Mit der Maschine von Marc Martins Firma MBL werden Schutzmasken für den klinischen Bereich hergestellt. Wer die Maschine einsetzen will, muss nur für die produzierten Masken bezahlen.
+
Mit der Maschine von Marc Martins Firma MBL werden Schutzmasken für den klinischen Bereich hergestellt. Wer die Maschine einsetzen will, muss nur für die produzierten Masken bezahlen.

Projekt für Maskenherstellung mit Bad Salzschlirfer Beteiligung 

Die Maschine gibt es gratis

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
    schließen

Wohl noch viele Jahre wird Mundschutz in großen Mengen gebraucht – weltweit. Um den hohen Bedarf zu decken, beteiligt sich die Firma des Bad Salzschlirfer Unternehmers Marc Martin (52) an einem neuen Projekt. Dieses setzt auf ein Verfahren, die man von Kopierern kennt.

Bad Salzschlirf/Leipzig - Die allermeisten Drucker und Kopierer, die in osthessischen Unternehmen im Einsatz steht, gehören dem betreffenden Unternehmen gar nicht. Vielmehr werden die Büromaschinen nur geliehen. Bezahlt wird pro gedruckte Seite.

Auf dieses Verfahren setzt eine Schweizer Initiative, der sich Martin mit seiner Leipziger Firma Maschinenbau Leipzig (MBL)angeschlossen hat: Wer bei Martin eine Maschine zur Maskenherstellung bestellt, muss nur für die mit dieser Maschine hergestellten Masken bezahlen.

Praktisch jeder könne sich eine Maschine leisten

An der Spitze der Schweizer Idee stehen die Nachhaltigkeitsexpertin Marie-Clair Graf (23) und der Unternehmer Oliver Fiechter (48). Sie haben mit internationalen Partnern aus Forschung, Entwicklung und Maschinenbau eine Systemlösung entwickelt: Private Unternehmen und öffentliche Institutionen können in einem kompletten Gesamtpakets ihre eigene Schutzmaskenproduktion aus einer Hand erwerben. Geliefert werden die Maschine und alle notwendigen Materialien. Bezahlt wird der Stückpreis pro produzierte Maske. Die Maschine aus Leipzig „Made in Germany“ gibt es umsonst. „Die Masken werden so fast günstig wie aus China, sind aber deutsche Qualität“, erklärt Martin.

Die Initiatoren wollen erreichen, dass sich so praktisch jeder eine Maschine leisten kann. Darüber hinaus planen die Schweizer, einen Solidaritätsfond aufzusetzen, der es auch ärmeren Ländern ermöglichen soll, eine eigene Produktion aufzusetzen. Produziert werden, je nach Maschinentyp FFP2- und FFP3-Masken für den klinischen Bereich.

MBL betritt Neuland

Mit der Produktion von Maschinen für die Maskenherstellung betritt das 2013 gegründete Unternehmen MBL mit seinen 20 Mitarbeitern, das Marc Martin seit Mitte 2019 komplett gehört, für sich Neuland. MBL war bisher auf Automationszubehör für CNC-Fräsmaschinen spezialisiert. „Im März gingen viele unserer Kunden in Kurzarbeit. Dafür entstand ein großer Markt für Masken. Fünf unserer Konstrukteure haben daraufhin Maschinen entwickelt, die Masken vollautomatisch produzieren. Die Anlagen lassen sich per Computer steuern. Sie müssen lediglich mit den Ausgangsmaterialien bestückt werden“, erklärt Martin. Die Nachfrage sei so groß, dass es bereits eine Lieferzeit von zwei Monaten gebe, erklärt Martin. Im Juli oder August werden die ersten Maschinen ausgeliefert.

Jede Masken ist mit einem Bar-Code ausgestattet, so dass jeder per Handy die Echtheit, den Hersteller und den Vlieslieferanten erkennen kann, um Betrug und Preistreiberei auszuschließen. „Ziel ist die lokale Herstellung und lokale Versorgung, um die lokalen Gemeinschaft zu stärken“, sagt Martin.

Das könnte Sie auch interessieren