Die Grenzanlage in der Rhön.
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Die einstige Grenzanlage mit Zaun und Wachturm am Dreiländereck erinnert an die deutsche Teilung.

Am Dreiländereck

Rhöner Wachturm steht zum Verkauf - Sanierungs-Idee ist gescheitert

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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Dutzende Touristen pilgern täglich am Dreiländereck zu der ehemaligen DDR-Grenzanlage. Nur 700 Meter vom Parkplatz Schwarzes Moor entfernt erinnern ein Wachturm, der Kolonnenweg sowie ein Stück Grenzzaun an die Trennung Deutschlands und die Wiedervereinigung vor 30 Jahren. Der Wachturm hat eine besondere Geschichte. Jens Graf hat ihn gekauft und wollte ihn sanieren.

  • Jens Graf hat den alten Wachturm gekauft, um ihn zu sanieren
  • Die Corona-Krise und die staatliche Bürokratie haben ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht
  • Springt die Stiftung Naturschutz ein?

Rhön - Er sieht etwas heruntergekommen aus. Kein Wunder: Drei Jahrzehnte, in denen er der unwirtlichen Rhöner Witterung in einer Höhe von fast 800 Metern ausgesetzt ist, haben Spuren hinterlassen. Der Turm ist verwittert und sanierungsbedürftig. Jens Graf gefiel dieser Zustand nicht. Also entschloss er sich zum Kauf und wollte das Denkmal an der einstigen innerdeutschen Grenze retten und für die nachfolgenden Generationen sanieren.

Graf kommt aus Birx. Das Dorf liegt im Dreiländereck, gehört zu Thüringen ist nur wenige Kilometer vom Ehrenberger Ortsteil Seiferts und nur einige Hundert Meter von der einstigen Grenze entfernt. Zu DDR-Zeiten galten für die Birxer aufgrund der Nähe zur Grenze besondere Bedingungen. Sie wurden jedes Mal kontrolliert, wenn sie ihren Ort verlassen oder wieder heimkehren wollten.

Rhön: Alter Wachturm steht zum Verkauf

Der 52-Jährige betreibt heute eine Pension in Birx und ist Gästeführer. Er bietet Wanderungen im Biosphärenreservat und entlang des Grünen Bandes, einem Naturschutzgebiet rechts und links der einstigen Grenze, an. Und er ist geschichtsinteressiert.

Da die Gemeinde den Kauf des renovierungsbedürftigen Turms aus finanziellen Gründen abgelehnt habe, entschloss er sich zu dem besonderen Immobilienerwerb. „Mir war es wichtig, dass dieses Zeugnis der deutschen Geschichte erhalten bleibt“, sagt er. Für 2000 Euro hat er den Wachturm gekauft.

Das war vor rund zwei Jahren. Da war Graf noch zuversichtlich, mit Hilfe von Fördergeldern das besondere Denkmalschutz-Projekt umsetzen zu können. „Der Turm muss komplett saniert werden“, sagt er. „Ansonsten verfällt er. Das kann keiner wollen.“ Die Renovierungskosten hätten sich nach seinen Schätzungen auf rund 60.000 Euro belaufen.

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Sanierung des alten Wachturms: Corona-Krise macht Strich durch die Rechnung

Doch dann kam vieles anders als gedacht. Die Corona-Krise und die staatliche Bürokratie haben ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er stellte Anträge, um Fördergelder zu erhalten. Doch der hohe Eigenanteil, den er hätte zahlen müssen, die steigenden Baukosten und letztendlich die Corona-Pandemie ließen ihn das Projekt aufgeben. Denn seit dem Lockdown hatte der Pensionsbesitzer mehrere Wochen keine Einnahmen.

Jetzt will er den Turm an die Stiftung Naturschutz, die auch für das Grüne Band zuständig ist, verkaufen. Er steht aktuell in Verhandlungen. Allerdings sei es bislang zu keiner Einigung gekommen. Er selbst hat das Projekt der Wachturmrenovierung aufgegeben, weil er feststellen musste, dass es für eine Privatperson nicht finanzierbar ist. Wenn ihn die Stiftung nicht kaufen will, dann will er ihn im Internet anbieten. Dort gebe es bestimmt Interessenten, sagte er.

Jens Graf konzentriert sich nun wieder auf seine Pension Dreiländereck in Birx mit zwölf Zimmern, bietet Grenzwanderungen an, erzählt Menschen, die zu ihm kommen, über die Besonderheiten der innerdeutschen Grenze an dieser Stelle, an der man sich einmal in Bayern, nur wenige Schritte weiter in Thüringen und dann wieder in Hessen befindet. Und natürlich darüber, dass einst eine unmenschliche Grenze die Rhön trennte.

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