besuchen und dort das Rüstzeug bekommen, um Pfarrer zu werden. Neun Priesterseminaristen gibt es aktuell. Zwei kommen im Herbst hinzu. Zum Vergleich: 2001 gab es in Fulda noch 29 angehende Geistliche.

Tradition der Priesterausbildung in Fulda könnte enden - Endgültige Entscheidung noch nicht gefallen

Wann die endgültige Entscheidung fällt, ist offen. Fest steht: Während das Priesterseminar, beheimatet im alten Klostertrakt hinter dem Dom, in dem die Seminaristen während des Studiums leben und auf die priesterlichen Aufgaben vorbereitet werden, ungewissen Zeiten entgegengeht, wird die Theologische Fakultät nicht infrage gestellt. An der staatlich anerkannten kirchlichen Hochschule, so die offizielle Bezeichnung, sind derzeit 84 Studenten eingeschrieben – zwei Drittel männlich und ein Drittel weiblich. Elf Professoren lehren das Fach Theologie.

Das Prädikat „Theologische Fakultät“ wurde erst 1978 verliehen und bedeutet, dass neben Bachelor- und Masterabschlüssen auch Promotionen und Habilitationen möglich sind. Es gibt zwei Standorte – Fulda und Marburg. In Fulda studieren Priesteramtskandidaten und Menschen, die später zum Beispiel als Pastoralreferenten arbeiten oder andere Aufgaben in Kultur und Gesellschaft übernehmen wollen. Wer dagegen das Fach katholische Religion an Schulen unterrichten will, wird dafür in Marburg ausgebildet.

Fulda wird Sitz der Theologischen Fakultät bleiben

Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern, sagt Bernd Dennemarck (56), der die Fakultät ab 1. Oktober als Rektor leitet und schon jetzt die Geschäfte führt. „Beide Standorte werden erhalten, aber die Lehre wird sich in Zukunft in Marburg konzentrieren. Fulda wird der Sitz der Fakultät bleiben.“

Im Gegensatz zu den seit Jahren weniger werdenden Priesterseminaristen sind die Zahlen derjenigen, die „nur“ Theologie studieren, in Fulda tendenziell sogar steigend. 2009 waren 15 Studenten für das Glaubensfach eingeschrieben, 2019 waren es 35, und im laufenden Semester sind es 31. Die Zahl der angehenden Religionslehrer betrug im Jahr 2009 in Marburg 80. Heute studieren dort 44 zukünftige Lehrer.

Wie wird man Priester?

Katholischer Priester wird man in mehreren Schritten. Auf der Website des Fuldaer Priesterseminars wird daran erinnert, dass die Arbeit eines Priesters kein Job wie jeder andere ist – sondern viel eher eine Berufung. Bevor es an das eigentliche Erlernen des „Handwerks“ geht, gibt das Priesterseminar den Tipp, sich intensiv mit seinem Glauben auseinanderzusetzen. Bewusst sein sollte man sich, dass es an Wochenenden und Feiertagen viel zu tun gibt. Auch an die Psyche stellt der Beruf mit seinen seelsorgerischen Tätigkeiten hohe Anforderungen.

Der Weg führt zunächst zum Kennenlernen ins Priesterseminar. Für ein paar Tage kann der Aspirant am Leben der dort lebenden Priester teilnehmen und sich anschließend bewerben. Schließlich geht es an die eigentliche Ausbildung, die bis zu sieben Jahre dauert. Den wichtigsten Teil bildet das etwa zehnsemestrige Theologiestudium. Dort lernt man nicht nur die biblischen Sprachen (Hebräisch und Griechisch), sondern setzt sich auch mit der Bibel, mit Philosophie, Geschichte oder dem Kirchenrecht auseinander.

Die angehenden Pfarrer leben im Priesterseminar. Hier stehen die Förderung der pastoralen Befähigung und die innere Vorbereitung auf den Beruf im Mittelpunkt. Während des Studiums absolvieren die Seminaristen zwei Gemeindepraktika. Während der „Externitas“ setzt der angehende Pfarrer sein Studium in einer anderen Stadt fort. Nach fünf Jahren schließt man sein Studium ab. Danach geht es in die Praxis.

Während des Pastoralkurses lebt der angehende Priester in einer Pfarrgemeinde – und nach der Weihe zum Diakon sammelt er dann erste Erfahrungen in der Seelsorge. Begleitend findet die theoretische Ausbildung in Kooperation mit den Priesterseminaren in Paderborn und Erfurt in Ausbildungsblöcken statt. Nach dem Diakonatsjahr in der Gemeinde steht schließlich die Priesterweihe durch den Diözesanbischof bevor.

Zahl der Theologie-Studenten in Fulda und Marburg niedrig - 400 studieren allein in Mainz

Im Vergleich zu anderen Fakultäten sind die Zahlen niedrig. So gibt es in Mainz 400 Theologie-Studenten. Bundesweit gehört das Fach aber generell zu den Exoten. Im Wintersemester 2019/20 studierten nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 20.868 Menschen Theologie beider Konfessionen, Wirtschaftswissenschaften hingegen 439.098.

Dennemarck sieht in den geringen Zahlen – auch am Standort Fulda – viele Vorteile. In dem barocken Fakultätsgebäude weht ein altehrwürdiger Geist. Das große Büro Dennemarcks ist holzvertäfelt, das Treppenhaus quietscht ein wenig, und der große Bibliothekssaal beeindruckt durch seinen Prunk. „Die Studenten wissen gerade die hervorragend ausgestattete Bibliothek zu schätzen“, weiß der 56-jährige Professor für Kirchenrecht. „Darüber hinaus herrscht ein erstklassiges Betreuungsverhältnis. Ich kenne jeden meiner Studenten beim Namen und kann mir viel Zeit für sie nehmen.“

Standort Fulda sei strukturell schwach aufgestellt, sagt der Rektor

Strukturell sei Fulda eher schwach aufgestellt, meint der Rektor – die Verwaltung besteht aus drei Personen. Es muss viel mehr selbst organisiert werden , als das bei großen Fakultäten der Fall ist. Die Umstellung auf virtuelle Vorlesungen während des Corona-Lockdowns haben sie selbst gestemmt. Dafür sei die Gemeinschaft umso besser: „Wir verstehen uns und haben einen guten Diskurs, den wir auch an unsere Studenten weitergeben können.“

Die Fakultät sei darüber hinaus sehr gut mit anderen Bildungseinrichtungen der Stadt vernetzt. Mit der Hochschule besteht ein Lehr-Ex- und Import, was bedeutet, dass die Studenten beider Schulen Vorlesungen der jeweils anderen besuchen können. „Mir ist es wichtig, einen möglichst offenen Austausch zu haben, wir sollten hier nicht für uns bleiben“, erklärt Dennemarck.

Dajana Klemm studiert Theologie auf Lehramt.

Warum Theologie studieren? Eine Studentin berichtet

Dajana Klemm studiert Theologie für das Lehramt und schätzt die Werte, die vermittelt werden. „Wir leben in keiner Ellenbogengesellschaft. Das jungen Leuten vermitteln zu können, ist mir wichtig“, sagt Dajana Klemm, die 2018 ihr Abitur am Marianum in Fulda gemacht hat und nun im vierten Semester katholische Theologie für das Realschullehramt an der Universität Würzburg studiert. Religion, das sei ein Fach, welches Werte vermittelt und eines der wenigen, bei der es in der Schule nicht darum ging, Inhalte zu schlucken, erinnert sich die 22-Jährige. „Nun beschäftige ich mich weitaus tiefgehender mit den Inhalten. Die sind zwar schwieriger als noch in der Schule – etwa wenn es ans Hebräische geht –, aber auch spannender und vielfältiger.“ Auch jenseits der Inhalte schätzt sie ihren Studiengang: „Alles ist viel offener, und die kleinen Vorlesungen mit maximal 30 Leuten ermöglichen eine sehr gute Betreuung.“

Fort- und Weiterbildung soll es in Zukunft vermehrt in Fulda geben

Auch gibt es zahlreiche Bildungsabende, zu denen jeder kommen kann – 70 Hörer sind regelmäßig beim „Kontaktstudium“ zu Gast. Darüber hinaus wird eine Fülle an Zertifikatskursen, beispielsweise für Pfarrer und Verwaltungsangestellte im kirchlichen Dienst angeboten.

„Fort- und Weiterbildung wird das Schwergewicht der Zukunft in Fulda sein“, sagt Dennemarck. „In Zukunft könnten wir mehr wagen und ausprobieren.“ Das „Standbein“ in Marburg, das „Spielbein“ in Fulda, so beschreibt es der Rektor. Wenn in dem Klostergebäude keine Priesteramtskandidaten mehr wohnen, kann er sich etwa eine Wohngemeinschaft von Doktoranden dort vorstellen – ein Hauch von Campusfeeling. Bisher müssen sich alle Studenten, außer den Priesterseminaristen, selbst um eine Bleibe bemühen. Das alles sei Zukunftsmusik, aber eines steht für den neuen Rektor fest: „Die Fakultät ist als Teil des Bildungsstandortes und des Bistums Fulda wichtig.“

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