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Psyche als Ursache für Schmerzen: Neue Abteilung der Acura Rhön-Klinik in Gersfeld

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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GERSFELD - Gersfeld ist Gesundheitsstadt. Das medizinische Angebot wurde jetzt ausgebaut: und zwar an der Acura Rhön-Klinik, die 2000 Patienten im Jahr betreut. Seit Dezember gibt es eine neue Abteilung, die den Zusammenhang von Psyche und Schmerzen betrachtet und in die Therapie einbezieht.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

Rückenschmerzen kennt fast jeder. Sie sind zur Volkskrankheit geworden. Ein Bürojob und Bewegungsmangel begünstigen sie. Doch: Auch die Psyche spielt eine große Rolle. Dieser Meinung ist die Acura Rhön-Klinik in Gersfeld. Es ist eine Fachklinik, die auf orthopädische Rehabilitation spezialisiert ist. Seit Dezember gibt es dort eine neue Abteilung mit dem Titel „VOR“, das ist die Abkürzung für „verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation“.

„Auch seelische Probleme können die Ursache für Schmerzen sein“

Dafür ist Natalia Tews eingestellt worden. Sie ist Psychologin und bringt den Grund für das neue Konzept auf den Punkt: „Auch seelische Probleme können die Ursache für Schmerzen sein.“ Es komme häufig vor, dass private Probleme oder Konflikte am Arbeitsplatz zu Stress und Anspannung führen. „Und das wirkt sich auf den Körper aus. Wir nehmen dann Schonhaltungen an, die den Schmerz begünstigen“, erklärt die Psychologin. „Bewegungsmangel macht das Ganze noch schlimmer.“ Doch laut Tews ignorieren viele den Schmerz und denken sich: „Ich halte schon durch.“

Von Entspannung oder Auszeit wollte niemand etwas wissen

Das weiß auch der neue Chefarzt der Fachklinik, Dr. Bernhard Schwarz (65), der gestern vorgestellt wurde. Er betont: „Früher haben die Eltern oder Großeltern gesagt: ‚Ein deutscher Junge kennt keinen Schmerz‘. Von Entspannung oder davon, sich eine Auszeit zu nehmen, wollte niemand etwas wissen.“ Doch solche Durchhalteparolen seien völlig veraltet. Langsam gebe es da ein Umdenken, sagt er.

Seelische Probleme als Ursache von Schmerzen

Auch in der Medizin gibt es neue Denkansätze. „Früher arbeitete ein Chirurg wie ein Mechaniker – es wurde schnell und viel operiert und danach wurde der Patient entlassen. Doch dass der Mensch als Ganzes gesehen werden muss, dass auch seelische Probleme die Ursache für Schmerzen sein können, das hat man erst später erkannt“, erklärt der Chefarzt. In der neuen Abteilung werden solche Probleme mitbehandelt.

Maximal zwölf Patienten werden stationär betreut. Vier Wochen lang gehen Therapeuten individuell auf sie ein – und wenden sowohl Bewegungstherapie als auch Psychotherapie an. Dieses Konzept gibt es laut Geschäftsführer Uwe Bauer in Deutschland noch nicht oft.

„Hervorragende medizinische Infrastruktur“

Die Leistung werde komplett von der Deutschen Rentenversicherung übernommen. Denn diese habe ein Interesse, dass Arbeitnehmer nicht aufgrund solcher Beschwerden früher in Rente gehen, erläutert Bauer.

Die neue Abteilung erweitert das medizinische Angebot in Gersfeld. Die Rhönstadt ist heilklimatischer Kurort und ein Gesundheitsstandort. Das betont auch Bürgermeister Dr. Steffen Korell (CDU). „Wir haben leider nicht viel Gewerbe. Aber dafür haben wir eine hervorragende medizinische Infrastruktur.“

Von dem neuen Angebot profitiere die Stadt. Denn: „Wenn es den Patienten hier gefällt, kommen sie vielleicht irgendwann hierher zurück. Oder sie gehen mit ihren Angehörigen in ein Café oder Restaurant. Damit bringen sie Wertschöpfung nach Gersfeld und in die Region“, sagt er.

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