Blick aus der Entfernung auf die Dammersfelder Kuppe.
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Blick aus der Entfernung auf die Dammersfelder Kuppe.

Bewegte Geschichte

Das Dammersfeld: Einst Tourismuszentrum in der Rhön, heute fast vergessen

  • Rainer Ickler
    VonRainer Ickler
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Mit 928 Metern ist die Dammersfelder Kuppe der zweithöchste Berg der Region. Die Erhebung war vor dem Krieg das Zentrum des Tourismus in der Rhön. Heute ist dort niemand mehr anzutreffen. Das Betreten ist verboten.

Rhön - Der Berg ist weniger bekannt als die Wasserkuppe (950 Meter) oder als der um nur wenige Zentimeter niedrigere Kreuzberg (ebenfalls 928 Meter), die beide Jahr für Jahr Hunderttausende Menschen anziehen. Bis 1938 war die Dammersfelder Kuppe das Zentrum in der Rhön für die Wintersportler und Wanderer aus Hessen und Bayern.

Die Nationalsozialisten errichteten 1938 den Truppenübungsplatz Wildflecken, wozu auch das Dammersfeld gehört. Seitdem lag das beliebte Ausflugsziel in einem Gebiet, das nicht mehr betreten werden durfte. (Lesen Sie hier: Ärger über Tourismus in der Rhön - Deshalb sind Einheimische wütend auf Besucher)

Rhön: Ein Berg im Sperrgebiet - Dammersfelds geheimnisvolle Geschichte

Einige Jahre nach dem Kriegsende, von 1947 bis 1952, wurde es wieder von Wanderern und Skisportlern entdeckt. Doch ab 1953 war das Betreten wieder verboten, denn seitdem gehörte das Dammersfeld erneut zum Truppenübungsplatz Wildflecken, der von 1954 bis 1994 von der US-Armee betrieben wurde.

Die Kuppe diente jahrelang als Zielgebiet für das Schießen mit großkalibrigen Waffen. In dieser Zeit sind dem Berg so viele Wunden in Form von Geschossen und nicht explodierter Munition zugefügt worden, dass das Areal wegen vieler Blindgänger in absehbarer Zeit nicht mehr betreten werden darf. (Lesen Sie hier: Streit um Milseburghütte - Mediation bislang erfolglos)

Ab und zu wird der Truppenübungsplatz von der Bundeswehr für die Öffentlichkeit geöffnet. Dann dürfen interessierte Rhönfreunde auf vorgeschriebenen Wegen im Dammersfeld wandern. Aber auch dann ist es nicht erlaubt, die Kuppe zu erklimmen und einen Blick aus 928 Metern in die Rhön zu werfen. Der Gersfelder Waldemar Niebling, der viele Jahre im Wald rund um das Dammersfeld gearbeitet hat, sagt: „Das wäre eine touristische Perle für die Rhön.“

Bewegte Geschichte in der Rhön: Dammersfeld war Grund für Konflikte

Das war der 928 Meter hohe Berg in den 1920er und 1930er Jahren für Wanderer und Skisportler. Letztere kamen aus Hessen und Franken in die Rhön, um in diesem schneesicheren Gebiet ihrem Hobby zu frönen. Auf dem Berg stand seit 1670 das Wiesenhaus.

Es lud zum Rasten ein und wurde im Laufe der Zeit zur beliebten Unterkunft in der Rhön. „Das Hüttenbuch erzählt Bände über Wandererlebnisse von Wanderern aus aller Welt. Sogar arabische Schriftzeichen finden sich darin“, heißt es im Buch „Unvergessene Heimat rund ums Dammersfeld“. Sogar das Lied „Droben auf dem Dammersfeld“ wurde komponiert.

Der Berg hat eine bewegte Vergangenheit. So erzählt Heimatforscher Gerhard Ufholz aus Gersfeld im Kreis Fulda, dass auf dem Dammersfeld eine Schweizerei, also ein Bauernhof mit fast 200 Stück Vieh beheimatet war. Aus dieser Schweizerei flossen beträchtliche Einnahmen dem Fuldaer Fürstabt zu. Aus diesem Grund kam es auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen ums Dammersfeld zwischen Fulda und dem Nachbarn Würzburg. Nach dem sogenannten Butterkrieg 1803 gehörte das Dammersfeld zu Bayern.

Dammersfeld darf nur noch in Ausnahmefällen betreten werden

Am Nordhang gab es seit dem Ersten Weltkrieg ein zweites Gebäude – das Haus Franken. Es war 1917 ein Pferdelazarett für kranke Vierbeiner der Kavallerie. Sie sollten sich in der guten Rhöner Luft erholen. Nach dem Krieg wurde die Tiergenesungsstation nicht mehr benötigt. Die Rhönklub-Zweigvereine Würzburg (Unterfranken) und Frankfurt kauften das Haus nach dem Ersten Weltkrieg. Ab 1920 nutzten sie es als Wanderheim und nannten es Haus Franken, weil es im fränkischen Teil der Rhön lag.

Neben dem Wiesenhaus bot diese Unterkunft eine zweite Gelegenheit zum Rasten. Im Jahre 1949 brannte das Haus Franken bis auf die Grundmauern nieder, nachdem es ein Skilehrer 1947 erworben hatte, um am Dammersfeld wieder ein Wintersportzentrum aufzubauen. Bis zum Jahr 1952 konnte noch Wintersport auf dem Dammersfeld betrieben werden. Danach war diese Episode beendet und die Erhebung war wieder Sperrgebiet.

Seitdem ist die Dammersfelder Kuppe in der Rhön in einen Dornröschenschlaf verfallen und bleibt ein Berg mit einer langen Geschichte, der nur aus der Entfernung oder bei den Bundeswehr-Wandertagen aus der Nähe bewundert werden kann.

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