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„Nationales Naturmonument“ in der Rhön - Ehemalige DDR-Grenze wird Schutzgebiet

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Von: Hartmut Zimmermann

Bei Wenigentaft, gleich an der ehemaligen Grenze: Auf Einladung des BUND erkundete 2020 eine Besuchergruppe das Grüne Band. Jetzt wird der Grenzsaum, wie in Thüringen bereits geschehen, auch auf der Westseite unter Schutz gestellt.
Bei Wenigentaft, gleich an der ehemaligen Grenze: Auf Einladung des BUND erkundete 2020 eine Besuchergruppe das Grüne Band. Jetzt wird der Grenzsaum, wie in Thüringen bereits geschehen, auch auf der Westseite unter Schutz gestellt. © Hartmut Zimmermann

Neues von der alten Grenze: Die einstige Trennlinie zwischen Ost und West, zwischen DDR und BRD, wird in Hessen als Grünes Band unter Schutz gestellt und soll den Status eines „Nationalen Naturmonuments“ erhalten.

Kreis Fulda - Das Hessische Umweltministerium bereitet derzeit ein entsprechendes Gesetz vor, das im Sommer im Landtag beraten und verabschiedet werden soll. Damit vollzieht Hessen einen Schritt, den das benachbarte Thüringen bereits 2018 gegangen war.

In Hessen wird sich das neue Schutzgebiet über einen Korridor von 50 bis 200 Meter Breite auf insgesamt 260 Kilometern entlang der Landesgrenze durch die Landkreise Werra-Meißner, Hersfeld-Rotenburg und Fulda erstrecken. Knapp die Hälfte der Flächen, nämlich 48 Prozent, befinden sich den Angaben des Ministeriums zufolge in öffentlichem Besitz von Bund, Land, Kreisen und Kommunen.

Rhön: Ehemalige DDR-Grenze soll Nationales Naturmonument werden

Mit dem neuen Schutzgebiet werde ein einzigartiger Biotopverbund bewahrt, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. „Das Grüne Band ist aber weit mehr als ein Naturschutzprojekt. Es ist auch ein Stück lebendige Geschichte und zeigt uns durch die Einbeziehung von wichtigen Erinnerungsorten und durch die natürliche Entwicklung der Lebensräume, wie eine ehemals hochgerüstete Grenze mit Todesstreifen zu einem verbindenden Lebensraum werden kann“, wird Umweltministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) zitiert.

Diesem Aspekt trägt schon heute beispielsweise die Point Alpha Stiftung Rechnung, die sich nicht allein als Bewahrer der Grenzgeschichte sieht, sondern im „Haus auf der Grenze“ gemeinsam mit dem Biosphärenreservat Rhön auch das „Grüne Band“ in einer sehenswerten Ausstellung präsentiert.

Tourismus, Gastronomie und Einzelhandel sollen vom „Grünen Band“ profitieren

Naturschützer hatten seit geraumer Zeit gefordert, den Grenzstreifen unter besonderen Schutz zu stellen. Hintergrund ist, dass sich der gesamte Grenzbereich in Folge der für Menschen todbringenden Sperranlagen zu einem Rückzugsgebiet für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten entwickelt hatte.

Zudem wird heute der Grenzstreifen – er ist allein innerhalb der Bundesrepublik knapp 1400 Kilometer lang – als wichtiger Biotopverbund angesehen. Er ermöglicht den biologischen Austausch und Wanderungen von gefährdeten und störungsempfindlichen Arten wie Wildkatze und Luchs.

Hinz verweist darauf, dass der Schutzstatus den einstigen Grenzregionen auch ein Entwicklungspotenzial biete: Tourismus sowie die lokale Gastronomie und Einzelhandel könnten vom Reiseziel „Grünes Band Hessen“ unmittelbar profitieren, ergänzte die Ministerin. Gerade Punkte mit besonderer Geschichte könnten auch Kristallisationspunkte für Freizeitaktivitäten werden. (Lesen Sie hier: Extratour „Der Hilderser“ für Auszeichnung in Wandermagazin nominiert)

Artenschutz soll in der Region gesteigert werden

Das „Grüne Band“ soll sich in verschiedene Schutzkategorien gliedern: Bereits bestehende Naturschutzgebiete oder Naturwaldflächen im Staatswald gelten als „Kernzone“. Der größte Teil dürfte bestehende Schutzgebiete umfassen, die bereits jetzt als „Natura2000“-Areale oder in ähnlichen Kategorien erfasst sind. (Lesen Sie auch: Neue Bäume braucht der Wald - Biologe aus Gersfeld über die Vermeidung von Schäden)

Hier sollen nach Auskunft des Umweltministeriums besondere Maßnahmen zum Biotopverbund greifen. Diese wolle man gemeinsam mit den Landnutzern umsetzen und durch Fördermaßnahmen für die Landwirte begleiten. Daneben soll in Förderzonen ohne besondere Naturschutz-Bedeutung auch der Artenschutz gesteigert werden.

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