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Streit um Tanner Flugblatt reißt nicht ab: CDU und SPD fordern Rücktritt der Schreiber

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Von: Hartmut Zimmermann

Die Idylle im Rhönstädtchen Tann ist derzeit gestört: Im Streit um das Behinderte abwertende Flugblatt fordern CDU und SPD den Rücktritt der drei Unterzeichnenden.
Die Idylle im Rhönstädtchen Tann ist derzeit gestört: Im Streit um das Behinderte abwertende Flugblatt fordern CDU und SPD den Rücktritt der drei Unterzeichnenden. © Stadt Tann

Der Tanner Flugblatt-Streit geht in eine neue Runde: Eine breite Mehrheit der Stadtverordneten fordert die drei FDP-Mitglieder, die das Papier unterzeichnet haben, zum Rücktritt auf, weil sie der Stadt Tann Schaden zugefügt hätten.

Tann - Eine gemeinsame Resolution haben die Fraktionen von CDU und SPD für die nächste Sitzung der Stadtverordneten am 27. Mai angekündigt. „Weder Inhalt des Flugblattes noch viele der angeblichen Fakten entsprechen der Realität. Die Stadtverordnetenversammlung distanziert sich deutlich von Form und Inhalt dieses Flugblattes“, heißt es in dem Textentwurf, den die Initiatoren in die Redaktion schickten.

„Wir fordern die Unterzeichner des Flugblattes auf Konsequenzen zu ziehen, und ihre Ämter niederzulegen“, heißt es weiter. Durch das Verteilen des Flugblattes und der daraus resultierenden Pressereaktionen entstehe der Stadt Tann gerade ein großer Imageschaden.

Andrea Willing, Brunhilde Fischer und Klaus Dänner hatten das Behinderte negativ darstellende Papier in der Kernstadt verteilt. Daraufhin hatten sich sowohl der Magistrat der Stadt als auch die direkt angesprochene „Tanner Diakonie“ sehr kritisch mit dem Papier auseinandergesetzt.

Rhön: Streit um Tanner Flugblatt - Schreiber sollen ihre Ämter niederlegen

Politische Brisanz gewinnt das Papier dadurch, dass alle drei Unterzeichnenden zwar betonten, als Privatpersonen zu handeln, aber Mitglieder der FDP sind und in verschiedenen Positionen Kommunalpolitik betreiben: Willing führt die Fraktion, während Dänner und Fischer Magistratsmitglieder sind. In dem Flugblatt hatten das Trio Kommunalpolitiker geäußert, die Kernstadt von Tann entwickele sich „zunehmend zu einer ,Sonderwelt‘ entwickelt.“ Dabei behaupteten sie, dass selbst langjährige Tann-Urlauber dem Ort den Rücken kehrten, weil die Gegenwart der behinderten Menschen abschrecke.

Seitens der FDP gab es sowohl von Landesverband wie auch vom Kreisverband Fulda und vom Stadtverband Tann eine klare Distanzierung. „Das ist nicht unsere Auffassung, und das ist nicht unsere Sprache“, unterstrich Stadtverbandsvorsitzender Jörg Witzel im Gespräch mit unserer Zeitung.

Resolutionsantrag: Tanner Flugblatt bald Thema im Fuldaer Kreistag?

Witzel würde es sehr begrüßen, wenn die drei aus ihrem Verhalten und den Reaktionen darauf Konsequenzen zögen und ihre Ämter niederlegten. „Andernfalls müssten wir als Fraktion der Stadtverordnetenversammlung Schritte einleiten, die dann vermutlich deutlich langwieriger wären.“ Mit Blick auf die Resolution ist Witzel sich sicher: „Da wird es sicherlich eine klare Mehrheit geben.“ Witzel ist aktuell der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung.

In dem Gremium ist die CDU derzeit mit sieben Abgeordneten vertreten, die Fraktionen SPD und FDP zählen jeweils fünf Köpfe. Unabhängig davon, wie die Tanner sich am 27. Mai entscheiden werden, wird das Thema möglicherweise auch im Kreistag in Fulda erörtert werden: Die Fraktion „Die Linke/Offene Liste“ fordert in einem Resolutionsantrag, dass sich das Kreisparlament mit dem Tanner Flugblatt befasst.

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