Valeria Eckardt und Arthur Schulz von Slow-Food Fulda kaufen gerne auf dem Wochenmarkt ein.
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Valeria Eckardt und Arthur Schulz von Slow-Food Fulda kaufen gerne auf dem Wochenmarkt ein.

Rezept

Umweltfreundliche Kohlrouladen – „Slow Food“-Bewegung will Ernährung verändern

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Genuss und Verantwortung in Einklang bringen – das ist das Ziel der sogenannten Slow-Food-Bewegung, die auch im Leben von Arthur Schulz (35) und Valeria Eckardt (26) aus Fulda eine wichtige Rolle spielt. Was genau das bedeutet und wie ein typisches Slow-Food-Gericht aussehen könnte, erklären sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Fulda - Sich für nachhaltige, umweltfreundliche Lebensmittel einsetzen und dabei Verantwortung und Genuss in den Fokus rücken – das ist das Ziel der Slow-Food-Bewegung, die ursprünglich aus Italien kommt und mittlerweile weltweit verbreitet ist. Slow-Food ist englisch und bedeutet auf Deutsch etwa „langsames Essen“. „Langsam“ bezieht sich dabei jedoch weniger auf die Geschwindigkeit der Zubereitung, sondern vielmehr auf eine nachhaltige Produktionskette. Dabei ist die Bewegung, die es in Fulda seit zehn Jahren gibt, außerdem als Gegenbewegung zum sogenannten Fast Food („schnelles Essen“) entstanden.

Rezept für Umweltfreundliche Kohlrouladen - „Slow Food“-Bewegung will Essverhalten ändern

Die 26-jährige Valeria Eckardt, dritte Vorsitzende von Slow Food Fulda, erklärt, dass die Grundbegriffe der Bewegung „gut“, „sauber“ und „fair“ seien. Das bedeute, dass die verwendeten Produkte nicht nur genussvoll und gesund sein sollen. Man soll auch immer erfahren können, woher sie kommen, ob sie weiterverarbeitet wurden oder ob ihnen Zusatzstoffe hinzugefügt wurden. Ziel sei es immer, Produkte in ihrer reinen Form zu erhalten. Die Ortsgruppe setze sich außerdem für die faire Entlohnung der Erzeuger ein.

Insgesamt zählt die Bewegung in Fulda etwa 40 Mitglieder. Alle zwei Monate treffen sich die Mitglieder der Gruppe, tauschen sich untereinander aus und unternehmen Exkursionen – zum Beispiel zum Biohof von Christof Gensler in Poppenhausen.

Wie er dazu kam, sich über nachhaltige und faire Ernährung Gedanken zu machen, erklärt der erste Vorsitzende der Fuldaer Gruppe, Arthur Schulz, so: „Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, bis ich sechs Jahre alt war.“ Danach sei er mit seiner Familie umgezogen und habe irgendwann festgestellt, dass er den Zugang zu regionalen und nachhaltigen Produkten, wie er sie vom Leben auf dem Bauernhof kenne, vermisse. Slow Food bereichere sein Leben. Vor allem gehe es ihm um die Wertschätzung der Lebensmittel: „Man isst bewusster und genießt mehr“, sagt er.

Ähnlich sieht das Valeria Eckardt: „Beim Einkaufen hinterfragt man auch mal.“ Außerdem ist sie der Meinung, dass man Produkte, von denen man weiß, woher sie kommen, ganz anders genießen könne.

Traditionelle Rezepte à la Slow Food - Einfach mal ausprobieren!

Und was ist mit Süßigkeiten? „Ziel von Slow Food ist es nicht, dass man sich Restriktionen auferlegt“, sagt Schulz. Vielmehr gehe es um bewusstes Einkaufen und Essen. Es sei eher ein Leitbild: „Man ist für etwas, nicht gegen etwas“, fügt er hinzu. Im Vordergrund stehe immer der Genuss.

So sieht die vegetarische Rhöner Kohlroulade à la Slow Food aus. Das Rezept stammt von Iris Eibeck.

Das Rezept

Für die Rouladen braucht man:

- Weißkohlblätter, der Strunk V-förmig ausgeschnitten (Wirsingblätter sind auch geeignet) - 300 g Karotten - 300 g Ziegenfrischkäse (wenn man den Käse weglässt, ist das Gericht vegan) - 400 g Zwiebeln - 150 g Schwarzkohl (alternativ Grünkohl aus dem Glas oder 150 g vom übrigen Weißkraut, fein geschnitten) - 250 g Lauch - 1 EL Kümmel - Salz, Pfeffer - Öl

Zubereitung:

Die Weißkohlblätter in Salzwasser acht Minuten garen, herausnehmen, zum Abkühlen beiseite stellen. Karotten, Lauch und Schwarzkohl putzen, Zwiebeln schälen. Karotten raspeln, Lauch in dünne Ringe schneiden, Schwarzkohl in Streifen schneiden. Zwiebeln halbieren, in Streifen schneiden und in reichlich Öl braten, bis sie eine Karamell-Farbe annehmen. Karotten, Zwiebeln, Lauch und Schwarzkohl vermischen, den Ziegenfrischkäse hinein zupfen, Kümmel zugeben. Die Masse durchmischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Krautblätter ausbreiten, Masse darauf verteilen, dann die Blätter vorsichtig zusammen rollen. In einen ausreichend großen Topf setzen, etwas Öl hinein geben und 20 Minuten schmoren.

Das braucht man für die Beilage:

- Rhöner Beluga-Linsen, etwa 40 Gramm pro Person - Butter, Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Die Linsen in Wasser 35 Minuten kochen, bis sie weich sind (man braucht sie nicht einzuweichen). Abgießen, salzen, ein Stück Butter und Pfeffer dazu geben, beiseite stellen.

Das braucht man für die Tomatensoße:

- 2 Knoblauchzehen - 1 Zwiebel - 700 g Tomaten-Polpa (oder selbst gemachte Polpa aus Rhöner Tomaten, die es inzwischen ja ausreichend gibt) - Öl - Salz, Pfeffer, Zucker

Zubereitung:

In einen Topf etwas Öl geben und die geschälten und grob zerkleinerten Knoblauchzehen und Zwiebelstücke geben. Andünsten, dann mit der Tomatenpolpa ablöschen. Abdecken und etwa 20 Minuten köcheln lassen, bis sich Knoblauch und Zwiebel pürieren lassen. Mit dem Pürierstab durchmixen und alles mit Salz, Pfeffer und ein wenig Zucker abschmecken.

Den Rest des Kohlkopfes kann man fein schneiden und mit Salz, Pfeffer und einem guten kalt gepressten Salatöl zu einem schnellen Krautsalat verarbeiten.

Video: 5 Tipps für eine gesunde, vegane Ernährung

Für die Serie „Schlemmen in der Heimat“ stellen die beiden eine vegetarische Rhöner Kohlroulade à la Slow Food vor. Das Gericht besteht zu 100 Prozent aus regionalen Rhöner Bio-Zutaten. Und für die Zubereitung für acht Personen braucht man etwa 15 Euro für die Lebensmittel und 90 Minuten Zeit.

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