Die 26 Kilometer lange Hochrhönstraße führt von Fladungen nach Bischofsheim. / Foto: Arnulf Müller

Rhönklub-Kulturtagung: Braunkohle, Segelflug und NS-Pläne an der Hochrhönstraße

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Rhön - Das Thema der Hauptkulturtagung des Rhönklubs lautete: „Links und rechts der Hochrhönstraße“. Die vier Referenten informierten über gravierende Veränderungen in den vergangenen Jahren.

Von unserem Redaktionsmitglied Rainer Ickler

Hauptkulturwart Jürgen Reinhardt machte vor mehr als 100 Besuchern im Ulstersaal in Hilders auf eine Besonderheit aufmerksam: An der 26 Kilometer langen Verbindung, die von Bischofsheim nach Fladungen führt, liegt keine Ortschaft.

Grund für den Bau der Trasse über die karge Hochrhön war der Dr. Hellmuth-Plan der Nationalsozialisten, erklärte die Historikerin Dr. Sabine Fechter. Mit dem Straßenbau sollten auch 17 landwirtschaftliche Höfe auf der Hohen Rhön geschaffen werden, damit die Rhön zu einem ertragreichen Wirtschaftsgebiet wird. Nur einer sei gebaut worden.

Die Eigentümer sollten auf ihren jeweils 25 Hektar Landwirtschaft betreiben. 1935 starteten die Bauarbeiten, bis 1940 war die Strecke grob geschottert. Danach wurde das Projekt aufgrund des Krieges aufgegeben. Erst im Jahr 1958 wurde die asphaltierte Straße eröffnet.

Besonderheiten des Heidelsteins

Der Gersfelder Buchautor und Biologe Joachim Jenrich erläuterte die Besonderheiten des vierthöchsten Berges der Rhön, den 926 Meter hohen Heidelstein. Er liegt nur wenige Meter neben der Straße. Vielen Zuhörern war nicht bewusst, dass das Ehrenmal des Reichsarbeitsdienstes erst 1964 beim Bau des Fernsehsenders Heidelstein abgetragen wurde.

Er erzählte auch, dass nicht nur auf der Wasserkuppe, sondern auch am Heidelstein schon ab 1915 erste Flugversuche mit Segelflugzeugen und Segelflugwettbewerbe durchgeführt wurden. Jenrich berichtet zudem über die Kleinfelderwirtschaft rund um den Heidelstein. Die Grundstücke seien teilweise nur 600 Quadratmeter groß gewesen. Grund dafür waren die vielen Erbteilungen.

Eine Anekdote zu diesem Thema erzählte Jürgen Reinhardt. Zur Heuernte seien immer besonders viele Menschen auf dem Heidelstein gewesen. Frauen und Männer zelteten dabei mehrere Tage lang gemeinsam – zum Bedauern der Pfarrer, die dadurch Unkeuschheit befürchteten.

Braunkohle der Rhön

Dass in Tann-Theobaldshof Braunkohle abgebaut wurde, war vielen Zuhörern unbekannt. In seinem Referat „Braunkohle der Rhön – Rohstoff der Vergangenheit“ zeigte Elmar Kramm unterschiedliche Braunkohlevorkommen und die dazugehörigen Fundorte in der Rhön auf. Er sprach über die Entstehung und das Alter dieses Brennstoffs.

Nicht nur in Theobaldshof, sondern auch in Wüstensachsen und am Bauersberg direkt neben der Hochrhöbstraße wurde Braunkohle gewonnen. Die Kohle sei allerdings minderwertig gewesen, die Heizqualität bescheiden, so dass die Förderung wieder aufgegeben wurde. Am Bauersberg oberhalb von Bischofsheim gibt es einen Schaustollen für die Bevölkerung.

Dr. Udo Lange (Fulda) befasste sich mit dem Thema „Siedlungs- und Kulturspuren auf dem Dach der Rhön“. Strategische Besonderheiten wie beispielsweise Höhenzüge oder Bergvorsprünge machen Gelände für Siedlungsgründungen ebenso interessant, wie Flussauen mit geeigneten Übergängen oder das Wetter.

Klimatische Verhältnisse bedeutsam

Dass klimatische Verhältnisse bedeutsam sind, erläuterte Lange. Ab etwa 1250 herrschten in der Hochrhön mildere Temperaturen als gegenwärtig. Die etwa zwei Grad höhere Durchschnittsjahrestemperatur im Vergleich zu heute seien der Grund, dass damals mehrere Siedlungen entstanden sind.

Menschen betrieben dort Landwirtschaft. Man geht von Dörfern mit acht bis zwölf Häusern aus. Im 15. Jahrhundert, mit Beginn der kleinen Eiszeit, begann die Wüstungsperiode. Die Dörfer wurden wieder verlassen, die Menschen zogen in tiefer gelegene Regionen.

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