Seit zwei Jahren ist die Milseburghütte geschlossen. Nach der Klagerücknahme kann jetzt gebaut werden.
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Seit zwei Jahren ist die Milseburghütte geschlossen. Nach der Klagerücknahme kann jetzt gebaut werden.

Planungen können beginnen

Einigung im Streit um Neubau der Milseburghütte - HGON zieht Klage zurück

  • Rainer Ickler
    VonRainer Ickler
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Überraschende Wende im Fall des Neubaus der Milseburghütte. Im vierten Mediationsverfahren hat die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) ihre Klage gegen den Bau der Hütte zurückgezogen.

Milseburg - Dies berichtete am Donnerstagabend der Hofbieberer Bürgermeister Markus Röder (parteilos) den Mitgliedern der Gemeindevertretung. Das Fax mit der Einigung, von allen Seiten unterschrieben, sei am Donnerstag um 17.30 Uhr in der Verwaltung eingetroffen. Danach zieht die HGON ihre Klage gegen die Befreiung von den Schutzvorschriften für das Naturschutzgebiet Milseburg und damit gegen Abriss und Neubau zurück. Die Milseburghütte ist seit zwei Jahren geschlossen.

In der Klage hatte die HGON die Befürchtung geäußert, dass mit dem Neubau dort oben ein touristischer Magnet entstehe und eine zentrale Ver- und Entsorgung von Wasser und Abwasser für die Hütte realisiert wird. Dazu müsste eine unterirdische Leitung mittels Bohrung durch das Gestein verlegt werden. Damit würde gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen.

Rhön: Einigung im Streit mit HGON - Milseburghütte wird neu gebaut

Eine Bohrung und eine zentrale Erschließung der Hütte ist mit der Klagerücknahme vorerst vom Tisch. „In konstruktiver Zusammenarbeit konnte vor dem Güterichter ein Kompromiss gefunden werden“, sagt Reinhard Kolb vom HGON-Arbeitskreis Fulda unserer Zeitung. Eine dezentrale Ver- und Entsorgung der Hütte – Wasser müsste auf den Berg gefahren werden und vermutlich chemische Toiletten – stimmt die HGON zu. Der Betrieb der Hütte und auch das Betreten des Naturschutzgebietes Milseburg werden mit Auflagen genehmigt. Wie die genau aussehen, werde die HGON in der nächsten Woche bekanntgeben. Die Mediation hatte sich über Monate hingezogen und bis jetzt keine Einigung erzielt.

Nach Angaben von Bürgermeister Röder macht die Klagerücknahme nun den Weg frei für Planungen mit dem Architekten. Er wagt allerdings keine Prognosen, wie schnell Abriss und Neubau realisiert werden könnten. Es müssten noch viele Gespräche geführt und Bedingungen erfüllt werden. „Wir können jetzt da weitermachen, wo wir vor knapp einem Jahr auch schon waren, als die Klage eingereicht wurde“, sagte der Hofbieberer Bürgermeister. „Für die Gemeinde, für die Bürger und die Menschen der Region, die eine Bezug zur Milseburg haben, ist dies ein bedeutender Tag,“ sagte Röder. „Wir können jetzt loslegen.“

Landrat Woide erleichtert über Milseburg-Kompromiss

Er dankte dem Landkreis Fulda und Landrat Bernd Woide, die sich über den gesamten Zeitraum für den Neubau der Hütte eingesetzt haben. Aber er zollte auch der HGON Respekt, denn nur wenn beide Verhandlungspartner zustimmen, könne es zu einem Ergebnis kommen.

Historie

Das Regierungspräsidium Kassel hat am 27. November 2020 den Antrag der Gemeinde Hofbieber auf Befreiung von den Schutzvorschriften für das Naturschutzgebiet Milseburg angenommen. Damit ist es möglich, dass im Naturschutzgebiet gebaut werden darf. Nur zwei Tage später reichte die HGON gegen diese Befreiung Klage beim Verwaltungsgericht Kassel ein. Die Befreiung sei rechtswidrig, weil die Milseburg ein mehrfach geschütztes Naturschutzgebiet sei, argumentierte die HGON.

Auch Landrat Bernd Woide (CDU) zeigt sich erleichtert, dass ein Kompromiss gefunden werden konnte, weil beide Seiten aufeinander zugegangen seien. „Wir können nun arbeiten, denn die Baugenehmigung ist vorhanden. Es ist eine gute Lösung“. Allerdings bedeute sie, „dass wir mit einem Provisorium hinsichtlich der Erschließung arbeiten müssen“. Der Landrat macht deutlich, dass mit dem Neubau der Hütte keine touristische Aufwertung und auch kein „Remmidemmi“ auf dem Berg beabsichtigt werde. „Wir sehen die Sensibilität des Naturraumes Milseburg.“

Vier Mediationen waren notwendig, um die Klage der HGON abzuwenden. Die Vermittlung war ein Vorschlag des Verwaltungsgerichtes Kassel, um eine mehrjährige Verhandlung zu vermeiden.

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