Zwei Verkehrsinseln sollen den Verkehr am Ortsausgang Richtung Flieden verlangsamen. Dass dies nur bedingt funktioniert, darüber sind sich Anwohner und Gemeinde einig.
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Zwei Verkehrsinseln sollen den Verkehr am Ortsausgang Richtung Flieden verlangsamen. Dass dies nur bedingt funktioniert, darüber sind sich Anwohner und Gemeinde einig.

Gemeinde setzt auf Messungen

Unfall eine Frage der Zeit? Bauausschuss spricht sich gegen Mittelinsel auf Fliedener Straße aus

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
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Dass Betroffene ihr Anliegen vor einem gemeindlichen Bauausschuss vortragen können, ist ungewöhnlich. Simone und Thomas Höhl aus Rommerz durften. Das Anwohnerpaar präsentierte einen Vorschlag, wie der Verkehr am Rommerzer Ortsausgang in Richtung Flieden beruhigt werden könnte.

Rommerz - Weil am Ortsausgang immer wieder zu schnell gefahren wurde, hatte die Gemeinde vor drei Jahren zwei Verkehrsinseln installiert – sehr zur Unzufriedenheit von Simone und Thomas Höhl. Ihre Kritik: Statt den Verkehr maßgeblich abzubremsen, bahnen sich viele Verkehrsteilnehmende ihren Weg durch die Mitte – zwischen den beiden Inseln hindurch. Die Folge laut den beiden Anwohnern: immer wieder Hupkonzerte und Beinahe-Unfälle.

In der in diesem Jahr anstehenden Sanierung der Straße sah das Paar die Gelegenheit, etwas an der für sie unbefriedigenden Situation zu ändern. So präsentierten sie in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses eine Lösung, die ihrer Meinung nach nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Unfallgefahr senken würde.

Anwohner kritisieren Verkehrsinseln in Rommerz - Gemeinde stimmt teilweise zu

Hubert Enders, Vorsitzender des Bauausschusses, räumt ein: „Mit den derzeit installierten Provisorien sind wir alle nicht glücklich.“ Um die Realisierbarkeit einer Mittelinsel zu prüfen, habe die Gemeinde den Vorschlag im Vorfeld einem Planungsbüro zur Prüfung eingereicht. „Dazu wäre ein Flächenankauf nötig gewesen, aber der betreffende Landwirt wäre laut den Höhls bereit dazu gewesen“, führt Enders aus.

Auch vonseiten der ausführenden Behörde habe es prinzipiell keine Einwände gegeben. „Hessen Mobil hat uns gesagt, die Gemeinde könne das grundsätzlich tun, müsse dann aber den Grundstückserwerb sowie die Planungen selbst durchführen.“

Bauausschuss stimmt gegen Mittelinsel - Hauptgrund: Kosten

Der Bauausschuss lehnte den Vorschlag der Höhls jedoch einstimmig ab – Hauptgrund waren die Kosten, wie der Ausschussvorsitzende erklärt. Das Projekt hätte etwa eine Viertelmillion Euro gekostet. „Wir sind trotzdem nicht gegen eine Verkehrsberuhigung“, betont Enders.

Mit der Sanierung der Straße, welche laut Enders noch für dieses Jahr geplant ist, würden die aktuell installierten Verkehrsinseln verschwinden. „Wir sehen es ebenfalls als Problem an, dass durch das Abbremsen die Lärm- und Umweltbelastungen steigen. Deshalb wollen wir generell weg von Verkehrsbehinderungen und hin zu Messungen.“

Digitale Anzeigetafeln eine Lösung?

Der Bauausschuss tendiere daher zu digitalen Anzeigetafeln, die nach Abschluss der Sanierungsarbeiten mit Abstand zueinander installiert werden sollen. Diese könnten die Verkehrsteilnehmenden an der ersten Mess-Stelle auf überhöhte Geschwindigkeit aufmerksam machen, sodass sie an der zweiten Mess-Stelle ihr Tempo verlangsamen. „Wir sehen darin eine Möglichkeit, die Geschwindigkeit zu senken, ohne die Verkehrsteilnehmer zu stoppen.“ Scheitere dieser Ansatz, gebe es immer noch die Möglichkeit, auf mobile Hindernisse oder Blitzer zurückzugreifen.

Anwohner: Ein Teilerfolg

Thomas Höhl steht dem Beschluss des Bauausschusses zwiegespalten gegenüber. „Das Ergebnis ist für uns Anwohner ein Teilerfolg. Wir konnten unser Anliegen vorbringen und es wurde seitens der Gemeinde zugegeben, dass die aktuelle Lösung ihre Schwächen hat.“

Er sei weiterhin davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis sich an der Problemstelle ein schwerer Unfall ereigne. Zumindest für die Anwohnerinnen und Anwohner sei der Verzicht auf die geforderte Mittelinsel „nicht dramatisch“, so Höhl, denn: „Durch die Westspange hat sich der Verkehr hier deutlich reduziert. Für uns geht mit dieser Entscheidung nicht die Welt unter, aber man sollte die Lage genau beobachten.“

Ihr Hauptziel haben die Anwohner laut Höhl jedenfalls erreicht: „Uns war es wichtig, auf die Gefahren hinzuweisen und den Ort dafür zu sensibilisieren, dass der aktuelle Zustand nicht die beste Lösung ist.“

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