Die Rhöner Gastronomen Benjamin (links) und Dieter Kehl stehen vor ihrem Familienwappen.
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Die Rhöner Gastronomen Benjamin (links) und Dieter Kehl sind aufgrund der Corona-Krise in finanzielle Nöte geraten. Sie fordern eine Perspektive.

Gastronomie in der Not

Rhöner Gastwirte fordern von Ministerpräsident Volker Bouffier eine Corona-Perspektive

  • Leon Weiser
    vonLeon Weiser
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  • Alina Komorek
    Alina Komorek
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Die Gastwirte in der Rhön von der Corona-Krise schwer gebeutelt. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) macht Hoffnung auf eine Öffnung der Außengastronomie vor Ostern – doch dahinter stehen noch viele Fragezeichen. Die Gastronomen sind in Not. Sie fordern eine Perspektive. 

Landhaus Kehl: Eine Komplettschließung des Betriebs – das hält kaum ein Unternehmen monatelang aus. Selbst das Landhaus Kehl in Tann-Lahrbach, geführt von Benjamin und Dieter Kehl, eines der bekanntesten Gasthäuser im Landkreis Fulda und der Region, geriet in der Corona-Pandemie in existenzielle Not.

Gastwirte Benjamin und Dieter Kehl: „Ohne den Staat wären wir pleite“

„Ohne staatliche Hilfen wären wir pleite gegangen“, sagen die beiden Gastronomen ganz deutlich. Sowohl die dringend benötigten November- als auch zum Teil die Dezemberhilfen sind angekommen. Der wirtschaftliche Schaden sei enorm, wenn man bedenkt, dass dies bereits der zweite Corona-Lockdown mit stornierten Übernachtungen und einem leeren Gasthaus ist.

2020 waren die umsatzstarken Feiertage – Ostern und Weihnachten – sowie die Zeit um den Jahreswechsel in der Corona-Pandemie weggebrochen.  Darum ist Ostern in diesem Jahr umso wichtiger: „Wenn wir hier geschlossen halten, wäre das ein großer Verlust und eine Riesenenttäuschung für uns und unsere Gäste.“

Der Vorschlag von Ministerpräsident Bouffier, die Außengastronomie vor Ostern zu öffnen, ist „ein Schritt in die richtige Richtung, aber wir müssen über weitere Konzepte reden“, erklärt Benjamin Kehl. Finanziell würde es zwar helfen, aber aufgrund der Lage des Gasthauses an einer Bundesstraße sei eine Außenbewirtung schwierig. 

Seit der zwangsweisen Corona-Schließung am 2. November versuchen die Kehls, Einnahmen zu generieren und haben verschiedene To-Go-Angebote gemacht. „Wir halten so auch den Kontakt zu unseren Gästen, was uns persönlich hilft“, erklären beide. 

Gastronom Andreas Rau: „Wir sitzen auf einem Pulverfass“

Fuldaer Haus: „Es ist unsere Passion, die Menschen mit Essen glücklich zu machen“, sagt Andreas Rau vom Fuldaer Haus in Poppenhausen-Steinwand. Die Menschen mit Essen glücklich zu machen, ist für ihn als Gastronom aber seit November nur sehr eingeschränkt möglich. „Wir akzeptieren das, wenn die Bundesregierung das so will“, sagt er über die Corona-Schließung seines Hauses, „aber wir brauchen eine Perspektive.“ 

Rau würde sich über die Öffnung der Außenbewirtschaftung noch vor Ostern freuen. „Generell wäre das gut. Wir wollen ja alle wieder unserer Arbeit nachgehen.“ Allerdings stelle das wechselhafte Wetter noch eine Herausforderung dar: „Jetzt kommt es auf die Gäste an, ob sie draußen sitzen wollen oder nicht.“

Video: Zwischen Hoffen und Bangen: Sitzen zwei Gastronomen auf einer Bank und unterhalten sich

Er berichtet, dass die Rücklagen vom Sommer, als die Corona-Maßnahmen gelockert worden waren, sich ihrem Ende neigen. „Unsere Mitarbeiter sind alle in Kurzarbeit, die November- und Dezemberhilfen haben wir immerhin mittlerweile erhalten“, sagt der Betreiber des Gasthauses, in dem man auch übernachten kann. 

Dass sein Team auch Getränke und Snacks zum Mitnehmen anbietet, könne die Verluste bei Weitem nicht ausgleichen. „Das ist mehr eine Beschäftigungsmaßnahme für die Mitarbeiter und deckt die Kosten nicht“, sagt Rau und fordert eine Corona-Perspektive. „Die Anspannung wird größer. Wir sitzen auf einem Pulverfass, und Perspektiven werden immer wichtiger.“ 

Gastwirte Boris Kiauka und Andreas Schubert: Verzicht „auf 90 Prozent des Umsatzes“

Peterchens Mondfahrt: Der Gastraum von Peterchens Mondfahrt auf der Wasserkuppe ist ganz leer. „Wir nutzen den Lockdown, um den Gastraum zu renovieren“, erklärt der Inhaber Boris Kiauka. Das ist aber auch so ziemlich das einzig Positive, was der Geschäftsführer der Corona-Krise abgewinnen kann. „Acht Wochen fahren wir mal runter, aber jetzt ist ein Jahr rum“, sagt Mit-Geschäftsführer Andreas Schubert, der zusammen mit Kiauka auch die Flugschule Papillon betreibt. 

Obwohl sie schon vor der Pandemie eine Hütte für den Verkauf von Bratwürsten und Getränken auf der Wasserkuppe stehen hatten, könne das To-Go-Geschäft in der Corona-Pandemie die Verluste nicht ausgleichen. „Wir verzichten auf 90 Prozent unseres Umsatzes, und das seit fast fünf Monaten.“ 

Boris Kiauka, Geschäftsführer von Peterchens Mondfahrt auf der Wasserkuppe, hofft, dass im renovierten Gastraum bald wieder Gäste bedient werden können.

Dass vor Ostern die Außenbewirtung erlaubt sein soll, stelle nur einen Tropfen auf den heißen Stein dar: „Uns freut es, dass es für die Leute wieder die Möglichkeit gibt, rauszukommen“, erklärt Schubert. Doch: Sollte es wieder kälter werden, würden oben auf der Wasserkuppe wohl nur die wenigsten Gäste gern auf der Terrasse sitzen.

„Im Moment nehmen wir alles dankbar an, aber wir hätten uns mehr erwartet.“ Ein Großteil des Tagesgeschäftes von Schubert und Kiauka besteht aktuell im Corona-Lockdown darin, mit dem 100-köpfigen Team in Verbindung zu bleiben. „Wir als Betrieb müssen Zukunftsängste auffangen, wenn die Mitarbeiter den ganzen Tag zu Hause sitzen.“

Gastronom Thomas Röder: „Licht am Ende des langen dunklen Tunnels“

Haus zur Wasserkuppe: Das Haus zur Wasserkuppe in Wüstensachsen, geführt von Thomas und Kerstin Röder, hält sich seit November im Corona-Lockdown mit dem Wohnmobil-Dinner über Wasser: „Die Kunden können sich im Internet für Stellplätze eintragen und Bestellungen aufgeben“, erklärt Thomas Röder. Die Kundschaft komme auch aus überregionalen Gebieten.

„Wir liefern das Essen in Wärmeboxen zu den Wohnmobilen, die vor unserem Gasthaus parken, und bieten eigenes Geschirr an. Die Kunden legen das Geschirr am Ende in die Box, geben sie ab und fahren weiter“, erläutert er. Übernachtungen am Stellplatz sind jedoch aktuell in der Corona-Pandemie nicht möglich.

Dies würde, so Röder, als touristische Übernachtung angesehen, was verboten ist – auch wenn sie im eigenen Fahrzeug schlafen. Das Dinner allein reiche lange nicht aus, um Verluste auszugleichen. Seit vier Monaten fehlen laut Röder Einnahmen, die Corona-Novemberhilfen seien ein Tropfen auf den heißen Stein. 

Im Grunde begrüßt der Gastronom den Vorschlag, vor Ostern eine Außenbewirtung mit neuen Corona-Regeln möglich zu machen. Jedoch sei dies in der Rhön aufgrund der oft widrigen Wetterverhältnisse schwierig. Schnee und Kälte komme oft noch im Frühjahr vor. Aber: „Es ist ein Licht am Ende des langen dunklen Tunnels.“

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