Unter neuem Firmennamen haben die Gründer von Reifenkrieg den Betrieb in Dorfborn wieder aufgenommen.
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Unter neuem Firmennamen haben die Gründer den Betrieb in Dorfborn wieder aufgenommen.

Reifengroßhändler in Dorfborn

Nach Insolvenz: Reifen-Krieg startet mit neuem Namen durch

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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Auferstanden aus Ruinen? Nach der Insolvenz des Reifengroßhändlers Reifen-Krieg starten die früheren Firmengründer mit einer neuen Firma namens Tyroo neu durch. 

Dorfborn - Der Reifengroßhändler aus dem Neuhofer Ortsteil Dorfborn stellt sich offenbar wieder auf: Laut Tyroo-Webseite ist Anspruch und Ziel, ein etablierter internationaler Reifengroßhandelsunternehmen zu werden. „2020 wurden wir auf dem Fundament der Reifen Krieg GmbH aktiv und stehen daher in der Tradition eines etablierten, zuverlässigen und internationalen Reifengroßhandelsunternehmen“, heißt es.

Wie einst gehören Reifeneinlagerung, Vertrieb, Logistik und Versand zum Geschäft. Im Impressum sind als Geschäftsführer Holger Krieg und Tobias Fink aufgeführt – sie hatten 2007 Reifen-Krieg gegründet. Auch die Geschäftsadresse ist dieselbe. Auf Nachfrage wollte sich das Unternehmen mit Sitz im Dorfborner Gewerbegebiet noch nicht äußern und verwies auf eine Mitteilung in den kommenden Tagen.

Reifen-Krieg heißt nun Tyroo - Im Februar war das Vorgängerunternehmen in Insolvenz geraten

Das Vorgängerunternehmen Reifen-Krieg war zuletzt überregional in die Schlagzeilen geraten, weil es im Februar dieses Jahres in Insolvenz geraten war. Erst 2018 war das Unternehmen vom Konzern Fintyre Group gekauft worden war. Diese Gesellschaft war in wenigen Jahren stark in Europa expandiert und ist im Besitz der US-Beteiligungsgesellschaft Bain Capital. Offenbar infolge finanzieller Verwerfungen und Restrukturierungen im Konzern meldeten mehr als ein Dutzend deutsche Fintyre-Tochtergesellschaften im Februar Insolvenz an.

Die Zukunft von Reifen-Krieg galt daher in den zurückliegenden Monaten als ungewiss, zumal mit Ausnahme einer Rumpfmannschaft fast die gesamte Belegschaft entlassen worden war. Zuletzt waren es offenbar mehr als 140 Mitarbeiter. Monatelang gab es Spekulationen darüber, dass die früheren Eigner ein Angebot, die Firma aus der Insolvenz zu kaufen, Insolvenzverwalter Miguel Grosser aus Frankfurt unterbreitet hatten. Dieser äußerte sich trotz mehrfacher Nachfrage unserer Zeitung in den vergangenen Wochen nicht. Insolvenzverfahren werden in der Regel nicht-öffentlich geführt – und dauern oft Jahre.

Neuhofs Bürgermeister hofft, dass das neue Unternehmen Tyroo wieder zu alter Stärke zurückfinden wird

Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz (CDU) bestätigte indes unter Berufung auf den früheren Miteigner Holger Krieg in einer Antwort auf einen Berichtsantrag der BLN-Fraktion in der jüngsten Gemeindevertretersitzung, dass es ein solches Übernahmeangebot gebe oder gegeben habe und vom Insolvenzverwalter geprüft werde. Die Kanzlei, die die Reifen-Krieg- und Fintyre-Insolvenz betreut, ist dieselbe, die den kürzlich insolvent gegangenen Finanzdienstleister Wirecard verwaltet. Dass es ein Kaufangebot gegeben habe, hatten zuvor auch ein früherer Vermieter von Reifen-Krieg und dessen Anwältin unserer Zeitung mitgeteilt.

In der Gemeindevertretersitzung sagte Stolz auch, dass die Gebäude und Liegenschaften von Reifen-Krieg nicht Teil der Insolvenz seien. Daher sei er froh, dass die Flächen nun von Tyroo wieder genutzt werde. Schließlich habe das Vorgängerunternehmen, das 2007 als Startup in Eichenzell gegründet worden war und ab 2009 in Neuhof zum europäischen Marktführer avancierte, mehr als acht Hektar Land in Dorfborn bebaut. Das sind umgerechnet knapp 20 Prozent des gesamten Gewerbegebiets. Stolz zeigte sich optimistisch, dass die Gründer und das neue Unternehmen nun wieder zu alter Stärke zurückfinden werden.

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