Die Montagssänger sangen gestern nicht nur, sondern brachten in Reden und mit Transparenten ihren Wunsch zum Ausdruck, dass es bald zu einer einvernehmlichen Lösung eines Neubaus kommt.
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Die Montagssänger sangen gestern nicht nur, sondern brachten in Reden und mit Transparenten ihren Wunsch zum Ausdruck, dass es bald zu einer einvernehmlichen Lösung eines Neubaus kommt.

Zwei Jahre geschlossen

Streit um Milseburghütte: Mediation bislang erfolglos

  • Rainer Ickler
    VonRainer Ickler
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Seit zwei Jahren ist die Milseburghütte in der Rhön geschlossen. Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) klagt gegen einen geplanten Neubau.

Milseburg - Seit März dieses Jahres fanden drei Mediationen, also Vermittlungstermine, statt. Bisher allerdings ohne Ergebnis. Landrat Bernd Woide (CDU) und der Hofbieberer Bürgermeister Markus Röder (parteilos) auf der einen und Reinhard Kolb von der HGON auf der anderen Seite sind aber zuversichtlich, dass es bei der Mediation zu einem Ergebnis kommt.

Vor sechs Jahren war klar geworden, dass die Schäden an der beliebten Milseburghütte in so groß sind, dass nur ein Ersatz-Neubau infrage kommt. Nach langer Prüfung gab das Regierungspräsidium in Kassel (Hessen) die Erlaubnis dazu. Notwendig war eine Befreiung von der Naturschutzgebietsverordnung, weil die Hütte nicht nur im Naturschutzgebiet, sondern sogar in der Kernzone liegt, einem Bereich, in dem nichts verändert werden darf.

Rhön: Streitpunkt Milseburghütte - Mediation bislang erfolglos

Gegen diese Befreiung klagte die HGON Ende November 2020. Die Neuerrichtung verstoße gegen das Naturschutzgesetz, so die Begründung. Da solche Gerichtsverfahren bis zu vier Jahre dauern können, einigten sich alle Seiten auf eine Mediation. Drei Termine haben bislang stattgefunden. Der nächste ist für kommende Woche geplant. Bisher habe es kein Ergebnis gegeben. Kernpunkte der Gegensätze sind die Erschließung der neuen Hütte und die Begrenzung der Besucherzahl.

Reinhard Kolb von der HGON kann sich gut vorstellen, dass es noch in diesem Jahr zu einer Einigung kommt. „Wir sind auf einem recht guten Weg“, sagt er. Allerdings stellt die HGON zwei Bedingungen: Zum einen soll festgelegt werden, dass eine Vollerschließung, also der Anschluss der Hütte an eine zentrale Abwasser-, Wasser und Stromleitung, die unterirdisch verlegt werden müsste, nicht infrage komme.

Die HGON fürchtet, dass dadurch das Felsmassiv beschädigt werden könne. Zudem sei die Milseburg ein geschütztes Geotop. Das dürfe nicht verändert werden. „Eine Leitung durch den Fels wäre ein massiver Eingriff“, so Kolb. Gegen eine dezentrale Versorgung, wie bislang, habe die HGON nichts. Zum anderen soll die Besucherzahl beschränkt werden, damit durch eine neue Hütte nicht zu viele Menschen auf den geschützten Berg kommen.

Kolb sagt, dass nach Zählungen nach Schließung der Hütte rund 50.000 Menschen pro Jahr die Milseburg besuchen. Diese Zahl sollte nicht überschritten werden.

Milseburghütte in der Rhön seit zwei Jahren geschlossen

Wir hoffen, dass wir uns einigen können“, sagt auch Landrat Woide. Landkreis und Gemeinde Hofbieber haben aber einen andere Einschätzung. Woide sagt, in der heutigen Zeit müssten Gaststätten bestimmte Hygienebedingungen erfüllen. Dies sei nur mit einer Erschließung mit Frischwasser und Abwasser möglich. Bio- oder Komposttoiletten und schon gar nicht Toi-Häuschen seien hygienisch. Eine ordentliche Erschließung sei auch im Sinne des Naturschutzes. Denn ansonsten gingen die Menschen ins Gebüsch, um ihre Notdurft zu verrichten.

Ohne Erschließung müsste der Pächter jeden Tag frisches Wasser auf den Berg fahren und die Toiletten müssten regelmäßig entsorgt werden. Für Woide und Röder ist eine Bohrung der geringste Eingriff. Der Landkreis beruft sich dabei auf Expertenaussagen, wonach nur im festen Gestein gebohrt und die Blockschutthalde nicht betroffen würde. Zudem verweist Woide auf die bayerische Landesregierung, die eigens ein Programm für Berghütten über 1000 Meter aufgelegt habe, damit diese erschlossen werden können.

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Zum Thema Besucher sagt Bürgermeister Röder, die vom Landkreis initiierte Zählung in diesem Jahr beweise, dass die Milseburg auch ohne Hütte ein attraktiver Ort sei. Die Leute kommen auch ohne Hütte auf den Berg. „Dies ist historisch. Nicht die Hütte ist die Attraktion, sondern der Berg.“ Es gebe eine Kirche und regelmäßige Gottesdienste sogar Wallfahrten und einen prähistorischen Wanderweg. Zudem genieße man auf dem Gipfel einen einmaligen Rundumblick auf die Rhön, das Fuldaer Land und den Thüringer Wald.

Zum zweiten Jahrestag der Schließung waren gestern die Montagssänger auf der Milseburg und sangen Rhönlieder. Sie haben Transparente an die Hütte gehängt, um darauf aufmerksam zu machen, dass sie seit genau zwei Jahren geschlossen ist. Der Sprecher der Montagssänger, Günter Meinung, sagte unter dem Läuten der Kirchenglocke, dass mit den Ständchen und den Gebeten ein Zeichen gesetzt werden soll, damit die Verantwortlichen zu einer einvernehmlichen Lösung kommen im Sinne der Montagssänger und aller Rhönfreunde. Wolfgang Kümpel, letzter Pächter der Hütte, überbrachte die Grüße seiner Frau Patrizia, die mehrere Jahrzehnte auf der Milseburghütte für das Wohl der Gäste gesorgt hat.

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