Fehlt Stahl, kann das ein Risiko für die Stabilität sein
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Stahl ist ein wichtiger Baustoff beim Hausbau. Er und andere Rohstoffe, wie beispielsweise Holz, werden aktuell aber knapp.

Stahl, Holz, Plastik

Rohstoffpreise gehen durch die Decke - Was jetzt für Verbraucher teurer wird

Beim Thema Rohstoffe bekommen Industriemanager Sorgenfalten – das Angebot ist knapp, und der Preis geht derzeit durch die Decke. Ein Überblick über die aktuell knappen Rohstoffe.

Stahl: Jahrelang klagte Europas Stahlindustrie wegen asiatischer Billigimporte über Absatzprobleme. Das ist vorbei. Bei Europas größtem Stahlhersteller Thyssenkrupp ist von einem „Stahlengpass in Europa“ die Rede. Die Folge: Stahl wurde deutlich teurer. Der steile Preisanstieg habe „selbst unsere sehr optimistischen Erwartungen übertroffen“, sagt David Varga vom Bankhaus Metzler.

Die höheren Stahlpreise treffen nicht nur den Bau, die Autoindustrie oder den Maschinenbau. Auch relativ simple Produkte wie Konservendosen verteuerten sich kräftig. Einen Preisaufschlag um 30 bis 80 Prozent bei Blechdosen und Deckeln beklagte unlängst der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK).

Selbst ein Mangel an den Verpackungen aus Weißblech – also dünn gewalztem Stahl – wird in der Branche nicht ausgeschlossen. Die Versorgungslage sei insgesamt angespannt, sagt Sibylle Vollmer vom Verband Metallverpackungen. Die vertraglich vereinbarten Mengen könnten die Hersteller aber liefern. Auch Brauereien verfolgen die Entwicklung mit Sorge. Bei dem für Kronkorken unerlässlichen Weißblech seien Engpässe am Markt zu erkennen, so Veltins-Chef Michael Huber. Veltins habe die Versorgung mit Kronkorken aber langfristig abgesichert.

Rohstoffpreise gehen durch die Decke: Was jetzt für Verbraucher teurer wird

Glas: Weißblech für Dosen ist nicht das einzige Verpackungsmaterial, das teurer geworden ist. Es gebe einen klaren Verbrauchertrend weg vom Kunststoff und zurück zum Glas, und so seien auch die Kosten für Konserven- und Marmeladengläser gestiegen.

Müssen die Verbraucher sich also auf höhere Preise einstellen? Die Antwort bei den Konservenproduzenten ist eindeutig: Allein könnten die Lebensmittelverarbeiter die steigenden Kosten nicht auffangen, denn durch die Corona-Krise seien die finanziellen Reserven aufgebraucht. Es sei daher schwer vorstellbar, dass sich die „Verwerfungen am Ende nicht auch auf die Verbraucherpreise auswirken werden“.

Holz: Beim Holz gibt es weiterhin eine „Ausnahmesituation“, die an Störungen der Lieferketten und nachfolgenden Marktverzerrungen liegt, wie es Denny Ohnesorge vom Hauptverband der Deutschen Holzindustrie formuliert. Die Nachfrage im Bau sei im Inland wie im Ausland hoch, große Mengen gehen in die USA.

Durch Corona sprang zudem die Nachfrage im „Do it yourself“-Bereich an, also vor allem in den Baumärkten. Das Bauholz verteuerte sich im Mai 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat laut Holzwirtschaftsrat um 38,4 Prozent. Bis Ende des Jahres erwartet Ohnesorge eine leichte Entspannung der Situation. (Lesen Sie hier: Diese Preis-Fallen sollten Sie in der Corona-Pandemie kennen)

Das Beratungsunternehmen Horváth rechnet hingegen mit einem weiteren Preisanstieg bis Jahresende um bis zu einem Drittel bei Holz und bezieht sich dabei auf eine Umfrage unter 1000 Führungskräften von produzierenden Unternehmen in Europa.

Ein Sprecher der Baumarktkette Bauhaus sagt mit Blick auf den Materialbezug durch Lieferanten, dass es insbesondere beim Rohstoff Holz eine „hochdynamische Preisentwicklung und längere Lieferzeiten“ gegeben habe. Bisher habe Bauhaus dies zumeist ausgleichen können – der Kunde habe davon also nur in Teilen etwas mitbekommen. „Bleibt der Rohstoffmarkt in Zukunft jedoch weiterhin so sprunghaft, kann es vereinzelt zu Preissteigerungen und Lieferverzögerungen kommen.“

Engpass an Halbleitern sorgt für längere Lieferfristen bei Autos

Plastik: Hersteller von Plastikverpackungen berichten von Materialknappheit und höheren Kosten wegen Corona-Störungen im Welthandel und wegen Folgen höherer Gewalt – fast die Hälfte von etwa 100 Unternehmen in Deutschland schätzte die Rohstoffverfügbarkeit als schlecht oder sehr schlecht ein, wie die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen unter Bezug auf eine Branchenumfrage im Juni berichtet.

Die Preise für Rohstoffe hätten seit Januar stark angezogen – bei weit verbreiteten Kunststoffen, den Polyolefinen, um bis zu 80 Prozent. Es geht zum Beispiel um Plastiktüten, Lebensmittelschachteln und Folien.

Halbleiter: Für viele Branchen sind Halbleiter ein zentrales Bauteil und damit eine Art Rohstoff. Seit mehr als einem halben Jahr bringt der Mangel an wichtigen elektronischen Bauteilen die Autobauer weltweit aus dem Takt.

Der Engpass an Halbleitern sorgt bei VW, Daimler, BMW und anderen Firmen immer wieder für Produktionsausfälle und verlängert aus Kundensicht die Lieferfristen neuer Fahrzeuge teils erheblich. Wegen des corona-bedingten Nachfrageeinbruchs 2020 hatten die Konzerne große Kontingente dieser Chipkomponenten abbestellt – im aktuellen Aufschwung fehlen die Teile ihnen nun zuhauf. Schichten fielen aus, Kurzarbeit in einzelnen Werken folgte, Hunderttausende geplante Autos konnten nicht im vorgesehenen Zeitplan gefertigt werden.

Durch Wetterextreme und Brände lagen bei Halbleiter-Firmen in Japan und den USA dann auch noch weitere der ohnehin begrenzten Kapazitäten brach. Die Autobauer behelfen sich angesichts der knappen Ressourcen zurzeit unter anderem damit, dass sie gewinnträchtigere Modelle bevorzugt mit den knappen Teilen bestücken– so konnten etwa VW und Daimler zuletzt trotz der Krise üppige Gewinne im Tagesgeschäft vermelden. Die Knappheit dürfte sich nach Expertensicht allerdings bis weit in das vierte Quartal ziehen.

Video: Diese Produkte werden wegen des Rohstoffmangels teurer

Kautschuk: Auch bei Autoreifen müssen sich Verbraucher auf höhere Kosten einstellen, warnte der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV). Man gehe davon aus, dass es in den kommenden Monaten zu „spürbaren Preiserhöhungen“ in allen Segmenten komme. Denn die Kosten für Rohstoffe, Energie und Logistik seien gestiegen.

Der Reifenfachhandel müsse Preissteigerungen „voll an private wie gewerbliche Verbraucher weitergeben“, sagte der Verbandsvorsitzende Stephan Helm. So seien die Kosten für Naturkautschuk, eines der Hauptmaterialien bei der Reifenproduktion, stark gestiegen. Der Mittelwert für das erste Halbjahr habe 57 Prozent über dem Vorjahr gelegen.

Und mit dem Anziehen der Ölpreise hätten sich auch auf petrochemischer Basis hergestellte synthetische Kautschuke stark verteuert. Zudem bekomme die Branche steigende Containerfrachtraten im Welthandel zu spüren. Auch in der Kautschukproduktion hat nach der Corona-Krise eine starke Erholung eingesetzt. Die Preise für Reifen könnten steigen, meint auch der VCI. Die Lage dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte aber wieder entspannen.

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