Das Land der offenen Fernen: Rund 8000 Kilometer Wanderwege gibt es in der gesamten Rhön. Vom Himmeldunkberg aus hat man einen wunderschönen Ausblick.
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Das Land der offenen Fernen: Rund 8000 Kilometer Wanderwege gibt es in der gesamten Rhön. Vom Himmeldunkberg aus hat man einen wunderschönen Ausblick.

Die Rhön könnte vom Inlandstourismus profitieren

Die Corona-Krise als Chance für die Region

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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  • Daniela Petersen
    Daniela Petersen
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Grenzenloses Reisen ist derzeit nicht möglich. Und es sieht ganz danach aus, dass das noch einige Zeit so bleiben wird. Umso bedeutender dürfte der Inlandstourismus werden. Für Reisedestinationen wie die Rhön könnte das eine Chance sein.

  • Die Corona-Krise als Chance für den Fremdenverkehr in der Rhön
  • Feriendorf auf der Wasserkuppe soll vor den Sommerferien fertig werden
  • „Damit der Tourismus wieder anlaufen kann, müssen die Restaurants öffnen dürfen“, betont Andreas Rau, Vorsitzender der Wirtevereinigung Rhöner Charme

Rhön - Poppenhausens Bürgermeister Manfred Helfrich (CDU) wollte in diesem Jahr in St. Johann in Tirol Urlaub machen. Diese Reise hat er nun storniert – weil er nicht weiß, ob die Reise überhaupt stattfinden kann und weil Tirol ein Krisenherd war. „Wir werden deshalb den Urlaub in diesem Jahr zu Hause verbringen, Tagestouren machen und die Rhön neu kennenlernen“, erklärt Helfrich, der Sprecher der touristischen Arbeitsgemeinschaft „Die Rhöner“ ist.

Er geht davon aus, dass die Corona-Krise auch eine Chance für den Fremdenverkehr in der Rhön ist und hat das so bei der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung in Poppenhausen verdeutlicht: „Ich hoffe, dass die Urlauber ihre Gewohnheiten ändern und in die Rhön kommen. Statt Schulter an Schulter im Flugzeug zu sitzen, werden sich viele dazu entscheiden, in Deutschland Urlaub zu machen und einige schöne Ecken für sich neu zu entdecken.“

Im Herzen von Deutschland

Die Region liege im Herzen von Deutschland und sei verkehrstechnisch optimal angebunden. „Die Rhön bietet viel Abwechslung und ist ein Pfund, von dem der heimische Tourismus profitieren wird“, ist er überzeugt. Er stelle schon jetzt ein bewussteres Freizeiterleben fest: „Man besinnt sich vielleicht wieder auf das, was vor der Tür liegt.“

Poppenhausen gehört zu den Gemeinden in der Rhön, die viele Urlauber anziehen. Insgesamt verzeichnet die Gemeinde pro Jahr rund 100.000 Gäste. 850 Betten gibt es in der Gemeinde insgesamt. Neben Hotels und Pensionen können Gäste auch in 60 Ferienwohnungen unterkommen.

Schrittweise Öffnung der Hotels möglich

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, hat Anfang der Woche erklärt, er gehe davon aus, dass ein Urlaub „eher regional“ stattfindet und dass es womöglich im Sommer „problemlos möglich sein wird, Ferienwohnungen und Ferienhäuser zur Vermietung aufzumachen“. Auch ein schrittweises Öffnen von Hotels sei denkbar.

Bei einer Rhönwanderung begegnet man so manchem Esel.

Andreas Schubert betreibt zusammen mit Boris Kiauka neben der Flugschule Papillon die Hotels Peterchens Mondfahrt, Deutscher Flieger und das Feriendorf auf der Wasserkuppe. Er wünscht sich, dass der Betrieb bald wieder anlaufen kann. Noch vor den Sommerferien soll das Feriendorf komplett fertig sein.

„Wir hoffen, dass wir wenigstens die Ferienhäuser bald wieder öffnen dürfen.“ Seit sechs Wochen ist geschlossen. Sein Unternehmen werde drei bis vier Jahre brauchen, um den wirtschaftlichen Schaden rausholen zu können. Trotzdem ist er optimistisch. „Der Deutschlandtourismus wird anziehen, wenn wir als Deutsche nur eingeschränkt ins Ausland dürfen.“ Die Ausfälle im Fremdenverkehr, die durch die Corona-Maßnahmen entstanden sind, könnten so ein wenig kompensiert werden.

„Restaurants müssen wieder öffnen dürfen“

Heute hat Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärt, dass die weltweite Reisewarnung, die noch bis Sonntag gilt, verlängert wird. Bisher gilt, dass nur „notwendige und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken“ genutzte Übernachtungen erlaubt sind. Hotels und andere Unterkünfte dürfen also gar keine Touristen aufnehmen.

Hinzu kommt: Bisher sind die Gaststätten geschlossen. „Damit der Tourismus wieder anlaufen kann, müssen die Restaurants öffnen dürfen. Wenn man wandert, dann möchte man auch irgendwo einkehren können“, betont Andreas Rau, Vorsitzender der Wirtevereinigung Rhöner Charme. Rau bewirtschaftet außerdem den Landgasthof Fuldaer Haus mit 27 Übernachtungsmöglichkeiten.

Rhön bietet Entschleunigung

Dass die Rhön in diesem Jahr – sollten Reisen möglich sein – als Destination gefragt ist, kann er sich gut vorstellen. „Die Rhön bietet Entschleunigung und ein bestens ausgebautes Wandernetz, tolle Fahrradwege und ein breites Freizeitangebot auf der Wasserkuppe. Aber es muss jetzt bald losgehen. Wir warten auf ein Signal der Regierung.“

Manfred Helfrich hat als Bürgermeister von Poppenhausen den Betrieben im Bereich Fremdenverkehr seine Unterstützung zugesagt, „wo immer es möglich ist“. Ziel müsse es sein, dass sich die Betriebe, sobald Lockerungen beschlossen werden, am Markt gut präsentieren. „Ich leide mit den Anbietern der touristischen Branche. Sie stehen aktuell mit dem Rücken zur Wand.“

Rhön GmbH zur aktuellen Lage

Die Rhön GmbH hofft, dass Reisen – zumindest in Deutschland – im Sommer und Herbst dieses Jahres wieder möglich sind. „Vermutlich werden damit einige Einschränkungen verbunden sein hinsichtlich Massenansammlungen und auch der Hygiene. Aber da kann die Rhön punkten. Sie liegt im Herzen von Deutschland. Die Region ist dünn besiedelt und ländlich geprägt.

Entsprechend gibt es hier viele kleine Übernachtungs- und Gastronomiebetriebe, die keinen Massentourismus, sondern echte Individualreisen ermöglichen“, betont Kathrin Kupka-Hahn, Pressesprecherin bei der Rhön GmbH. Das Freizeitangebot sei vielfältig. „Die Rhön ist eine der beliebtesten Wanderregionen in Deutschland. Rund 8000 Kilometer Wanderwege durchziehen die Region. Entsprechend haben Wanderer ausreichend Platz und Vielfalt, einander aus dem Weg zu gehen. Ähnlich sieht es auf den Radwegen aus.“

Und als UNESCO-Biosphärenreservat und Internationaler Sternenpark sei die Rhön mit zwei einzigartigen Merkmalen ausgezeichnet. Artenvielfalt, weite Ausblicke und eine wunderschöne Kulturlandschaft, danach würden sich Menschen – gerade in Krisenzeiten – sehnen.

Dem Tourismus in der Rhön setze die Coronakrise enorm zu. „Seit mehreren Wochen gibt es keinen Tourismus mehr: Die Betriebe, egal ob sie Übernachtungen, gastronomische Leistungen oder Freizeitaktivitäten anbieten, sind geschlossen. Das bringt die Betreiber, die Gastronomen, die Gastgeber, die Dienstleister sowie deren Familien in Existenznöte“, verdeutlicht Kupka-Hahn und fügt an: „Wir befürchten, ohne finanzielle Hilfen von Bund und Ländern werden viele unserer Anbieter von touristischen Leistungen diese Krise und ihre extremen Auswirkungen nicht überstehen“, betont Kupka-Hahn, die für die gesamte Rhön in den drei Bundesländern spricht. / dan

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