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Schutz für bedrohte Arten: Wachtelkönig und Mauersegler wird in der Rhön geholfen

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Für den Wachtelkönig bietet das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön wichtige Rückzugsgebiete.
Für den Wachtelkönig bietet das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön wichtige Rückzugsgebiete. © Torsten Kirchner

Wachtelkönig und Mauersegler sind zwei der Arten, die in den vergangenen Jahren im Biosphärenreservat Rhön besonders im Fokus standen. Warum und mit welchem Erfolg, erklärten die Verantwortlichen bei einem Vortrag der Reihe „In der Rhön, für die Rhön“.

Rhön - Mit der Auszeichnung der Rhön als UNESCO-Biosphärenreservat ist eine besondere Verantwortung für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten verbunden – auch für die Vogelwelt, heißt es in einer Mitteilung des Biosphärenreservats. Eine Grundlage ist das europaweite Schutzgebietsnetz Natura 2000 und die damit verbundene Ausweisung von Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH) und Vogelschutzgebieten (VSG).

An dem Vortragsabend stand das VSG Hessische Rhön im Landkreis Fulda im Fokus. Besonders stark bedroht sind die Bodenbrüter im Offenland – unter anderem der Wachtelkönig, für dessen Erhalt die Rhön eine bedeutende Region ist. Das hatte zuletzt ein Monitoring im Jahr 2021 gezeigt: Allein auf hessischer Seite wurden 20 Reviere gezählt – das entspricht zwei Dritteln aller Reviere in Hessen.

Rhön: Bedrohte Arten - So wird Wachtelkönig und Mauersegler geholfen

„Nimmt man Thüringen und die Lange Rhön in Bayern dazu – hier ist der Wachtelkönig noch weiter verbreitet – ergibt sich für die gesamte Rhön eine bundesweite Bedeutung“, betonte Stefan Stübing vom Büro für faunistische Fachfragen. „Der Wachtelkönig ist ein Extrembeispiel, das zeigt, wie viel Aufwand manchmal nötig ist, um eine Art zu erhalten“, sagte Stübing. Spezialisiert ist der Bodenbrüter auf offene Grünlandtypen. Das Biosphärenreservat mit magerem Berggrünland und Borstgrasrasen biete da beste Voraussetzungen.

Allerdings waren im Jahr 2017 in ganz Hessen nur noch drei Rufer gezählt worden. Zu schaffen macht dem Vogel der gravierende Lebensraumverlust, bedingt durch Trockenlegung, Nährstoffeintrag, aber auch Tötung bei der Mahd. „Ohne eine Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft ist der Wachtelkönig also nicht zu retten“, betonte Stübing. Deshalb unternimmt der Landkreis Fulda auf Grundlage eines Artenhilfskonzepts besondere Anstrengungen zum Schutz des Bodenbrüters. (Lesen Sie hier: Seltene Tierarten in der Rhön gefährdet: Quellenexperte nennt Gründe)

Ab Anfang Juni bis Mitte Juli werden zunächst die rufenden Wachtelkönige erfasst. Wenn Brutstandorte und -status möglichst genau feststehen, wird der wahrscheinliche Brutbereich eingegrenzt. Dann kommt der Fachdienst Natur und Landschaft ins Spiel: Er nimmt Kontakt zu den Flächenbewirtschaftern auf, um eventuell Verschiebungen der Mahd- oder Beweidungstermine auszumachen. Da sich der Wachtelkönig bei der Jungenaufzucht Zeit lässt oder auch ein zweites Mal brütet, kann die Bewirtschaftung manchmal erst Ende September wiederaufgenommen werden.

Schutz für bedrohten Bodenbrüter und rasanten Akrobaten

Für Ertragsverluste erhalten die Landwirtinnen und Landwirte Ausgleichszahlungen aus Naturschutzmitteln. Zu den Maßnahmen gehören auch das Stehenlassen von Schonflächen und die Teilnutzung von Schlägen. Seit dem Jahr 2018 hat der Landkreis Fulda bisher mit 32 Landwirtinnen und Landwirten im Schutz für den Wachtelkönig zusammengearbeitet. 2021 konnten 18 der 20 Reviere geschützt werden. Bei einer Kartierung von Bruterfolgen im Herbst zeigte sich dann anhand des Nachweises von flüggen Jungvögeln: Die Maßnahmen haben gefruchtet.

Der zweite Vortrag widmete sich einem Flugakrobaten, der zwar nicht als gefährdet gilt, dessen Lebensräume aber nach und nach schwinden. Die schrillen Rufe der Mauersegler sind vor allem in den Abendstunden zu hören, wenn sie um die Häuser „segeln“. Da Städte das Hauptverbreitungsgebiet darstellen, konzentrieren sich bisherige Studien vor allem auf Stadtgebiete. Wie es im ländlichen Raum des Landkreises Fulda um den Mauersegler bestellt ist, hatte Marlene Klisa im Rahmen ihrer Masterarbeit im Jahr 2020 untersucht – unterstützt von rund 20 Ehrenamtlichen.

So konnten 198 von 294 Ortslagen erfasst werden. Ergebnis: In 82 Dörfern, verteilt über den gesamten Landkreis, wurden Mauersegler gesichtet, in 42 davon wurden insgesamt 146 Brutplätze nachgewiesen. Je größer das Dorf, desto wahrscheinlicher auch die Anwesenheit von Mauerseglern. Die Umgebung der Ortslagen, also ob sich in der direkten Nähe Wald, Wiese und Weidefläche oder Ackerland befindet, schien nicht ausschlaggebend zu sein. (Lesen Sie auch: Robin ist „kein Einzelfall“ - Naturschützer sprechen von zahlreichen toten Rotmilanen durch Windräder)

Vortragsreihe „In der Rhön, für die Rhön“ - Nächster Termin am 24. März

„Das könnte daran liegen, dass Mauersegler sehr mobil sind. Ihre Streifzüge bringen sie auf Nahrungssuche sieben bis acht Kilometer, bei schlechtem Wetter auch mal bis zu 50 Kilometer weit“, erklärte Klisa. Als dritte Variable hatte sie die Gebäude- und Fassadenarten der Brutplatz-Standorte genauer untersucht. Neben dem schwindenden Nahrungsangebot durch das Insektensterben stellen Sanierungsarbeiten an Gebäuden sowie Neubauten eine der größten Gefahren dar.

Denn: Der Felsenbrüter braucht Dächer und winzige Gebäudenischen und -löcher für den Nestbau. In ihrer Untersuchung stellte Klisa fest, dass Kirchen im Vergleich zu anderen Gebäudetypen signifikant bevorzugt werden. Und: Wenn Nistkästen vorhanden waren, wurden diese auch gern angenommen. „In einigen Dörfern haben wir zwar Mauersegler gesichtet, aber keine Brutplätze festgestellt. Hier kann man also die Population ganz einfach stärken, indem man mit Nistkästen nachhilft.“

Die Vortragsreihe wird von der Bayerischen Verwaltung des Biosphärenreservats organisiert. Die Aufzeichnung des Vortrags ist auf www.biosphaerenreservat-rhoen.de zu finden. Beim nächsten Termin der Reihe „In der Rhön, für die Rhön“ am Donnerstag, 24. März, 19.30 bis 21 Uhr, geht es um das Thema Umweltkommunikation. (ah)

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