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„Terra X“-Fernsehprofessor Harald Lesch soll Gersfelder Stadtverordnete überzeugen

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Von: Hartmut Zimmermann

Auf diesem Grundstück an der Wolf-Hirth-Straße (im Hintergrund das Klinikum Gersfeld) möchte die Convoris GmbH Geschäfts- und Wohngebäude errichten.
Auf diesem Grundstück an der Wolf-Hirth-Straße (im Hintergrund das Klinikum Gersfeld) möchte die Convoris GmbH Geschäfts- und Wohngebäude errichten. © Sven Hoppe/dpa; Hanna Wiehe - Collage: Fuldaer Zeitung

Eine Leinwand, darauf – willkommen in der ZDF-Mediathek – Terra X und Prof. Harald Lesch. Wie ein Fernsehabend begann die Stadtverordnetensitzung in der Stadthalle Gersfeld (Rhön). Nur das Sofa fehlte.

Gersfeld - Der unterhaltsam-lehrreiche Einstieg verdankte sich einem potenziellen Investor: Dr. René Nitsche, Geschäftsführender Gesellschafter der Convoris-Verwaltungsgesellschaft, möchte auf einem Grundstück gegenüber dem Klinikum Gersfeld (Rhön) an der Wolf-Hirth-Straße bauen. Dort soll die Verwaltung der Convoris Holding einziehen, erläuterte Nitsche. Zudem seien zwei Wohngebäude mit sechs bis acht Wohnungen geplant.

Dass Nitsche den Fernseh-Professor bemühte, diente dem Zweck, dessen Erklärer-Qualitäten zu nutzen. Denn es galt zu zeigen, was das Geschäftsmodell der Firma Convoris ausmacht. Salopp gesagt: Das Unternehmen will seine Kohle mit Kohle verdienen. Genauer gesagt: mit Bio-Holzkohle. In einer ehemaligen Ziegelei bei Leipzig und – geplant – an Standorten unter anderem im Harz und im Schwarzwald will Convoris zertifiziertes Holz zu Bio-Holzkohle verschwelen.

Rhön: Bio-Kohle-Hersteller Convoris will Zentrale in Gersfeld bauen

Die soll aber nicht dazu dienen, über der Glut Spießbraten oder Würstchen zu garen: „Wir stellen hochreine Bio-Kohle her, die beispielsweise als Tier-Arzneimittel eingesetzt werden kann“, erläutert Nitsche. Die Geschäfte des Unternehmens will der gebürtige Sachse von seiner Wahlheimat Gersfeld aus lenken. (Lesen Sie hier: Bürgermeister Korell gibt grünes Licht für Neubaugebiet in Gersfeld)

Weil das beim Verschwelen anfallende Holzgas unter gleichzeitiger Nutzung der Abwärme zur Stromerzeugung eingesetzt werde, sei der Prozess ökologisch sinnvoll, so Nitsche. Das gelte umso mehr, weil der Kohlenstoff erhalten bleibe und, von den Tieren aufgenommen und dann ausgeschieden, im Boden seine wahre Qualität entfalte: Denn die Kohlenstoff-Atome besäßen aufgrund ihrer Oberflächenstruktur einerseits die Gabe, die Stickstoff- und Ammoniakfracht der Gülle zu binden (und nebenbei deren scharfen Geruch zu absorbieren).

Im Boden werde dann der Stoff zu bestem Dünger, weil er die Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar mache. Der Kohlenstoff selbst bleibe erhalten und unterstütze so die Humusbildung im Boden – und werde nicht zum klimaschädlichen CO₂.

Genau diese Qualitäten der Kohle hatte TV-Professor Lesch in seinem Beitrag erläutert – am Beispiel rund 1500 Jahre alter archäologischer Funde aus dem Amazonasgebiet: Die überaus fruchtbare „terra preta“ (schwarze Erde) war dort Grundlage für ertragreiche Landwirtschaft – in einer Region, die heute, wenn der Urwald gerodet ist, nur noch rasch ausgelaugte Böden bietet.

Convoris zieht nach Gersfeld: Verwaltungsgebäude und Wohnungen geplant

Im Gersfelder Magistrat ist die Convoris-Nachfrage mit Interesse und Wohlwollen aufgenommen worden. „Wir begrüßen es, dass ein Unternehmen seinen Sitz hier einrichten möchte“, so Bürgermeister Dr. Steffen Korell (CDU). Die Flächen gegenüber dem Klinikum seien sehr interessant und schon für verschiedene Projekte in Erwägung gezogen worden, zuletzt auch für den Kindergartenbau. Seitens des Magistrats befürworte man die Pläne: Jetzt gehe es um die Entscheidung der Stadtverordneten.

Convoris wolle nicht die gesamte Fläche in Anspruch nehmen, erläuterte Korell. Es bleibe Raum, um ein Wachstum des Klinikums zu sichern, aber auch für weitere, sich abzeichnende Projekte.

Sollte das Stadtparlament für das Projekt stimmen, müsste es auch grünes Licht für eine Änderung des Bebauungsplans geben. Dann wären Verhandlungen über den Grundstücksverkauf der nächste Schritt. Geschäftsführer Nitsche hatte in seinem Votum darauf hingewiesen, dass er eine rasche Entscheidung anstrebe. Frühester Termin scheint derzeit die Stadtverordnetensitzung am 19. Mai zu sein, denn in der anstehenden Sitzung am kommenden Donnerstag, 28. April, werden lediglich die unerledigten Themen der Sitzung davor behandelt.

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