Das Steinkohlekraftwerk in Lünen in Nordrhein-Westfalen vom Wasser aus gesehen.
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Das Steinkohlekraftwerk in Lünen gehört zu 8,45 Prozent der RhönEnergie.

Kohleausstieg im Verbund Trianel

RhönEnergie Fulda: Einbußen geringer als befürchtet

  • Volker Nies
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Beim Kohleausstieg drohten der RhönEnergie Verluste in Millionenhöhe. Jetzt will der Bund die Eigentümer von Steinkohlekraftwerken weniger stark belasten als geplant. Heute entscheidet der Bundestag.

  • Trianel rechnete damit, dass das Steinkohlekraftwerk in Lünen um 2030 stillgelegt wird – 23 Jahre vor dem geplanten Betriebsende.
  • Der RhönEnergie gehören 8,45 Prozent der Anlage.
  • Eine Abschaltung des Steinkohlekraftwerks hätte für die RhönEnergie einen positiven Nebeneffekt.

Fulda - 40 Jahre lang, also bis 2053, sollte das Steinkohlekraftwerk in Lünen (Westfalen) Strom produzieren, hieß es seinerzeit, als es im Dezember 2013 in Betrieb ging. Eigentümer sind 28 kommunale Energieversorgern im Verbund Trianel – darunter die RhönEnergie. Ihr gehören 8,45 Prozent der Anlage.

Bis Mitte dieser Woche drohte dem Kraftwerk das Aus ohne Entschädigung. Im Konzept für den Kohleausstieg sah der Bund vor, dass es zwar für Braunkohlekraftwerke Entschädigungen von 4,35 Milliarden Euro gibt, Steinkohlekraftwerke hingegen ab 2027 ohne Kompensation vom Netz gehen sollen.

Stilllegung von Lünen zieht hohen wirtschaftlichen Schaden nach sich

Trianel rechnete damit, dass Lünen um 2030 stillgelegt wird – 23 Jahre vor dem geplanten Betriebsende. In einem Gutachten errechnete die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Frontier Economics, dass dem Kraftwerk durch den Kohleausstieg ein wirtschaftlicher Schaden von 571 Millionen Euro entsteht; 805 Millionen Euro Buchwert müssten abgeschrieben werden.

Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Saarland lehnten die Pläne ab. Jetzt einigte sich die Koalition in Berlin darauf, die Lasten für junge Steinkohleanlagen wie Lünen abzumildern: Wenn ein Kraftwerk bis 2022 von Kohle auf Gas umgerüstet wird, soll der Bonus von 180 Euro pro Kilowatt auf 390 Euro mehr als verdoppelt werden.

Ausschreibung auf 2027 verschoben

Um nicht umgerüstete Steinkohlekraftwerke komplett vom Netz zu nehmen, hatte die Regierung ein Verfahren mit Ausschreibungen gewählt: Die Betreiber können sich jährlich um einen Abschaltbonus bewerben. Wer am wenigsten fordert, bekommt den Zuschlag. Das Ende der Ausschreibung wird nun von 2026 auf 2027 verschoben.

Zudem will der Bund 2022, 2026 und 2029 prüfen, ob für junge Steinkohleanlagen eine Änderung erforderlich ist. Für sie soll es zudem eine Härtefallregelung geben, wenn sie weder eine Entschädigung erhalten haben noch Förderprogramme zur Umrüstung nutzen konnten.

RhönEnergie Fulda: Teure Verpflichtung endet Mitte 2033

Der Stadtwerkeverbund Trianel sieht den Vorschlag kritisch: „Mit den Regelungen für junge Steinkohlekraftwerke kann voraussichtlich das Schlimmste vermieden werden. Dennoch bleiben diese deutlich hinter unseren Erwartungen zurück“, erklärt das Unternehmen unserer Zeitung. Trianel begrüße, dass sich die Koalition auf einen Vorschlag geeinigt habe, die vorzeitige Abschreibungen vermeide und Entschädigungen für unzumutbare Härten vorsehe. „Dies soll die Verlustrisiken für die kommunalen Akteure vermeiden“, erklärt Trianel. Kritisch sieht der Verbund, dass mit den Prüfungszeitpunkten 2022, 2026 und 2029 die wesentlichen Herausforderungen in die Zukunft verschoben würden. Der Verbund hätte sich mehr Planungs- und Rechtssicherheit gewünscht.

Eine Abschaltung hätte für die RhönEnergie aber einen positiven Nebeneffekt. Auch ohne Kohleausstieg ist das Kraftwerk eine Last. Es macht seit der Inbetriebnahme Verluste. Zudem ist die RhönEnergie verpflichtet, Strom deutlich über dem Marktpreis abzunehmen. Die RhönEnergie erwartete für 2018 bis 2020 einen Verlust aus dem Strombezug von je 9,2 Millionen Euro im Jahr. Die teure Verpflichtung endet Mitte 2033.

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