Die unfiltrierten Gedanken eines Kochs veröffentlicht Jürgen Krenzer in dem Buch.
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Die unfiltrierten Gedanken eines Kochs veröffentlicht Jürgen Krenzer in dem Buch.

Sieben Rezepte

Koch und Gastronom aus der Rhön redet Tacheles: Jürgen H. Krenzer veröffentlicht Buch über seine Branche

  • Rainer Ickler
    VonRainer Ickler
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Mit seinem neuen Buch gibt der Seifertser Gastronom Jürgen H. Krenzer seine Gedanken zum Kochen und zur Gastrobranche einer größeren Öffentlichkeit preis. Es sind unkonventionelle, polarisierende und kritische Momentaufnahmen.

Seiferts - Er regt mit seinen Thesen zum Nachdenken über gewisse Entwicklungen an. Deshalb heißt das Werk auch „Unfiltriert“. Es sind die Gedanken eines Koches, die er auf 196 Seiten ausbreitet. Garniert wird das Buch mit sieben typischen Rhöner Rezepten aus seiner Küche. Der 55-Jährige stellt seine Art, wie er den Beruf lange Zeit ausgeübt hat, in Frage, überlegt, was er denn gerne machen würde, damit er Beruf und Familie in Einklang bringen kann und hat eine Antwort gefunden.

Krenzer hat für sich im ersten Corona-Lockdown entschieden, das À-la-carte-Geschäft aufzugeben, kocht seitdem nur noch für die Hotelgäste, stellt Apfelwein und Apfel-Sherry her und kümmert sich um die Bio-Landwirtschaft. Aus dem kleinen Seiferster Gasthof von einst ist „krenzers Rhön“ entstanden. Er hat seine Berufung gefunden, nennt sich selbst Geschichtenerzähler, Koch, Hotelbetriebswirt, Bierbrauer, Apfelwinzer und Hotelier.

Rhön: Koch und Gastronom redet Tacheles - Jürgen H. Krenzer veröffentlicht Buch

Aber wie kam es dazu. Jürgen Krenzer erzählt eine Menge Kritisches über das Gewerbe in diesem Buch. Da kommen auch die Gäste manchmal nicht gut weg, die teilweise unverschämt seien in ihren Forderungen, nicht wüssten, welche Arbeit in Küche und Service und vor allem zu welchen Arbeitszeiten verrichtet werden. Und wie schwierig es sei, überhaupt Personal zu finden.

Jürgen Krenzer musste schon mit 14 Jahren in der heimischen Gastwirtschaft aushelfen, als sein Vater früh starb. Das machte ihm nicht so recht Spaß, denn als Freunde Fußball spielten und abends ausgingen, musste er in der Gastwirtschaft arbeiten. (Lesen Sie hier: Urlaubsziel Rhön - Darum lockt das Mittelgebirge immer mehr Touristen in die Region)

Auszeichnung

Beim Wettbewerb Cider-World-Award 2021 in Frankfurt gewinnt der Seiferster Gastronom Jürgen H. Krenzer in der Kategorie Apfel-Sherry edelsüß. Der Wettbewerb Cider World Award wird seit 2018 unter der wissenschaftlichen Beratung des getränketechnologischen Instituts an der Hochschule Geisenheim ausgerichtet. 176 Produkte von 77 Produzenten aus 17 Ländern wurden dabei vorgestellt. In sieben Kategorien, vom Apfel-Stillwein bis zum Edelbrand, wurden nicht nur Medaillen vergeben, sondern auch die Besten der Besten ermittelt.

Mit 120 von 120 zu vergebenden Punkten kürte die internationale Jury den Apfelsherry „Whiskyfaß edelsüß“ aus dem Jahr 2007 von Jürgen H. Krenzer zum besten Produkt der Kategorie Ice-Cider und Apfeldessertweine. In dieser Kategorie beteiligten sich Produzenten aus Kanada, Norwegen, Dänemark, Litauen, Spanien, Österreich und Italien am Wettbewerb. Hier konnte Jürgen Krenzer mit zwei weiteren Apfelsherries, nämlich dem „Jamaika“ aus dem karibischen Rumfaß (110 Punkte) und der „Wildbirne“ aus dem Islayfaß (113 Punkte), unter die Top 10 der besten Dessertweine weltweit kommen.

Dann traf er Regionalmanager Dieter Popp. Der brachte ihn auf die Idee, auf regionale Produkte zu setzen. Als erstes ging er eine Kooperation mit dem Schäfer Josef Kolb aus Ginolf ein und setzte Lammgerichte vom Rhönschaf auf die Speisekarte. Das schwarzköpfige Symboltier der Rhön stand damals, Anfang der 90er Jahre, kurz vor dem Aussterben. Niemand wollte es mehr züchten. Kolb und Krenzer arbeiten seit dieser Zeit zusammen. Es war der Beginn, auf Regionalität zu setzen. Seitdem bevorzugt Krenzer gute und regionale Produkte. Er nennt dies „Rhöner Wertschöpfungskette“. Und er stellt klar: Diese guten Produkte aus der Region haben ihren Preis. Aber er habe auch festgestellt: Viele Gäste geben Geld fürs Auto und für Fernreisen aus. Aber beim Essen wollen sie sparen.

Nicht nur in der Küche geht es dem Autor um die Region. Er setzt sich seit mehr als drei Jahrzehnten für den Erhalt der Rhöner Streuobstwiesen als Kulturlandschaft ein und keltert aus den Rhöner Äpfeln Apfelwein. Einige Jahre später hat er die Idee, aus den Äpfeln Sherry herzustellen. Er arbeitete sich in dieses Thema ein und gehört heute zu den besten Herstellern von Apfel-Sherry weltweit. Sogar ein Gourmet-Großhändler wollte die Krenzerschen Produkte anbieten. Der Seiferster Apfelwinzer lehnte ab. Er wollte keine Abhängigkeit zu großen Abnehmern eingehen.

Krenzers Ziel ist es, „diese landschaftlich einmalige Region hier zu inszenieren. Mit allem, was sie hergibt. Auf dem Teller, im Glas, einfach überall“.

Jürgen H. Krenzer: „Unfiltriert.“ Parzellers Buchverlag. 196 Seiten. 12,90 Euro.

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