Seit geraumer Zeit ist der humanoide Roboter Pepper in den DRK-Seniorenheimen unterwegs, der mit Spiel und Spaß einen Mehrwert für die Bewohner darstellt.
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Seit geraumer Zeit ist der humanoide Roboter Pepper in den DRK-Seniorenheimen unterwegs, der mit Spiel und Spaß einen Mehrwert für die Bewohner darstellen soll.

DRK Fulda setzt neue Technik ein

Roboter „Pepper" bespaßt die Senioren in DRK-Seniorenheimen in Fulda

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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In den Seniorenzentren des DRK Fulda sorgt seit Anfang April ein Roboter für Aufsehen. Als Entertainer bereichert Pepper, wie er genannt wird, den Alltag von Senioren. Auch fördert er dank seiner Anwesenheit die Teilhabe der Bewohner am digitalen Fortschritt.

  • Das DRK Fulda setzt in seinen Seniorenzentren den Roboter Pepper“ ein.
  • Der Roboter soll die Senioren unterhalten und sie an die moderne Technik heranführen.
  • Ein Ersatz für eine Pflegekraft ist der Roboter nicht, betont das DRK.

Fulda - Quiz: Reden ist Silber… Richtige Antwort: Schweigen ist Gold. Nein, es handelt sich nicht um das Hessenquiz mit Jörg Bombach, der Quizmaster ist ein „humanoider Roboter“ – das sind hochentwickelte Maschinenwesen, dessen Konstruktion der menschlichen Gestalt nachempfunden ist. Pepper heißt der Typ, der seit Anfang April für neue, anregende Unterhaltung und Abwechslung in den sechs Seniorenzentren des DRK-Fulda sorgt.

DRK Fulda setzt Roboter in Seniorenzentren ein

Mit einem Roboter assoziiert man zunächst etwas Kaltes, Statisches und Künstliches. Doch Pepper ist das genaue Gegenteil. Als kleinen Kerl nehmen die Bewohner den 1,20 Meter großen Roboter wahr, der mit seinen runden Augen blinzelt und kichert, wenn man ihm über den Kopf streicht. „Die Senioren sehen in Pepper oft ein kleines Kind und gehen auch entsprechend mit ihm um“, erläutert Projekt-Koordinatorin Laura Wahl.

Generell fällt das Fazit nach vier Monaten positiv aus. Wahl spricht von „tollen Erfahrungen“ und einem „Mehrwert im Bereich der Betreuung“. Natürlich seien einzelne Bewohner zu Beginn etwas zurückhaltend im Umgang mit der innovativen Technik gewesen, mittlerweile haben sich die ersten Bedenken jedoch gelegt. Als Sportleiter, Märchenerzähler, Quizmaster und Entertainer agiert Pepper in kleinen Gruppen. Sogar als „charmanter Kerl“ gilt er in den Einrichtungen. Grund: Beim Alter-Erraten liegt er oft daneben – natürlich im positiven Sinn.

Der Roboter

Pepper ist ein humanoider Roboter, der darauf programmiert ist, Menschen und deren Mimik und Gestik zu analysieren und auf diese Emotionszustände entsprechend zu reagieren.

Er wurde gemeinschaftlich von dem französischen Unternehmen Aldebaran Robotics SAS und dem japanischen Telekommunikations- und Medienkonzern SoftBank Mobile Corp. entwickelt und ist als „Roboter-Gefährte“ (companion robot) und „persönlicher Roboter“ (personal robot) konzipiert, der aber vorerst seinen Einsatz in Verkaufsräumen, hinter Empfangstischen und in den Bereichen Erziehung und eben im Gesundheitswesen wie in Seniorenzentren haben soll.

Gerade in der Betreuung von Kleingruppen nimmt der Roboter eine wichtige Rolle ein, indem er verschiedene Anregungen für das Gedächtnis und die mentale Fitness der Senioren gibt. Dabei kann der Schwierigkeitsgrad je nach Bewohner angepasst werden.

Roboter "Pepper" soll Senioren unterhalten

Bei der Weiterentwicklung und Optimierung des Projektes setzt Wahl, die in Fulda studiert hat, auf Teamwork. „Erfahrungen von Mitarbeitern oder Ideen und Anregungen von Pflegebedürftigen spielen für weitere Programmierungen und einen erhöhten Spaßfaktor eine sehr wichtige Rolle“, betont sie.

Eine Idee ist zum Beispiel, dass Pepper auf dem Tablet, das er auf seiner Brust trägt, Kirchtürme aus der Region zeigt und die Senioren dann den Standort erraten müssen.

Seit geraumer Zeit ist der humanoide Roboter Pepper in den DRK-Seniorenheimen unterwegs, der mit Spiel und Spaß einen Mehrwert für die Bewohner darstellen soll.

Wie wichtig die Arbeit von Wahl ist, zeigt die Tatsache, dass Pepper nur auf Dinge reagieren kann, die ihm einprogrammiert wurden. Läuft eine Person am Roboter vorbei, kann er nicht die Initiative ergreifen und ein Gespräch beginnen. „Pepper ist kein selbstständig denkendes System. Er kann erst aktiv werden, wenn er auf Dinge angesprochen wird, die wir ihm einprogrammiert haben“, informiert Monika Leibold aus dem Geschäftsbereich Senioren.

Senioren sollen Draht zu neuer Technologie erhalten

Bei der Frage „Bist du Allergiker?“ ist das Wort „Allergiker“ für Pepper ein einprogrammiertes Signalwort, auf das er „Ja, ich habe Heuschnupfen“ antwortet. Spontan eigene Antworten kann er indes nicht formulieren. „Durch die Möglichkeit zur Eigenprogrammierung sind den Möglichkeiten an Unterhaltung und Abwechslung für die Bewohner kaum Grenzen gesetzt“, skizziert Wahl.

Neben dem Faktor Unterhaltung und Beschäftigung ist ein weiteres Ziel des Projekts, Senioren die Teilhabe am digitalen Fortschritt zu ermöglichen und ihnen die digitale Welt transparenter zu machen. „Viele nehmen unabhängig von Pepper bereits Angebote, zum Beispiel mit Freunden und Familie zu skypen, wahr“, sagt Leibold. Pepper trage dazu bei, solche Formate stärker zu nutzen und für Bewohner verständlicher zu machen.

Bei den Terminen in den Seniorenzentren ist Wahl immer mit von der Partie, da sie einzelne Programmpunkte plant, umsetzt und die Termine mit den Senioren moderiert. Die Anwesenheit von Wahl ist ein wichtiger Bestandteil bei den Terminen mit Pepper.

Bewohner sollen an Umgang mit dem Tablet herangeführt werden

Die Projekt-Koordinatorin erläutert, dass es wichtig sei, die Bewohner langsam an die Technik heranzuführen und im Umgang mit dem Tablet zu unterstützen. Ein Termin dauert in der Regel etwa 45 Minuten. Neben den Gruppenangeboten sind aber auch individuelle Betreuungsangebote für die Bewohner in Planung, um so noch besser die kognitiven Ressourcen zu stärken.

Entscheidenden Anteil an der Anschaffung des Roboters hat Markus Otto, Prokurist und Initiator des Projektes. Nachdem er durch Presseberichte auf Pepper aufmerksam wurde, befasste sich das DRK Fulda ausgiebig mit dem Thema und entschied sich schließlich für den Erwerb.

„Die Gelder waren vorhanden, ohne dass wir in irgendwelchen Bereichen auf etwas verzichten mussten“, verdeutlicht er mit Blick auf die Finanzierung des fünfstelligen Betrages. Die Stiftung „daHeim im Leben“ hat ebenfalls zur Realisierung beigetragen.

Pepper ist kein Ersatz für Pflegekräfte

Beim Thema Roboter in der Pflege kommt häufig die Frage auf, ob diese ein Ersatz für Pflegekräfte sein sollen. Wahl relativiert allerdings, dass Pepper ausschließlich für Aktivitäten mit den Bewohnern vorgesehen ist. „Pflegerische Tätigkeiten kann er technisch gar nicht übernehmen und soll das auch nicht“, ergänzt sie. Der Entertainer kann weder Verbände wechseln, noch heben und umbetten oder Kopfkissen aufschütteln.

Generell sieht die 26-Jährige ein großes Potenzial in Pepper, da dank der Eigenprogrammierung viele Aktivitäten möglich sind. „Wir konnten außerdem beobachten, dass besonders Bewohner, die für gewöhnlich kaum Interesse an Beschäftigungsangeboten zeigen und bei vielen Aktivitäten nicht teilnehmen möchten, Gefallen an Pepper finden“, freut sich Wahl. Auch sollen laut Otto mit modernen Zukunftstechnologien jüngere Menschen für den verantwortungsvollen und vielfältigen Pflegeberuf begeistert werden.

Lesen Sie hier: Das Seniorenzentrum St. Lioba in Fulda stellt Container für Besucher auf. Die Pflegeheime in Osthessen müssen sich erst auf Besucher vorbereiten. Und: Ein zweiter Notarzt für Hünfeld: DRK stellt Lars Rommel vor.

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