Sonnenschein und unbesetzte Tische – das soll es im „Ritter“-Biergarten bald nicht mehr geben, hofft Jonas Sporer.
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Sonnenschein und unbesetzte Tische – das soll es im „Ritter“-Biergarten bald nicht mehr geben, hofft Jonas Sporer.

Viele Bedingungen

Restaurantbetreiber in der Region freuen sich auf den Corona-Neustart am Freitag

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  • Hartmut Zimmermann
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  • Marius Scherf
  • Daniel Krenzer
    Daniel Krenzer

Vermutlich haben alle, die am Freitag ihre Restaurants wieder eröffnen, eine 1,50 Meter lange Schnur in der Hosentasche: zum Messen. Denn der Neustart in den Lokalen ist an viele Bedingungen geknüpft – und Mindestabstände werden wichtig.

Fulda - Doch wenn auch die Regeln den Restaurant-Alltag komplizierter machen: In den Gesprächen mit Leuten aus der Branche wird deutlich: Es gibt eine große Vorfreude, wieder Menschen bewirten zu können. Das gilt auch in dem Bewusstsein, dass die Lokale mit dem Tag der Wieder-Öffnung nicht automatisch schwarze Zahlen schreiben werden.

„Pro Gast fünf Quadratmeter, 1,50 Meter Mindestabstand – aber bitte von Rückenlehne zu Rückenlehne gemessen“ – Jonas Sporer, Chef im „Ritter“ in der Kanalstraße in Fulda kennt die neuen Regeln anscheinend auswendig. Auch wenn jetzt viel und viel Neues zu bedenken sei, sehe er zuversichtlich nach vorn.

Eigenverantwortlichkeit der Gäste

„Wir sind ja ganz grundsätzlich schon immer ganz bewusst sorgfältig im Umgang mit den Lebensmitteln, die wir verarbeiten. Das kommt uns jetzt zugute“, findet er. Er vertraue auch auf die Eigenverantwortlichkeit seiner Gäste. Da sei Vieles schon eingespielt. Realistisch schaut er auf die wirtschaftliche Seite: „Ich denke, wir haben höchstens 50 Prozent des Umsatzes – und erhöhte Kosten.“

„Ich kann noch gar nicht einschätzen, wie unsere Kunden, zu denen auch viele ältere Menschen gehören, auf die Auflagen reagieren“, sagt Stefan Diegelmann vom „Weißen Hirsch“ in Edelzell. Er wird vorerst nur das Restaurant öffnen, in dem er rund 30 Gäste platzieren kann. 

„Tomate“ geht pragmatisch vor

„So weit ich es mitbekomme, werden die allermeisten Gastrobetriebe in den kommenden Tagen wieder öffnen“, berichtet Peter Lauer, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Kinzigtal-Bergwinkel. Zwar sei das speziell für kleinere Betriebe eine große Herausforderung – ein wenig Einnahmen seien aber immer noch besser als keine. 

Ganz pragmatisch geht man in der „Tomate“ in Fulda auf den Neustart zu: „Wir haben 40 Plätze auf 35 Quadratmetern und werden sehen, wie wir unter den gegebenen Umständen am besten bewirten können, sagt Inhaber Nicola Tedesco:. „Die Politik macht den Ton und wir mit unserem Essen die Musik.“

Jeder zweiter Tisch bleibt leer

Beste Laune herrscht auf der Enzianhütte. Wirt Georg Koch freut sich: „Es ist doch geil, dass es wieder losgeht, wenn auch mit Einschränkungen.“ Im Außenbereich gebe es, im Gegensatz zur Hütte selbst, reichlich Platz: „Ich renne hier mit Zollstock und allem rum, und gucke wie es am besten passt. 

„Viva Havanna“ heißt es am Freitag auch wieder in der Havannabar in der alten Stadtwache in Fulda. „Die Bar muss vorerst gesperrt bleiben, und wir lassen jeden zweiten Tisch frei“, erklärt Katja Gjocaj.

Schwierigkeit mit vielen Daten

Die Situation sei für das Restaurant nicht einfach. Zum Beispiel auch wegen der vielen Daten, die vor einem Besuch, jetzt aufgenommen werden müssen. Das könne für das Personal, das noch nicht vollzählig aus der Kurzarbeit geholt worden ist, stressige Situationen bringen, denkt sie. 

Alle Hände voll zu tun haben Jonas Renner und sein Team von der Wiesenmühle in Fulda: „Es werden Speisekarten laminiert und Tische gerückt.“ Insgesamt stünden nur noch ein Drittel der Plätze zur Verfügung. „Wenn es gut läuft, ist das finanziell gesehen ein Nullsummenspiel und wir freuen uns, wenn unsere Gäste wiederkommen.“ 

Hoffen auf gutes Wetter

„Es ist gut, dass es wieder los geht – und wir müssen ausprobieren, wie es läuft“, findet Paolo Nobrega, Wirt im „Os Sabores“ in Johannesberg. Er ist zuversichtlich, dass seine Gäste die Abstandsregeln respektieren. Weil die Abstandsregeln die Zahl der Gäste-Plätze in etwa halbiert, hofft er, das neue Biergarten-Areal nutzen zu können. 

Auch bei der Orange Burger Manufaktur wünscht man sich gutes Wetter fürs Freigelände: Man habe sich gut vorbereitet, sagt Antonín Krejbich: „Ich hoffe, dass die Fuldaer nicht ängstlich sind und Lust haben auszugehen.“

Unternehmen im „Überlebenskampf“

Im Rasdorfer Landgasthof „Zum Adler“ ist Chrstiana Stark gespannt, wie der Gäste-Andrang sein wird. Es gebe in vielen Bereichen Neuland, zum Beispiel dann, wenn man den Gästen die Plätze zuweise und die Kunden Namenslisten ausfüllen müssten. 

Mühen mit den Corona-Auflagen hat die Bäckerei Gerk in Fulda. Der Bäcker- und Konditormeister darf nun zwar sein Café komplett für Gäste öffnen. „Die Corona-Regeln sind umsetzbar. Aber man muss mit dem Zollstock abmessen und es passend machen“, berichtet er. Gerk sieht sein Unternehmen in einem „Überlebenskampf“.

Service-Aufschlag

Die Auflagen der Genehmigungsbehörden mit ihren Sitzplatzbegrenzungen und Zusatz-Ausstattungen steigern die Kosten der Gastronomen.

Um dieser Entwicklung zu begegnen, werden manche Restaurants einen „Service-Aufschlag“   von ihren Gästen nehmen. Beträge zwischen 2 und 2,50 Euro pro Person sind im Gespräch. 

Manche Wirte lehnen einen solchen Aufschlag zur Wiedereröffnung grundsäetzlich ab, signalisieren aber, dass mittelfristig über Preiserhöhungen nachgedacht werden müsse.

Andere Anbieter planen, ihre Gäste auf die neue Kostensituation hinzuweisen und sie zu bitten, denAufschlag freiwillig zu zahlen – als Trinkgeld fürs Haus sozusagen.

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