Wanderer genießen bei einer Rast auf der Wasserkuppe den Ausblick über die Rhön. Mehr Touristen sorgen aber auch für mehr Konflikte.
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Wanderer genießen bei einer Rast auf der Wasserkuppe den Ausblick über die Rhön. Mehr Touristen sorgen aber auch für mehr Konflikte.

Wanderer vs. E-Bikes

Rhön GmbH will mehr Urlauber gewinnen - Tourismus bringt neue Konflikte

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Mit einem sanften, naturnahen Tourismus will die Rhön GmbH Urlauber gewinnen. Mehr Urlauber bedeuten aber auch mehr Konflikte. Was stört die Einheimischen?

Rhön - Die Region hat viel aufzuholen. „Im vergangenen Jahr hat die Rhön im Vergleich zum Vorjahr 35 Prozent Urlauber verloren“, berichtete Vogel in der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Kreistags. In den Großstädten war der Tourismus-Einbruch noch stärker, die Küsten und die Alpen kamen glimpflicher davon. In diesem Sommer lagen die Übernachtungen von Juli bis September noch niedriger: „Das Niveau erreichte nur 80 Prozent der Übernachtungen von 2020“, sagt Vogel. Der Wirtschaftsgeograf mit den Ausbildungsschwerpunkten Marketing und Regionalentwicklung führt die GmbH seit knapp einem Jahr.

Jetzt will die Rhön wieder zulegen, und zwar mit einem sanften Tourismus, einem Tourismus, der im Einklang steht mit Mensch und Natur. „Nichts anderes passt zum Biosphärenreservat“, begründet der Geschäftsführer. (Lesen Sie auch: Urlaub trotz Corona in den Herbstferien: So sind die Hotels ausgelastet)

Rhön GmbH will mehr Urlauber gewinnen - Wanderer sauer über E-Bike-Fahrer

Zwei Produkte bewirbt die 2017 gegründete Rhön GmbH, Gesellschaft für Tourismus und Markenmanagement, besonders: den Premiumwanderweg „Der Hochrhöner“ und den Sternenpark Rhön. „Das sind unsere Leitprodukte, also die Angebote, die wir in unser Schaufenster stellen und mit denen wir den Wunsch, in die Rhön zu kommen, fördern“, erklärt Vogel. Nicht einzelne Teile, sondern nur die Rhön als Ganzes lasse sich bundesweit vermarkten.

Der Gläserberg bei Dermbach ist ein begehrtes Ziel bei Wanderern in der Rhön.

Die GmbH hat eine bestimmte Zielgruppe vor Augen: „Der Gast, den wir in die Rhön locken wollen, liebt die Freiheit und will neue Eindrücke gewinnen, ihm sind Nachhaltigkeit und Entschleunigung wichtig, er ist im Urlaub in der Natur aktiv, er besucht kulturelle Veranstaltungen, er reist mit der Familie, und er mag regionale Produkte.“ Diese Menschen sollen vor allem digital angesprochen werden.

Rund um das Thema Sternenpark will die Rhön touristische Angebote mit der Betonung auf Naturschutz und Ursprünglichkeit ausbauen. „Wir denken an Pauschalangebote, Führungen sowie Sternenpark-Gerichte und regionale Produkte“, sagt Vogel. Bundesweit gibt es lediglich vier, bald fünf Sternenparks, in denen die Lichtemissionen so heruntergefahren werden, dass man die Sterne gut beobachten kann.

Damit der Tourismus sanft bleibt, selbst wenn viele Besucher kommen, setzt die Rhön auf Besucherlenkung. Per App Outdooractive sollen die Urlauber auf andere Pfade gelenkt werden, wenn Ziele überlaufen sind. „Auch bei Wohnmobilen müssen wir lenkend eingreifen: Wir freuen uns über zusätzliche Besucher, aber sie stehen bisweilen da, wo sie nicht hingehören.“ (Lesen Sie hier: Wohnmobil-Urlaub liegt im Trend: Landwirte in der Rhön sollen vom Boom profitieren)

Video: Alpaka- und Bierwanderung für Urlauber in der Rhön

In den vergangenen Jahren hat die Rhön eine weitere Gruppe von Urlaubern gewonnen – E-Biker, die nicht nur auf Straßen, sondern vor allem auf Waldwegen unterwegs sind. Das führt aber auch zu neuen Konflikten. Auf den Waldwegen kommen sich Wanderer und Mountainbiker jetzt in die Quere. Wanderer, die in der Rhön Ruhe suchen, sind sauer. „Der E-Bike-Trend hat der Rhön zusätzliche Gästegruppen erschlossen. Doch mehr Tourismus ist am Ende auch immer mit mehr Konflikten verbunden“, sagt Landrat Bernd Woide (CDU).

Schon heute gebe es Einheimische, die sich kritisch zum Tourismus in der Rhön äußerten - wenn viele Urlauber etwa an schönen Tagen die Wasserkuppe bevölkerten. Die Rhön GmbH will Querfeldein-Radler am Kreuzberg konzentrieren. Zudem sollen Besucher mit der App Outdooractive so gelenkt werden, dass überlaufene Gebiete – wie an schneereichen Wintertagen die Wasserkuppe – nicht mehr angesteuert werden.

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