Foto: 82 Chapters to Newcastle

Radom als Lagerort: Schottischer Whisky reift auf der Wasserkuppe

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Wasserkuppe - Es ist ein außergewöhnlicher Lagerort: Ein Whiskyimporteur aus Würzburg nutzt das Radom auf der Wasserkuppe, um vier Fässer schottischen Whisky reifen zu lassen – über mehrere Jahre.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

Von Schottland auf den höchsten Punkt der hessischen Rhön: Diese Fässer sind weit gereist. Vier Holzfässer voll mit insgesamt 370 Litern Whisky wurden im Radom auf der Wasserkuppe eingelagert. Die Idee kommt von dem Würzburger Whiskyimporteur „82 Chapters to Newcastle“.

Die Region ist Hadrian Bromma, einem der Inhaber, nicht unbekannt. Er kommt ursprünglich aus der bayerischen Rhön und hat in Fulda sein Studium absolviert. Vor knapp einem Jahr hat er die Whiskymarke „82 Chapters to Newcastle“ zusammen mit seinem Vater und seinem Schwiegervater gegründet. „Wir haben schon lange nach einem Lagerort in unserer Heimat – in der Rhön – gesucht“, sagt er.

Unterschiedliche Temperaturlage bestimmt Reifeprozess

Obwohl die Firma so jung ist, hat sie bereits eine Eigenart entwickelt: „Wir sind immer auf der Suche nach besonderen Lagerorten“, erklärt Bromma. Die Whiskyfässer lagern beispielsweise tief unter der Erde in Bergwerken oder in der Residenz Würzburg. „Jetzt haben wir nach einem Ort gesucht, der weit oben liegt: Da ist uns die Wasserkuppe eingefallen.“

Spannend sei der Lagerort vor allem wegen der Temperaturen, die im Radom übers Jahr hinweg stark schwanken würden. „Das hat Auswirkung auf den Reifeprozess, weil die Holzwände des Whiskyfasses sich entsprechend ausdehnen oder zusammenziehen“, so Bromma.

Holzfässer dank Sondergenehmigung

Im Moment habe das Getränk zwischen 65 und 70 Prozent Alkohol. „Wir schauen mal, ob wir das Produkt am Ende verdünnen. Aber mindestens 40 Prozent müssen es sein, sonst darf man es nicht Whisky nennen“, erklärt er.

Normalerweise wird schottischer Whisky nur in Flaschen importiert. Dank einer Sondergenehmigung und der Einhaltung von bestimmten Auflagen darf „82 Chapters to Newcastle“ den Whisky in Holzfässern einführen. Die Fässer besorgt das Unternehmen selbst.

Bis zu fünf Jahre Lagerung auf Wasserkuppe

Hier wird nichts dem Zufall überlassen, denn: „Die Fässer haben einen großen Einfluss auf den Geschmack –, ob das Getränk vanillig, rauchig oder würzig schmeckt“, betont Hadrian Bromma. Der schottische Whisky – ein „Single Malt“ – wurde in ehemalige Rum-, Sauternes-, Islay- und Bourbon-Fässer umgefüllt. Diese stammen aus Jamaika, Frankreich, der schottischen Insel Islay und den USA. Ein solches Fass ist zwischen 80 und 100 Kilogramm schwer – deshalb musste laut Bromma eine Art Kran im Radom als Hilfsmittel eingesetzt werden, um die Fässer am Rand der Ausstellungsfläche zu platzieren.

Der Whisky ist bereits zwischen drei und zwölf Jahre alt, weil er schon in Schottland gereift ist. Auf der Wasserkuppe werden noch mal zwei bis fünf Jahre dazukommen, sagt der Experte. „Wir probieren alle paar Monate. Und wenn er uns schmeckt, füllen wir ihn ab.“

Name noch ungewiss

Weil die 370 Liter in vier verschiedenen Fässer reifen, werden vier Sorten herauskommen. Welchen Namen sie bekommen, steht noch nicht fest. „Hier werden wir uns am Lagerort orientieren.“ Dass also Wasserkuppe, Radom oder Rhön am Ende auf dem Etikett steht, das sei sehr wahrscheinlich. Außerdem ist geplant, mit Rhöner Läden ins Gespräch zu kommen, damit der „Rhöner Whisky“ für Interessierte ortsnah erhältlich ist.

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