Rhön: Das Elf-Apostel-Haus ist ein Wahrzeichen in Tann. Jetzt wird das leerstehende Gebäude saniert.
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Das Elf-Apostel-Haus ist ein Wahrzeichen in Tann. Jetzt wird das leerstehende Gebäude saniert.

In Tanner Stadtmitte

Startschuss nach jahrelanger Planung - Elf-Apostel-Haus wird für 1,7 Millionen Euro saniert

  • Jessica Vey
    VonJessica Vey
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Es war ein zähes Ringen: Viereinhalb Jahre lang hat die gemeinnützige Aktiv-Stiftung aus Fulda um eine Finanzierung gerungen. Jetzt kann die Renovierung des 500 Jahre alten Elf-Apostel-Hauses in Tann beginnen. 

Tann - Touristen bleiben immer wieder vor dem beeindruckenden Gebäude in der Tanner Stadtmitte stehen: Mit seinen farbigen Schnitzereien und mit den besonderen Verzierungen an der Fassade ist das Elf-Apostel-Haus eine Sehenswürdigkeit in Tann. Doch es ist auch eines der vielen Gebäude, die seit Jahren leer stehen. Die Aktiv-Stiftung wird dem 500 Jahre alten Haus nun neues Leben einhauchen.

Eine Tagespflege für Senioren wird einziehen – ein Angebot mit 15 Plätzen. Die evangelische Kirche in Tann wird die Pflegeeinrichtung betreiben. Zweiter Mieter wird der Bürgerschaftsverein Tann Aktiv, der dort die Räume für Veranstaltungen und Gruppentreffen nutzen möchte, erklärt Stephan Koch. Der Architekt aus Fulda ist Vorsitzender der gemeinnützigen Aktiv-Stiftung. „Es soll ein Quartier- und Nachbarschaftszentrum entstehen, sodass die Menschen vor Ort das Gebäude wiederbeleben.“ (Lesen Sie auch hier: Neue Attraktion der Ulstertal-Kommunen: Sternenkinos in der Rhön)

Rhön: Elf-Apostel-Haus wird saniert - Startschuss nach jahrelanger Planung

Der jahrelange Leerstand sei für das 500 Jahre alte Elf-Apostel-Haus, das als eines der ältesten Bürgerhäuser des Landkreises gilt, nicht förderlich gewesen. „Es ist allerhöchste Zeit, etwas zu tun. Hätten wir noch länger warten müssen, würde das Haus zugrunde gehen“, beschreibt Koch den Handlungsbedarf.

Ende November werden die Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten starten. Von außen würden die Tanner nicht viel erkennen, es werde zunächst über den Winter hauptsächlich innen gearbeitet, erklärt der Stiftungsvorsitzende. Im ersten Schritt finden „sensible Rückbauarbeiten“ statt. „Alles, was dort nicht hingehört, wie alte Bodenbeläge aus den 60er, 70er und 80er Jahren, wird zurückgebaut, damit die historische Bausubstanz sichtbar wird“, erläutert Koch. Die Arbeiten in dem Kulturdenkmal werden in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutzamt ablaufen.

Sehenswürdigkeit in Tann: Elf-Apostel-Haus wird für 1,7 Millionen Euro saniert

Im Frühjahr soll es an die Haustechnik gehen, und es ist geplant, einen Aufzug einzubauen, „dafür haben wir bereits einen geeigneten Platz gefunden“, sagt der Fuldaer Architekt. Anderthalb bis zwei Jahre rechnet er insgesamt für die Baumaßnahmen ein. „Wir wollen jetzt einfach Gas geben.“ Immerhin hat die Aktiv-Stiftung lange auf den Startschuss für das Projekt warten müssen.

Geschichte

Das Elf-Apostelhaus ist ein Fachwerkhaus, gebaut vermutlich um 1500. Es fällt durch die bemalten Flachreliefs auf, die Christi und die zehn Apostel darstellen. Ein Apostel fehlt auf dem Haus. Anna und Anton Hofmann kauften das Gebäude 1928. Dort untergebracht waren eine Buchbinderei und ein Schreibwarengeschäft. Daneben befindet sich die denkmalgeschützte ehemalige Judenschule.

Nach dem Krieg betrieb Georg Hofmann in dem Gebäude eine Druckerei, die Ulrike Hofmann 1972 übernahm. 2005 schloss sie die Firma.

Denn das Ringen um Fördergelder war zäh. In Zusammenarbeit mit der Stadt Tann wurden zahlreiche Förderanträge geschrieben. Stephan Koch beschreibt das Akquirieren von Fördergeldern als „riesengroßen Kraftakt“. Den entscheidenden Durchbruch gab es schließlich durch eine Förderzusage des Landes Hessen. 1,134 Millionen Euro aus dem Programm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“ fließen in das Elf-Apostel-Haus. Damit war der Großteil der Investition abgedeckt. Weitere Gelder kommen unter anderem von der Denkmalpflege und vom Landesamt für Denkmalschutz.

„Ich denke, da entsteht etwas ganz Besonderes in der Ortsmitte“, freut sich Stephan Koch. Auch Bürgermeister Mario Dänner (parteilos) ist von dem Projekt überzeugt: „Es ist ein großartiges Leuchtturmprojekt und eine wichtige Maßnahme für Tann.“

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