Urlaub: Ein Flugzeugschatten fällt auf einen paradiesischen Strand.
+
Ein Strandurlaub? Das ist in Zeiten von Corona aktuell nicht möglich. (Symbolfoto)

Reisebüros rufen nach Hilfe

Hiesige Touristik-Unternehmen fühlen sich von Politik allein gelassen

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
    schließen

Stornierungen, eine weltweite Reisewarnung und keine Neubuchungen: Die Tourismusbranche leidet unter den Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie. Groß war die Hoffnung der Veranstalter, mit Reisegutscheinen statt Rückzahlungen liquide zu bleiben. Die EU hat dieser Variante nun eine Absage erteilt.

  • Die Tourismusbranche kämpft ums Überleben
  • 100.000 Mitarbeiter sind in Reisebüros betroffen
  • Kritische Stimmen aus der Region

Region - „Die Mitgliedstaaten müssen sicherstellen, dass nationale Entscheidungen im Einklang mit dem EU-Recht stehen – und das lässt dem Verbraucher die Wahl zwischen Gutscheinen und der Rückerstattung der Kosten“, erklärte EU-Justizkommissar Didier Reynders der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er erteilte den Gutscheinplänen, die von der Bundesregierung favorisiert wurden, damit eine klare Absage.

„Reise-Branche im besonderen Maß betroffen“

Dennis Krug, Geschäftsführer bei der reisewelt Teiser und Hüter in Neuhof, sieht die Entscheidung kritisch, hat diesen Schritt aber erwartet: „Die Gutscheinlösung war unsere Hoffnung, das hat sich nun zerschlagen. Es hätte bei der Liquidität geholfen“, erklärt er. Einige seiner Kunden würden umbuchen, beziehungsweise einen Reisegutschein wählen. „Wir sind dankbar für jeden, der das so macht.“ Die Situation sei brisant „Wir hoffen auf den Exit. Irgendetwas muss passieren. Reisebüros und Veranstalter sind im besonderen Maß betroffen. Wir brauchen einen branchenspezifischen Fond“, betont er.

100.000 Mitarbeiter betroffen

Die Forderung nach einem staatlichen Hilfsfonds wurde auch in einem offenen Brief an die Bundesregierung gestellt. Die Verfasser sind 20 Vorstände, Geschäftsführer, Aufsichtsratsvorsitzende und Beiräte von zwölf Reisebüro-Organisationen. Darin heißt es: „Durch die Kombination aus fehlendem Neugeschäft, rückwirkend wegbrechendem Altgeschäft, vergütungsfreier Mehrarbeit, ungeklärten Rechtsfragen und unsicheren Zukunftsaussichten trifft die Corona-Krise den stationären Reisevertrieb deutliche existenzbedrohender als andere Branchen.“ 100.000 Mitarbeiter in stationären Reisebüros, die gerade jetzt durch Kundenfragen noch stärker gefordert werden, seien betroffen. Die Reisebüros seien ein wichtiger Teil der Wertschöpfungskette. Insolvenzen dieser mittelständischen Unternehmen würden der gesamten Branche schaden.

Kosten auf ein Minimum reduziert

„Wir sind gut und solide aufgestellt. Wir halten lange durch, aber irgendwann wird man sich die Sinnfrage stellen müssen“, sagt Frank Happ, Geschäftsführer beim Reisebüro Happ in Flieden. Er fordert vor allem Planungssicherheit. „Es kann doch nicht sein, dass das im Wochenrhythmus entschieden wird. Das Reisebüro Happ beschäftigt 60 Mitarbeiter. Die Kosten wurden auf ein Minimum reduziert, wie Frank Happ sagt: Die Busse wurden abgemeldet, das Personal macht Kurzarbeit. Bis Februar war die Prognose bestens: „Die Buchungen zwischen November bis Februar waren so gut. Wir hatten Arbeit ohne Ende, und es sah so aus, dass wir das beste Jahr unserer 33-jährigen Firmengeschichte haben werden“, erklärt Happ.

Soforthilfe: Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

Jetzt erwartet er ein hohes Defizit. Zwar habe er die Soforthilfe erhalten und auch den KfW-Kredit in Anspruch nehmen können. Das sei aber ein „Tropfen auf den heißen Stein“. Von der Politik fühlt er sich alleingelassen. „Ich habe den Eindruck, dass die Reisebranche eher stiefmütterlich behandelt wird“, kritisiert er. Die Reisebüros seien auch deshalb besonders betroffen, weil sie das Geld – anders als im Einzelhandel – zeitverzögert verdienen. „Die Lage ist katastrophal“, fasst er zusammen.

Auch Dennis Krug erklärt: „Das Ausmaß, wie hart es unsere Branche trifft, ist vielen Politikern nicht bewusst. Es fehlt da auch an Wertschätzung.“ Auch bei Teiser und Hüter liefen die Geschäfte – bis zur Coronakrise – gut. „Der April war gut gebucht, der Mai noch stärker. Jede Woche, in der die große Reisewarnung weiter gilt, tut unendlich weh“, sagt er.

Touristik vor dem Aussterben?

Die Reisewarnung ist derzeit bis einschließlich 3. Mai gültig. Ende April wird sich Bundesaußenminister Heiko Maas erneut dazu äußern. Die Prognose, dass die Warnung aufgehoben wird, sieht schlecht aus. Der ARD sagte er jüngst, dass er „keinen einzigen Hinweis“ sehe, dass die geltende Reisewarnung in absehbarer Zeit wieder aufgehoben werden kann, da die Grenzen zu seien, der Flugverkehr am Boden liege und in einigen Ländern Ausgangssperren gelten würden.

Dennis Krug befürchtet: „Wenn diese Reisewarnung bis ins nächste Jahr gelten sollte, dann wird es die Touristik nicht mehr geben.“

Lesen Sie hier: Der Liebesgöttin ganz nah: Aphrodite-Momente auf Zypern

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema