Die Milseburghütte (Archivbild).
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Nach der angekündigten Klage beim Verwaltungsgericht ist offen, wie es mit Abriss und Neubau der Milseburghütte weitergeht (Archivbild).

Bescheid „rechtswidrig“

Neuer Zoff um Milseburghütte: Naturschützer klagen gegen Abriss und Neubau

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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Die hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) wird gegen den Befreiungsantrag zum Abriss und Ersatz-Neubau der Milseburghütte klagen. Dies bestätigte gestern HGON-Mitglied Reinhard Kolb aus Eichenzell.

Milseburg - Der Frankfurter Rechtsanwalt Dirk Theßmer werde beim Verwaltungsgericht Kassel gegen den vom Regierungspräsidium genehmigten Befreiungsantrag von der Naturschutzgebietsverordnung Klage einreichen. Gegenüber unserer Zeitung begründete der Rechtsanwalt das Vorgehen. „Der Bescheid zur Befreiung ist rechtswidrig“, sagt er. „Die Milseburg ist ein mehrfach geschützter Bereich.“ Dort sei es verboten Gebäude zu errichten. Es habe zwar einen Bestandschutz für die vorhandene Hütte gegeben, der auch eine Sanierung beinhaltet habe. Die Neuerrichtung eines Gebäudes in der Kernzone eines Naturschutzgebietes verstoße gegen das Bundesnaturschutzgesetz, macht der Anwalt klar.

Zudem sei keine hinreichende Erschließung möglich, sagt er. Eine zentrale Ver- und Entsorgung von Wasser und Abwasser sei nicht möglich, weil die Milseburg ein geschütztes Geotop sei. Auch die dezentrale Versorgung sei, so wie angedacht, nicht umsetzbar. Der Anwalt sieht die Gefahr, dass mit der neuen Hütte ein touristischer Magnet in einer Kernzone entstehe. Diese Gründe würden schwerer wiegen als die Ausnahmegenehmigung der Oberen Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums.

Milseburg: Naturschützer klagen gegen Neubau der Hütte

Die Behörde hatte am Dienstag eine naturschutzrechtliche Befreiung für Abriss und Neubau der Milseburghütte erteilt. Dem war ein langer Prozess, der mehrere Monate gedauert hat, vorausgegangen. Dazu sind die anerkannten Naturschutzvereinigungen befragt worden. Nach der Beurteilung der Vor- und Nachteile habe die Obere Naturschutzbehörde die Befreiung erteilt.

Scharfe Kritik an der Klage übt Landrat Bernd Woide (CDU): „Die Gemeinde Hofbieber und der Landkreis Fulda haben bei dem Befreiungsantrag von der Naturschutzgebietsverordnung größte Sorgfalt walten lassen und in hohem Maß die Themen Naturschutz, Ökologie und Landschaftsverträglichkeit berücksichtigt.“

Seit 136 Jahren gibt es die Hütte. Seit 136 Jahren sei der Berg ein zentraler Punkt, an dem Menschen zusammenkommen. Woide hat kein Verständnis dafür, wenn ein Naturschutzverband hergehe und diese Geschichte des verantwortungsvollen Umgangs der Menschen mit der Natur völlig negiert. „Naturschutz hat Sinn, wenn man ihn mit den Menschen macht – und nicht gegen die Menschen. Gerade auf der Milseburg ist das bisher beispielhaft praktiziert worden“, sagt Woide.

Milseburghütte: Landrat Bernd Woide reagiert mit Unverständnis auf Klage

Aufgrund des Alters der Hütte sei klar gewesen, dass irgendwann ein Ersatz-Neubau notwendig würde. „Wir gehen davon aus, dass die Genehmigung dafür rechtmäßig erteilt wird und sehen einer gerichtlichen Klärung mit Interesse entgegen. Das wird auf jeden Fall zu einer weiteren Verzögerung des Bauprojektes führen, deren Ausmaß nicht abzusehen ist. Diese Verschleppung verantwortet ausschließlich der Naturschutzverband“, erklärt Woide.

Die Milseburg gehört zu Hofbieber. Die Gemeinde ist in Kooperation mit dem Landkreis für den Bau verantwortlich. Bürgermeister Markus Röder (parteilos) kann nicht verstehen, warum die HGON jetzt klagen wolle – nach so langer Zeit. Dies könne zu Verzögerungen bei Abriss und Neubau führen. Zwar könne die Ausschreibung vorgenommen werden, doch bei der Auftragsvergabe müsse man abwarten, bis das Gericht entschieden hat. „Es ist schade für die Region und die Menschen, die sich auf eine neue Hütte als Anlaufpunkt gefreut haben. Sie müssen jetzt weiter warten“, sagt er.

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