Etwa 30 Stolpersteine sollen in Wüstensachsen verlegt werden.
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Etwa 30 Stolpersteine sollen in Wüstensachsen verlegt werden.

Finanziert durch Spenden

Erinnerung an das jüdische Leben: Ab November sollen Stolpersteine in Wüstensachsen verlegt werden

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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Stolpersteine erinnern an jüdische Bürger, die während des Dritten Reiches von den Nationalsozialisten verschleppt, ermordet oder vertrieben wurden. Auch im Ehrenberger Ortsteil Wüstensachsen soll das eindrucksvolle Projekt individueller Gedenksteine des Bildhauers Gunter Demnig verwirklicht werden.

Wüstensachsen - „Zurzeit sind 52 in Wüstensachsen geborene Holocaustopfer bekannt. Einige sind freiwillig schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts aus dem Dorf weggezogen, so dass wir etwa 30 Wüstensachsener Männern, Frauen und Kindern jüdischen Glaubens mit Stolpersteinen gedenken wollen“, erklärt Bürgermeister Peter Kirchner (parteiunabhängig).

Im Herbst vergangenen Jahres stimmte die Gemeindevertretung dieser Idee zu. Die Initiative „Stolpersteine in Wüstensachsen“ ruft dazu auf, das Vorhaben zu unterstützen. Da die Finanzierung des Projektes durch Spenden geschehen soll, „haben wir unter dem Dach der Gemeinde Ehrenberg ein Spendenkonto eingerichtet“, erklärt Kirchner. Unter Sonderkonto „Stolpersteine Wüstensachsen“, VR Bank Fulda, IBAN: DE38 5306 0180 0006 2119 33 kann dies getan werden.

Wüstensachsen: Stolpersteine sollen verlegt werden - Erinnerung an jüdisches Leben

„Alle Geldspenden, große wie kleine, sind zur Verwirklichung des Projekts sehr willkommen. Eine entsprechende Spendenquittung kann ausgestellt werden. Die Kosten für einen Stein betragen 120 Euro“, sagt der Bürgermeister. Die ersten Stolpersteine werden aller Voraussicht nach im November 2021 durch den Künstler Gunter Demnig selbst verlegt. Eine weitere Verlegung ist im Rahmen der 50-Jahr-Feier der Gemeinde Ehrenberg im Jahr 2022 geplant. (Lesen Sie hier: Eine Verneigung vor den Verfolgten - Weitere Stolpersteine in Schlüchtern verlegt).

Nachweislich seit 1653 lebten Juden in Wüstensachsen. Es gab im Laufe der Zeit unter anderem eine Elementarschule, eine Synagoge und einen Rabbiner. Länger als zwei Jahrhunderte war die Gemeinde Wüstensachsen die mitgliederstärkste jüdische Gemeinde in der Rhön. Der Anteil der jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner lag teilweise bei über zehn Prozent.

Stolpersteine in Wüstensachsen: Finanzierung des Projektes durch Spenden

Während der Novembertage des Jahres 1938 wurde die Synagoge zerstört und anschließend abgerissen. Ungefähr 52 gebürtige Juden aus Wüstensachsen fielen dem Holocaust zum Opfer. Die Idee der Verlegung von Stolpersteinen in Wüstensachsen kam in Gesprächen des Bürgermeisters mit dem Nachfahren ehemaliger jüdischer Wüstensachsener Michael Lee Buchsbaum sowie mit Inge Hohmann auf, die die Geschichte der Wüstensachsener jüdischen Gemeinde erforscht. Der Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung befürworten einstimmig das Projekt.

Bei den Stolpersteinen handelt es sich um quadratische Messingtafeln mit abgerundeten Ecken und Kanten, die mit der Hand mittels Hammer und Schlagbuchstaben eingeschlagenen Lettern beschriftet werden. Sie werden meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster eingelassen. Mittlerweile sind weltweit mehr als 75.000 Stolpersteine verlegt.

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