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Ambulanter Pflegedienst neu gedacht - „Pflegefeen“ in der Rhön gegründet

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Von: Hartmut Zimmermann

Sabine Schlöder will mehr Freiräume für Pflegende schaffen, indem sie ihr neues Pflegedienst-Unternehmen als Genossenschaft organisiert. Mitarbeitende und Kunden können Mitglieder werden. Rainer Stein war „Geburtshelfer“ beim Gründen der Genossenschaft.
Sabine Schlöder will mehr Freiräume für Pflegende schaffen, indem sie ihr neues Pflegedienst-Unternehmen als Genossenschaft organisiert. Mitarbeitende und Kunden können Mitglieder werden. Rainer Stein war „Geburtshelfer“ beim Gründen der Genossenschaft. © Hartmut Zimmermann

„Ihre Pflegefee eG“ heißt der neue ambulante Pflegedienst – und Geschäftsführerin Sabine Schlöder erhebt den Anspruch, er solle „anders“ sein. Anders ist zumindest die Organisationsform. Denn „eG“ steht für „eingetragene Genossenschaft“.

Schwarzbach - Sabine Schlöder führt die neue Genossenschaft, die seit dem Herbst 2021 beim Amtsgericht Fulda eingetragen ist, gemeinsam mit René Bug. Sie ist die Initiatorin des Projekts. Die Frage nach dem „Warum“ beantwortet sie erst einmal allgemein: „Es muss sich im Pflegebereich viel ändern, damit es den Kunden, aber auch den in der Branche Tätigen gutgeht.“

Dass Zeit- und Leistungsdruck und seelische Belastung gerade im Pflegebereich außerordentlich hoch sind und auch eine der Ursachen dafür sind, dass nur wenige Menschen in der Branche ihr ganzes Berufsleben durchhalten, ist fast eine Binsenweisheit.

Für Schlöder, die in Schwarzbach bereits seit Jahrzehnten einen Haushaltsservice und seit 2019 eine Tagespflege für Senioren betreibt, liegt die Ursache dafür nicht zuletzt im Kostendruck der auf den Anbietern lastet. „Bereits seit zwei Jahren habe ich überlegt, was man ändern könnte, um Abhilfe zu schaffen“, sagt die 54-Jährige.

Rhön: Der etwas andere Pflegedienst - Pflegefee-Genossenschaft gegründet

Bei Treffen der Fulda Gruppe des Business Network International (BNI) tauschte sie sich unter anderem mit Rainer Stein aus, der als gelernter Bankkaufmann und Versicherungsmakler seit einiger Zeit Interessierte beim Gründen von Genossenschaften unterstützt. Daraus erwuchs eine Zusammenarbeit, die in der Gründung von „Ihre Pflegefee eG Fuldaer Land“ mündete. (Lesen Sie hier: Planung steht: Abriss der Milseburghütte beginnt in wenigen Wochen)

Der Namenszusatz zeigt: Auch wenn das Unternehmen derzeit seinen Sitz in Hofbieber-Schwarzbach hat, denken die Initiatoren weit über das Dorf hinaus. „Wir können uns vorstellen, dass diese Idee kreisweit auf Interesse stößt – und dafür sind wir offen“ sind sich Schlöder und Stein einig.

Der Kern der Idee liegt darin, dass der entstehende Pflegedienst weder von einem den Gewinn abschöpfenden Unternehmen betrieben wird noch von jemandem, der unbedingt Zins und Tilgung für das bei Geldinstituten aufgenommene Geld erwirtschaften muss. „Unsere Genossenschaft setzt in doppelter Weise auf Teilhabe“, erläutert Schlöder:

Angemessene Pflege statt knapper Leistungsplan

„Einerseits wünschen wir uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die als Genossenschaftsmitglieder auch ein bisschen Mit-Unternehmer sind. Zum anderen wird es aber auch Gelegenheiten zur Mitbestimmung, beispielsweise bei Arbeitsabläufen und Aufgabenverteilung, geben.“ Ein Anteil kostet einmalig 1200 Euro.

Nicht nur die Angestellten, auch Kunden können Genossenschaftsanteile zeichnen. Man denke dabei an zu pflegende Menschen, aber auch an alle, die diese Idee unterstützen wollen.

Weil als Zweck der Genossenschaft unter anderem „soziale Pflegedienstleistungen“ in der Satzung festgeschrieben sind, könne man ohne den Druck der Gewinnmaximierung den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden so gestalten, dass eher die angemessene Pflege und nicht ein in Punkten und Minuten berechneter Leistungsplan den Alltag bestimme.

Pflegefeen wollen in den kommenden Monaten starten

„Wir erwarten, so eine Situation zu schaffen, in der die Arbeitszufriedenheit und die Work-Life-Balance so sind, dass sich die Leute wohlfühlen“, sagt Schlöder. Das könne angesichts der Anspannung, über die viele Menschen in der Branche klagten, auch im Wettbewerb um Fachkräfte ein wichtiger Punkt sein.

Noch lässt sich das nicht im Alltag erleben, denn bislang sucht die Genossenschaft noch Mitarbeiter für den ambulanten Einsatz und die Pflegedienst-Leitung. Doch in den nächsten Monaten wollen die „Pflegefeen“ starten.

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