Sie waren fast zwei Jahrzehnte lang die Grasmücken: Jonathan „Johnny“ Wirth (von links), Matthias Wirth und Tobias Bott – Sohn, Vater und Neffe.
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Sie waren fast zwei Jahrzehnte lang die Grasmücken: Jonathan „Johnny“ Wirth (von links), Matthias Wirth und Tobias Bott – Sohn, Vater und Neffe.

Rhöner Musikband

Nach 20 Jahren: Die Grasmücken hören auf

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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Die Grasmücken sind weit über die Rhön hinaus bekannt. Nach mehr als 20 Jahren löst sich die Musikgruppe nun auf – und nennt zeitliche Gründe. 

  • Die Grasmücken sind eine waschechte Familienband aus der Rhön, die sich nun aufgelöst haben.
  • Matthias Wirth, Jonathan Wirth und Tobias Bott haben die Entscheidung vor einem Vierteljahr gefällt.
  • Zeitliche Gründe zwingen die Rhöner Musikgruppe zum Rückzug.

Kleinsassen/Elters - Matthias Wirth (60), Jonathan „Johnny“ Wirth (33) und Tobias Bott (33) – Vater, Sohn und Neffe – das sind die Grasmücken. Eine waschechte Familienband, die die Liebe zur Musik und zu ihrer Rhöner Heimat eint. Das Trio hat sich nun aufgelöst.

Frontmann Matthias Wirth erklärt, dass die Entscheidung vor einem Vierteljahr gefallen ist. „Mein Sohn Johnny ist mit dem Hausbau beschäftigt, hat vier Kinder. Er und Tobias arbeiten beide im Schichtdienst. Ich habe selbst 31 Jahre Schicht gearbeitet. Uns drei unter einen Hut zu bringen, das wurde immer schwieriger“, sagt der 60-Jährige aus Hofbieber-Elters und betont: „Das schmerzt, klar. Da ist viel Wehmut dabei.“

Die Grasmücken hören auf - Unplugged-Konzerte vor kleinem Publikum waren ihr „Ding“

Bis zu 60 Konzerte haben die Grasmücken im Jahr gespielt, vier CDs aufgenommen. „Unser Repertoire bestand am Ende aus 123 Liedern“, betont Wirth. Angelehnt an bekannte Melodien, aber meist mit selbst geschriebenen Stücken begeisterten die Drei ihre Zuhörer – wo sie spielten, war es meist proppenvoll.

„Manchmal haben wir am Abend auf drei Geburtstagen gespielt“, sagt der Frontmann. Häufig seien auch der Fuldaer Kulturkeller oder das Stadtfest Auftrittsorte gewesen. „Unser Ding waren besonders auch Unplugged-Konzerte vor kleinem Publikum.“

Die Grasmücken haben 20 Jahre lang auf Rhöner Platt gesungen

Denn in ihren Liedern huldigen sie zwar ihrer Rhöner Heimat („Ich Komm Goar Net Wied Hä“ oder „Da Bo Ich Häkomm“), doch oft schlagen sie ruhige, emotionale Töne an und widmen sich ernsthaften Themen mit „Schroawe Gedaangke“ und „Burn out“. „Deshalb haben wir auch häufig auf Beerdigungen gespielt“, erzählt Wirth. Dass Rhöner Platt und ernsthafte, fast spirituelle Texte gut zusammenpassen – das hat die Band bewiesen.

In dieser Konstellation ging es 1997 los: Karl Wirth (von links), Edith Michel, Matthias Wirth sowie Dirk Michel und Horst Bott.

„Unser allererstes Lied war ein Liebeslied auf unser Dorf Kleinsassen“, erklärt Matthias Wirth. Das ist der Ort, wo alles begann. In anderer Konstellation als heute: Er gründete die Grasmücken zusammen mit Vater Karl, seiner Schwester Edith und Schwager Dirk Michel sowie Horst Bott.

Zum Abschied haben die Grasmücken für ihre Fans ein Lied als Musikvideo aufgenommen

Der erste Auftritt 1997 auf der Kunstwoche in Kleinsassen blieb ihm besonders in Erinnerung: „Wir waren furchtbar aufgeregt. 40 Minuten zu füllen, war eine echte Herausforderung. Und jede zweite Nummer ging textmäßig in die Hose“, sagt der Sänger und lacht.

In der Anfangsbesetzung ging es nur einige Jahre weiter. „Dann wurde meine Schwester schwanger. Und mein Vater hörte aus gesundheitlichen Gründen auf. Tobi und Johnny waren ohnehin meistens bei den Auftritten mit dabei gewesen.“ So machten Vater, Sohn und Neffe als Trio weiter. „Tobi und Johnny sind als Jugendliche eben nicht Moped gefahren, sondern haben als Musiker Bluegrass gespielt“, betont der Frontsänger. Bluegrass ist eine US-amerikanische Volksmusikrichtung und gehört zum Genre der Country-Musik. Zwischenzeitlich war der Erfolg der „Grasmücken“ so groß, dass Matthias Wirth gar überlegte, sein Hobby zum Beruf zu machen, hat es dann aber wieder verworfen.

Musik im Blut

Die Band Die Grasmücken wurde 1997 von Matthias Wirth, seinem Vater Karl Wirth, seiner Schwester Edith Michel, Schwager Dirk Michel und Horst Bott gegründet. Laut Matthias Wirth war seine Familie schon immer sehr musikalisch („Schon mein Großvater hat Tanzmusik gemacht.“). Nach einigen Jahren machte er mit Jonathan Wirth (einem seiner drei Söhne) und Neffe Tobias Bott als Trio weiter. Tobias hatte bei seinem Großvater Karl Geige spielen gelernt. 

Als Abschiedsgeschenk für die Fans hat die Band das „mit Abstand meist gewünschte Lied“ – das „Bulldog-Lied“ – als Musikvideo aufgenommen und auf ihrem YouTube-Kanal hochgeladen. Und dass man hier und da noch einmal solo oder zusammen mit anderen Musikern etwas macht, das sei zumindest laut Matthias Wirth nicht ausgeschlossen. „Wo sich eine Tür schließt, öffnen sich zwei neue“, meint der 60-Jährige mit einem Augenzwinkern. Und damit – und mit den Liedern, die die Grasmücken auf CD und im Internet veröffentlicht haben – beweist die Band: Niemals geht man so ganz.

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