Liftbügel, die niemand nutzt: Auf der Wasserkuppe herrschen seit vier Wochen traumhafte Bedingungen zum Ski- und Snowboardfahren. Doch die Beförderungsanlagen dürfen aufgrund der Corona-Pandemie nicht eingeschaltet werden.
+
Liftbügel, die niemand nutzt: Auf der Wasserkuppe herrschen seit vier Wochen traumhafte Bedingungen zum Ski- und Snowboardfahren. Doch die Beförderungsanlagen dürfen aufgrund der Corona-Pandemie nicht eingeschaltet werden.

Stimmung unter Betreibern schlecht

Corona lässt Hoffnung auf Skisaison schwinden - Rhöner Liftbetreiber: „Das schmerzt sehr“

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
    schließen

Ein Winter wie aus dem Bilderbuch und Schnee seit vier Wochen, doch die Skisaison scheint gestorben. Der Corona-Lockdown geht noch bis mindestens 14. Februar. Rhöner Liftbetreiber haben kaum noch Hoffnung auf einen Start.

Rhön - Den Rhöner Liftbetreibern geht es wie zahlreichen Gewerbetreibenden in der Region während der Corona-Krise: Sie dürfen nicht öffnen. Die Liftanlagen, die in die Kategorie Freizeitanlagen fallen, stehen still. In diesem Winter tut das jedoch besonders weh. „Wir hätten den Betrieb seit 26. Dezember durchgehend laufen lassen können“, sagt Harald Jörges vom Zuckerfeld-Lift in Gersfeld-Obernhausen. Das sind gut 30 Tage und damit schon 30 Tage mehr als vergangenes Jahr.

Denn in der Saison 2019/2020 war der Winter so mild, dass ein Betrieb am Zuckerfeld nicht möglich war: „Wir hatten die Schneekanonen eingeschaltet, die Piste war beschneit worden. Einen Tag hätten wir noch gebraucht, dann wäre ein Betrieb an Fasching möglich gewesen. Aber das ist ins Wasser gefallen“, erklärt Jörges.

Corona in der Rhön: Hoffnung auf Skisaison verloren - „Das schmerzt sehr“

Der Lift steht also schon den zweiten Winter in Folge still. Dieses Mal wegen Corona. Die Schneeproduktion im vergangenen Jahr hat Geld gekostet und war letztlich umsonst. Auch die laufenden Kosten belasten die Betreiber – beispielsweise für Versicherungen und Pacht. „Das tut finanziell weh“, sagt der 64-Jährige, sei aber nicht existenziell bedrohlich. „Wir machen das ja im Nebenerwerb. Würden wir das hauptberuflich machen, hätten wir längst Insolvenz anmelden müssen.“

Jörges betont: „Es ist bitter. Es wäre die beste Saison in den letzten zehn Jahren geworden. Wir hätten die Einnahmen sehr gut gebrauchen können, zum Beispiel für eine neue Pistenraupe, unsere ist schon 36 Jahre alt.“ 

Skilifte

Es gibt einige Skilifte in der hessischen und der angrenzenden bayerischen Rhön:

Wasserkuppe: 5 (Paradiso, Märchenwiese, Panorma, Abtsroda, Zauberteppich)

Zuckerfeld/Obernhausen: 1

Simmelsberg/Gersfeld: 2

Kreuzberg: 3 (Blick, Rothang, Dreitannen)

Arnsberg/Oberweißenbrunn: 2

Dass Liftanlagen stillstehen, könne er nicht nachvollziehen. Er sei nicht grundsätzlich gegen die Corona-Maßnahmen, findet aber: „Sich an einem Doppelbügellift, der maximal zwei Personen an der frischen Luft befördert, anzustecken, halte ich für unwahrscheinlich und in der Besucherschlange hätte man auf die nötigen Abstände achten können.“ Doch seine Hoffnung auf eine Saison ist mittlerweile dahin. „Vor Ostern geht nichts mehr“, schätzt der Liftbetreiber.

Ähnlich sehen es seine Kollegen aus der bayerischen Rhön. Dort gibt es Liftanlagen am Kreuzberg und am Arnsberg. Volker Willert gehören die drei Lifte am Kreuzberg, die einst sein Großvater aufgebaut hat. Er hat keine Schneekanonen, um mit Kunstschnee nachzuhelfen, und ist deshalb auf Naturschnee angewiesen. 

Rhöner Liftbetreiber haben wegen des Corona-Lockdowns kaum Hoffnung auf Skisaison

„Nach den schlechten Saisons der vergangenen Jahre wäre das ein Bombenwinter geworden“, sagt er. „Das hätte einige finanzielle Unannehmlichkeiten beseitigt. Denn aus wirtschaftlicher Sicht müsste man die Anlagen längst schließen.“ Doch für ihn sei das ein Hobby, das er weiterführen will: „Wenn alle Skilifte zumachen, würde der Rhön etwas fehlen.“

Dasselbe Durchhaltevermögen legt auch Matthias Adrian an den Tag. Seine beiden Arnsberglifte bei Oberweißenbrunn liefen in der vergangenen Saison an keinem einzigen Tag. „Auch für diesen Winter sehe ich schwarz“, bringt er es auf den Punkt, wobei es diesmal nichts mit fehlendem Schnee zu tun hat. „Groß verdienen tut man mit einem solchen Lift nichts. Aber es ist ein Hobby. Gekauft haben wir die Anlagen vor neun Jahren.“ Aufgeben wollen sie nicht. „Da steckt zu viel Herzblut drin.“ Aber Adrian betont: „Wir sind sehr traurig. Es wären wunderschöne Skitage gewesen. Und wenn ich sehe, wie viele Langläufer sich in den Loipen tummeln, dann kommt auch ein wenig Unverständnis auf. Die dürfen, wir aber nicht.“

Video: Nach Chaos auf der Wasserkuppe - Landrat Bernd Woide reagiert

Die Firma Wiegand aus Rasdorf, die fünf Lifte auf der Wasserkuppe betreibt, hatte im Oktober bereits Vorbereitungen getroffen, wie ein Betrieb unter Corona-Hygienevorschriften möglich sein kann. „Damals war die Situation aber noch eine andere. Die Infektionszahlen sind nun höher und die Entscheidungen nachvollziehbar. Die Gesundheit unserer Gäste steht an erster Stelle, da muss der Skibetrieb hinten anstehen“, erklärt Phillip Maethner von der Firma Wiegand. „Aber: Wir haben seit Wochen absolute Traumbedingungen. Das schmerzt natürlich sehr.“

Dieses Bild vom Zuckerfeld bei Gersfeld wird es aller Voraussicht nach in diesem Winter an keinem der Rhöner Liftanlagen geben. Besonders bitter: Für den Betrieb am Zuckerfeld ist es der zweite Winter in Folge ohne einen einzigen Skitag.

In den vergangenen Jahren hat die Firma in den Betrieb auf Hessens höchstem Berg kräftig investiert: Der Teich, der als Wasserspeicher für die Schneeproduktion gebraucht werden, wurde vergrößert und Schneekanonen und eine Pistenraupe wurden angeschafft. „Es ist natürlich schade, dass wir all das jetzt nicht einsetzen können.“ Wie hoch die Einnahmeausfälle durch die Schließung bislang sind, ist laut Maethner schwer zu beziffern.

Er geht davon aus, dass es wegen Corona keine Saison mehr geben wird. „In Sachsen hat die Landesregierung beispielsweise schon entschieden, dass es keine Skisaison gibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass Hessen diesem Beispiel folgen wird.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema