Marion Fuß (Mitte) und ihre zwei Töchter
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Marion Fuß (Mitte) hat dem Gebäude, in dem sich das Schreibwarengeschäft Krenzer befand, neues Leben eingehaucht und ein Café und eine Boutique in der Tanner Stadtmitte eröffnet. Sie wird in den Läden, zu denen außerdem zwei Friseursalons gehören, von ihren Töchtern Celine (links) und Kim unterstützt.

„Mutiges Leuchtturmprojekt“

Bewegung in Rhön-Stadt: Marion Fuß eröffnet Café und italienische Boutique in Tann

  • Jessica Vey
    VonJessica Vey
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Der historische Ortskern von Tann ist etwas Besonderes. Doch die Stadt in der Rhön hat ein Problem mit leerstehenden Gebäuden. Jetzt gibt es gute Nachrichten: Marion Fuß hat mit ihren Töchtern ein neues Café und eine Boutique eröffnet.

Tann - Wer durch die Innenstadt von Tann schlendert, entdeckt sehenswerte historische Denkmäler wie das Stadttor oder das Elf-Apostel-Haus. Doch auch leere Schaufenster prägen das Bild. Jalousien sind heruntergelassen, Türen mit Gittern verschlossen. Die Hauptstraße des Städtchens in der Rhön war einst von Ladengeschäften gesäumt; nun herrscht hinter den Fensterscheiben oft gähnende Leere.

Auch das Schreibwarengeschäft Krenzer am Steinweg stand seit gut fünf Jahren zum Verkauf. „Der Laden war viele Jahre eine Institution in Tann“, sagt Bürgermeister Mario Dänner (parteilos). (Lesen Sie auch: Parkscheibe statt Parkschein: Automaten in Tann werden abgeschafft)

Rhön: Mutter-Töchter-Gespann eröffnet Café und Boutique in Tann

Hintergrund für die Schließung ist ein häufiges Phänomen: Die Eigentümer wollten altersbedingt aufhören und hatten vergeblich versucht, einen Nachfolger zu finden. So schildert es der Bürgermeister, der nun „etwas Tolles und sehr Positives“ für Tann berichten kann. Denn das Gebäude wurde an eine Tannerin verkauft, die dem Haus neues Leben eingehaucht hat.

Marion Fuß hat im Untergeschoss ein Café und eine italienische Boutique eröffnet. Die 52-Jährige betreibt zwei Friseursalons in Tann und in Esbachsgraben. Nun kann man angrenzend an ihren Friseurladen Kaffee trinken, selbst gebackenen Kuchen essen und italienische Mode einkaufen. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums ihres Friseursalons hat sie Anfang September Café und Boutique eröffnet. Außerdem werden noch drei Ferienwohnungen entstehen, die Anfang des Jahres fertig werden sollen.

Um das Projekt stemmen zu können, hat sie ihre beiden Töchter Celine und Kim an ihrer Seite. „Das ist ein großes Geschenk“, betont Marion Fuß. Die beiden sind in ihre Fußstapfen getreten und haben eine Friseurlehre absolviert. Die 22- und die 23-Jährige arbeiten in den Läden mit.

Das Gebäude musste nach dem Kauf zunächst komplett saniert und teilweise entkernt werden. „Wir haben viel Schaffenskraft hineingelegt und tatkräftig mitgeholfen“, sagt die 52-Jährige. Wie viel Geld sie investiert hat, möchte sie nicht verraten.

Rhön: Neues Café in Tann - Viel Lob für Marion Fuß und Töchter

Sie erklärt: „Ich habe das für Tann gemacht.“ Es gebe in der Rhönstadt kaum Möglichkeiten, sich zu treffen. Das Café hat sie sogar täglich – sieben Tage in der Woche – geöffnet. „Wir können den Raum wegen Corona nicht so voll setzen und wenden die 3G-Regel an“, erklärt Fuß. Dennoch sei der Laden gut angelaufen, vor allem montags bis mittwochs sei viel los. „Die Resonanz von den Tannern und von Urlaubsgästen ist toll. Wir werden viel gelobt für das, was wir hier anbieten“, freut sich die Unternehmerin.

„Ich bin Tannerin und ich brenne für Tann. Auch meine Töchter lieben ihren Heimatort. Ich habe das nicht gemacht, um reich zu werden, mit einem Café wird man das ohnehin nicht. Klar, es muss sich rentieren, aber das Projekt haben wir hauptsächlich vorangebracht, weil uns der Ort und die Menschen am Herzen liegen.“

Bürgermeister Dänner ist von der Initiative begeistert und bezeichnet das Projekt als „Leuchtturm für Tann“. Sowohl für ein Café als auch für Ferienwohnungen sehe er einen hohen Bedarf. Er lobt das Engagement als „mutig, zumal wir Zeiten haben, in denen andere Geschäfte schließen müssen. Hier jedoch entsteht etwas Neues. Das ist, was wir in Tann brauchen. Und wer weiß, vielleicht macht es anderen Mut, solche Projekte in der Rhön zu wagen“.

Rhön: Bürgermeister Dänner hofft auf mehr Belebung in Tann

Ein weiteres positives Beispiel ist eine Privatinitiative – ebenfalls im Steinweg –, wo eine Familie ein Fachwerkhaus saniert hat – was laut Dänner dem Stadtbild sehr zugute kommt. Dort sei das Fachwerk offengelegt und auch innen umfangreich saniert worden. (Lesen Sie hier: Startschuss nach jahrelanger Planung - Elf-Apostel-Haus wird für 1,7 Millionen Euro saniert)

Der Bürgermeister macht sich Hoffnungen, dass sich angesichts des IKEK-Programms bald auch in anderen Gebäuden, vor allem in leerstehenden Ladengeschäften, etwas bewegt. Denn innerhalb des Dorfentwicklungskonzeptes können private Bauprojekte finanziell bezuschusst werden – sodass der, der durch die Innenstadt von Tann (Rhön) schlendert, bald wenig Leere und viel Leben findet.

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