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Reifen Krieg ist insolvent: Rund 200 Mitarbeiter betroffen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Dorfborn - Schlechte Nachrichten aus der regionalen Wirtschaft: Das Unternehmen Reifen Krieg im Neuhofer Gewerbegebiet Nord hat am Donnerstagabend überraschend Insolvenz angemeldet. Wie es weitergeht, ist bislang unklar.

Von unserem Redaktionsmitglied Norman Zellmer

Das Amtsgericht Frankfurt hat „die vorläufige Verwaltung des Vermögens der Schuldnerin angeordnet“, heißt es auf dem Justizportal des Bundes und der Länder. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Miguel Grosser aus Frankfurt von der Kanzlei Jaffé bestellt worden.

Nach Auskunft von Christian Schild, Leiter Marketing bei Reifen Krieg, ruht derzeit das Geschäft. Es sei alles „wie eingefroren“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Derzeit würden beispielsweise keine Bestellungen entgegengenommen und keine Lieferungen seien geplant. Auf der Homepage heißt es: „Technischer Fehler. Wir arbeiten an einer schnellstmöglichen Lösung!“

Rund 200 Beschäftigte sind von der Insolvenz des Reifengroßhändlers betroffen. Im Januar hatten sie laut Schild kein Gehalt bekommen. „Wir sind in einen Zustand der Illiquidität geraten“, sagte er. Es fehlt offenbar Geld, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Aber: „Es hat nicht an uns gelegen, nicht an den Mitarbeitern, nicht an den Kunden“, erläuterte Schild. Im Gegenteil: Die Firma habe 2019 höhere Umsätze als 2018 erzielt. „Wir sind top aufgestellt.“

Hintergrund sind offenbar Verwerfungen bei der Fintyre Group

Hintergrund der Insolvenz sind offenbar Verwerfungen bei der Fintyre Group, zu der Reifen Krieg seit 2018 gehört, wie mehrere Wirtschaftsmedien berichteten. Fintyre gehört wiederum zur US-Beteiligungsgesellschaft Bain Capital. Zu Fintyre in London gehören neben Reifen Krieg unter anderem Reiff Reifen und Autotechnik in Reutlingen, Reifendiscount in Berlin und Reifen24 in Saalfeld. „Wir sind Opfer größerer Transaktionen geworden“, sagte Reifen-Krieg-Marketing-Leiter Schild. Man sei in den „Wirren mit in die Tiefe gerissen“ worden.

Wie es mit Reifen Krieg, das 2007 in Eichenzell gegründet worden war und 2009 nach Dorfborn zog, weitergeht, ist bislang offen. Sebastian Brunner, Sprecher der Kanzlei Jaffé, erklärte, Insolvenzverwalter Grosser sei gestern bereits im Haus gewesen und beginne mit einer Bestandsaufnahme. Zunächst wolle man sicherstellen, dass alle Mitarbeiter das sogenannte Insolvenzgeld erhalten. Der Betrieb könne dann bis März aufrechterhalten werden.

Neuhofs Bürgermeister überrascht über Insolvenz

Über die Zukunft der Firma könnte sich jedoch sehr viel schneller eine Lösung finden, deutet Brunner an. Christian Schild von Reifen Krieg hofft, dass es „schnell geht“. Er sei „positiver Hoffnung“, dass das Unternehmen aus dem Konzern herausgelöst werde und dort weitermachen könne, wo es vor dem Verkauf aufgehört habe.

Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz (CDU) zeigte sich überrascht von der Insolvenz. Die Firma sei vor der Übernahme „ein Vorzeige-Start-up in der Region gewesen“. Er will sich in der nächsten Woche ein genaueres Bild machen und plant ein Gespräch mit Firmenvertretern. Reifen Krieg gehörte zu den größten Arbeitgebern der Kaligemeinde. Stolz: „Wir wollen wissen, was die Insolvenz für den Standort Neuhof und das Gewerbegebiet bedeutet.“

Wie das Portal reifenpresse.de berichtete, seien unbestätigten Angaben zufolge „Verhandlungen mit übernahmewilligen Interessenten geplatzt“, weil Fintyre Gesamtpakete habe verkaufen wollen. Die nicht näher benannten Interessenten seien jedoch nur an einzelnen Gesellschaften interessiert gewesen.

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