Fotos: Volker Nies

Problem drängt, Lösungen schwierig

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - In der Beschreibung der Situation waren sich die Beteiligten der Diskussion bei der Fuldaer SPD einig: Auch in Fulda fehlen bezahlbare Wohnungen – vor allem Apartments bis 50 Quadratmeter. Das Problem sei aber nicht so groß wie in Frankfurt oder München. In ihren Lösungsvorschlägen unterschieden sich SPD und CDU.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Wie drängend viele Osthessen das Problem einschätzen, zeigte ein Blick in den Veranstaltungssaal im Kolpinghaus. Er war überfüllt. Nach der Einschätzung von Wolfram Latsch, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Fulda und Sprecher der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Stadt und Kreis Fulda, fehlen derzeit 700 Wohnungen in Stadt und Kreis Fulda. Weiteren 400 Menschen drohe der Verlust ihrer Wohnungen. „Das ist eine vorsichtige Schätzung. Sie beruht auf der Meldung von betroffenen Menschen. Die tatsächliche Zahl dürfte noch deutlich höher sein“, sagte Latsch.

Kein Neubau von preisgünstigem Wohnraum

Vor allem „schwierige Mieter“ wie Ausländer, Mieter mit Schufa-Eintrag oder Behinderte hätten es sehr schwer, erklärte Latsch. Es gebe in Fulda keinen nennenswerten Neubau von preisgünstigem Wohnraum und zudem selbst in der Rhön kaum Wohnungen zu Mieten, die das Jobcenter zahle. Die Nachfrage nach Wohnungen steige – auch durch die steigende Zahl an Studenten sowie den Zuzug von Pendlern aus dem Rhein-Main-Gebiet, die in Fulda günstiger lebten als in Frankfurt, und den Zuzug aus dem Umland in die Stadt. Wohnungen abseits der Stadtregion seien für die Betroffenen meist keine Lösung, so Latsch.

„Die Lage in Fulda ist mit der Situation in Großstädten nicht zu vergleichen – aber dennoch ist sie nicht gut“, sagte Lutz Köhler, Vorsitzender des Mieterbundes. Vor allem kleinere Wohnungen seien kaum noch zu bekommen. Vor fünf Jahren hätten Mieter sicher sein können, binnen eines halben Jahres eine neue Wohnung zu finden. Das sei jetzt nicht mehr der Fall. Köhler klagte, dass der soziale Wohnungsbau für Investoren extrem bürokratisch sei.

„Aktuelle Bauprojekte reichen nicht aus“

Jonathan Wulff, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung, sagte, die in Fulda angestoßenen Bauprojekte Weiße Stadt, Langebrückenstraße und Waidesgrund reichten nicht, um den Bedarf zu decken, weil es einen hohen Nachholbedarf gebe.

Schon Familien mit mittleren Einkommen und Kindern hätten einen Anspruch auf eine Sozialwohnung. Das habe zur Folge, dass es für Problemgruppen ganz eng werde. Die Stadt habe aber keinen Zugriff und kein Vorschlagsrecht für die Belegung der Sozialwohnungen. „Für die ganz schweren Fälle müsste die Stadt selbst Wohnungen bauen“, sagte Wulff.

Zuschussprogramm soll für Neubau sorgen

Hans-Dieter Alt, Vizechef der CDU-Stadtverordneten, räumte ein, dass es für bestimmte Gruppen sehr schwer sei, eine Wohnung zu finden. „Es gibt insgesamt nicht mehr Suchende, aber der Anteil der Problemfälle ist größer als früher.“ Deshalb gebe die Stadt einen Zuschuss für jede Neubauwohnung, in denen der Mietpreis für 20 Jahre festgeschrieben werde – auf derzeit 5,95 Euro pro Quadratmeter. „Mit dem Zuschussprogramm werden sechsmal mehr Wohnungen gebaut, als wenn die Stadt selbst bauen würde.“ Im Waidesgrund werde jede vierte Wohnung mietpreisgebunden sein. Bund, Land und Kommunen müssten mehr Bauland ausweisen.

„In welchen Dimensionen wir denken müssen“

Alt verwies auf die Studie des Instituts für Wohnen und Umwelt, wonach in Fulda pro Jahr 400 Wohnungen gebraucht werden. „Das bedeutet 4000 Wohnungen in zehn Jahren – so viel wie am Aschenberg. Das zeigt, in welchen Dimensionen wir denken müssen.“

In seiner Haushaltsrede am Montag hatte OB Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) berichtet, Fulda wachse derzeit um 300 Einwohner im Jahr.

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