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Planung für A7-Abfahrt Gersfeld braucht Zeit: Baubeginn nicht vor 2027

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Von: Volker Nies

A7: Spatenstich für Ersatzneubau der Talbrücke Thalaubach im Kreis Fulda
Aktuell wird die Brücke über den Thalaubach erneuert. Aber die neue Abfahrt daneben wird bereits geplant. © Volker Nies

Zwei Großprojekte der Autobahn GmbH stehen in Döllbach an: Die Erneuerung der Brücke über den Thalaubach hat begonnen. Sie soll 2028 abgeschlossen sein. Noch im Planungsstadium ist die Autobahnanschlussstelle Gersfeld. Sie soll in der Nähe der Brücke entstehen. 

Döllbach - Der gesamte Verkehr aus dem südlichen Teil der hessischen Rhön, der auf die A7 Richtung Kassel will, muss heute durch Rothemann fahren. 12.000 Fahrzeuge täglich. In Zukunft sollen sie schon bei Döllbach auf die A7 auffahren können. Die Wirtschaft erwartet sich Rückenwind durch die schnelleren Wege auf die Autobahn. Die zusätzliche Ausfahrt bedeutet aber für die Menschen an der B279 in der Gemeinde Ebersburg und Stadtteilen von Gersfeld eine zusätzliche Belastung mit Lärm und Abgasen.

Rhön: Planung für A7-Abfahrt Gersfeld braucht Zeit - Baubeginn nicht vor 2027

Im Juli hatte der Fuldaer Kreistag mit den Stimmen von CDU, FDP, CWE und AfD beschlossen, dass er die Autobahnabfahrt bei Döllbach unterstützt. Zugleich sprach er die Erwartung aus, dass Bund und Land die Orte an der B279 Richtung Gersfeld besser schützt. Der Bundestagsabgeordnete Michael Brand (CDU) lud danach – wie im Kreistag angekündigt – die Kommunen Eichenzell, Ebersburg, Gersfeld und die Autobahn GmbH zu einem runden Tisch ein.

Das nächste Gespräch findet noch vor Weihnachten mit HessenMobil statt. „Die frühe Einbindung ist wichtig und verbessert das Ergebnis“, sagt Brand. Auch der Ebersburger Bürgermeister Benjamin Reinhardt (parteilos) stellt heraus: „Ich begrüße die Pläne für die Ausfahrt. Ebersburg wird davon profitieren. Aber für den Lärmschutz entlang der Bundesstraße müssen Bund und Land mehr tun.“ Auf der Bundesstraße 279 fahren – gezählt in der Stadt Gersfeld – am Tag 5100 Fahrzeuge. Mehr als 800 davon sind Lastwagen, so die Daten einer Verkehrszählung 2021.

Die Ausfahrt wird Rothemann entlasten, die Anlieger an der B279 nach Gersfeld werden belastet.
Die Ausfahrt wird Rothemann entlasten, die Anlieger an der B279 nach Gersfeld werden belastet. © Grafik: Michael Haipeter

Die Planungen für die Anschlussstelle laufen schon seit Jahren. „Derzeit aktualisieren wir die Planungsunterlagen für die Anschlussstelle. Das wird uns auch im kommenden Jahr noch beschäftigen“, erklärte Cord Lüesse, Direktor der Niederlassung Nordwest der Autobahn GmbH, unserer Zeitung. „Ich gehe davon aus, dass wir die Unterlagen für die Planfeststellung in der zweiten Jahreshälfte 2024 einreichen können.“

Allerdings: „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“, ergänzt Peter Wöbbeking, Leiter der Außenstelle der Autobahn GmbH in Fulda. „Es ist sehr gut möglich, dass gegen die Planungen geklagt wird. Deshalb müssen unsere Unterlagen so hieb- und stichfest sein, dass sie im Zweifel vor einem Gericht Bestand haben“, erklärt Wöbbeking.

Die Autobahn GmbH nimmt bei ihren Planungen bereits den Lärm ins Visier, der durch die neue Ausfahrt Gersfeld in der Umgebung entstehen wird. In diesem Fall müsste der Bund für Lärmschutzmaßnahmen bezahlen. „Wenn es so ist, dass der Lärm durch die neue Anschlussstelle ausgelöst wird, dann zahlt der Bund für den Lärmschutz, etwa auf der B279“, erklärt Cord Lüebbe. „Es gilt die Faustregel: Je weiter entfernt ein Ort von der neuen Ausfahrt ist, desto geringer dürfte in der Regel der Einfluss der Autobahnabfahrt auf das Lärmgeschehen vor Ort sein“, ergänzt Ulrich Hansel, Planungschef von HessenMobil in Fulda.

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Wann aber ist mit dem Baubeginn für die Ausfahrt zu rechnen? Lüebbe macht folgende Rechnung auf: Wenn die Pläne in zwei Jahren fertig sind und das Planfeststellungsverfahren zwei Jahre dauert, dann ist das Projekt frühestens 2027 baureif. Dann darf aber keine Klage eingereicht worden sein, und der Bund muss das erforderliche Geld geben. 2019 wurden die Kosten auf elf Millionen Euro geschätzt.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Jürgen Lenders, Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestags, lobt die Planungen, die auch einen Mitfahrerparkplatz für Berufspendler sowie den Rückbau und eine Rekultivierung an der B279 vorsehen. Lenders: „Die Planung für die Anschlussstelle wurde 2012 begonnen, als die FDP in Hessen der Regierung angehörte. Wenn der Verkehr auf der Autobahn gebündelt wird, dann gibt es parallel zur A7 weniger Verkehr auf der B279, so dass diese zur Landstraße abgestuft werden kann.“

Brand berichtet, er sei seit 2005 an dem Thema dran, als ihm die Anwohner in Rothemann und Döllbach von der Verkehrsbelastung berichteten. „Seither haben ich viel mit Land und Bund über die Interessen der Kommunen geredet, in Berlin und Wiesbaden konkrete Planungen eingefordert. 2016 wurde die Anschlussstelle zum Vorhaben des Bundes.“ Brand: „Es gilt, die legitimen Interessen der Kommunen und Anwohner am neuen Anschluss wie der B279 zu berücksichtigen und den Ausgleich der Interessen zu suchen. Das betrifft den Umweltschutz ebenso wie Belastungen durch alte wie neue Verkehre.“

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