Fotos: Ulla Heckert

Rettungsprogramm für Bergwiesen: Halbzeit des Life-Projekts

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Rhön - Die Rhön gilt als Land der offenen Fernen und ist berühmt für ihre artenreichen Bergwiesen, Hutungen und ihren Borstgrasrasen. Doch viele der Flächen befinden sich in keinem guten Zustand. Das soll durch das Life-Projekt verändert werden. Jetzt ist Halbzeit.

Von unserem Redaktionsmitglied Rainer Ickler

Elmar Herget ist neuer Projektleiter. Er hat im Frühsommer Jonas Thielen abgelöst, der jetzt Sachgebietsleiter Naturschutz im Biosphärenresrevat ist, aber nach wie vor an der Umsetzung des Programms beteiligt ist. Rund 6,5 Millionen Euro geben die EU, das Land Hessen und der Kreis Fulda, damit die Wiesen in der Rhön renaturiert werden, aber auch, um seltene Vogelarten zu erhalten.

Vogelarten, vor allem die Wiesenbrüter, verschwinden immer mehr

Der Grund ist eine Rüge der EU. Denn in Deutschland gebe es sehr hohe Verluste bei den Wiesentypen und Vogelarten. Das soll durch das Projekt verändert werden, sagt Elmar Herget. Er erklärt, dass die Borstgrasrasen in den Hochlagen der Rhön die größten Flächen außerhalb der Alpen seien. Die Hutungen, früher Dorfweiden für Kühe, Schafe und Rinder, drohten zu verbuschen, und die Bergmähwiesen seien nur noch in Höhenlagen oberhalb von 700 Metern in einem guten Zustand. Viele der Pflanzen, die eine solche Wiese ausmachen, seien nicht mehr vorhanden. Aber auch Vogelarten, vor allem die Wiesenbrüter, verschwinden immer mehr.

„Die Situation ist äußerst kritisch, wir müssen handeln.“

Mit dem Life-Projekt soll einen Kehrtwende geschafft werden. In den vergangenen Jahren wurde eine Bestandsaufnahme gemacht, welche Flächen besonders in Mitleidenschaft gezogen sind. „Die Situation ist äußerst kritisch, wir müssen handeln“, stellt Thielen fest. Das funktioniere aber nur im Zusammenspiel mit Landwirten. Nur mit ihrer Unterstützung könne das Projekt umgesetzt werden. Sie sollen als Landschaftspfleger auftreten und werden dafür finanziell unterstützt. Damit bekämen sie zusätzliche Perspektiven.

Ziegen und Schafe als Naturschützer

Die Resonanz sei gut gewesen, berichten Thielen und Herget. Etwa 50 Landwirte beteiligen sich an dem Rettungsprogramm des Berggrünlandes. Nachdem Bäume, hohe Gesträuch und Buschwerk mit schwerem Gerät beseitigt worden sind, können die Landwirte mit ihren Ziegen, Rindern und auch Pferden dazu beitragen, dass die restlichen Sträucher oder Hecken abgefressen werden, damit die Rhön das Land der offenen Fernen und die Wiesen artenreich bleiben.

Einer von ihnen ist Claus Knacker aus Wüstensachsen. Seine Angus-Rinder und eine Ziegenherde fressen für die artenreiche Natur auf der Hutung am Matthesberg. „Schon aus eigenem Interesse macht er mit, damit die Weiden in einem guten Zustand bleiben. Dazu bekommt er Geld aus dem Vertragsnaturschutz. Aus dem Life-Programm werden die Zäune finanziert.

Bergwiesen sollen renaturiert werden

Auch rund 150 Hektar Bergwiesen in der Rhön sollen in den nächsten Jahren wieder renaturiert werden, damit mehr Pflanzen wachsen, aber auch die Wiesenbrüter mehr Schutz und auch Nahrung finden. Eine späte Mahd erst nach dem 1. Juli ist eine Möglichkeit. Eine andere ist es, 10 oder 20 Prozent der Wiese einfach stehen zu lassen und so den Insekten und Vogelarten Rückzugsgebiete zu schaffen.

Wachtelkönig ist wieder da

Erste Erfolge haben sich schon eingestellt, berichtet Herget. Im Bereich des Roten Moores hätten sich nach groß angelegten Entbuschungsaktionen wieder Vögel angesiedelt wie der Wachtelkönig, Bekassinen, Braunkehlchen oder der Scheckenfalter. „Man sieht, dass diese Maßnahmen kurzfristig funktionieren“, sagt Thielen.

Gemeinden unterstützen das Projekt

Nicht nur Landwirte, auch viele Rhön-Gemeinden beteiligen sich an dem Life-Projekt, indem sie gemeindliche Flächen zur Verfügung stellen und sich damit festlegen, diese Wiesen in den kommenden 20 Jahren nicht mehr intensiv zu bewirtschaften. Ein Beispiel ist Ehrenberg, wo es noch besonders viele Hutungen gibt. Bürgermeister Peter Kirchner sagt, das Life-Projekt „ist eine einmalige Gelegenheit, diese für den Naturschutz so wichtigen Flächen zu erhalten“. Gleichzeitig würde damit die Landwirte unterstützt und drittens sei die intakte Natur wichtig für den Tourismus, wenn etwa die Hutungen mit den darauf weidenden Rinden oder Schafen Ausflugsziele für Urlauber werden.

  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren