Fotos: Jacqueline Kleinhans

R+S-Eigentümer Manfred Ziegler über Diagnosen, Pläne und Perspektiven

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Seit November hat die R+S Group, mit 3800 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Region, einen neuen Haupteigentümer. Dr. Manfred Ziegler (59), zuvor schon Aufsichtsratschef, kaufte den Konzern von Gründer Markus Röhner (58). Welche Pläne der neue Eigentümer hat und wo er Handlungsbedarf sieht, erklärt er im Interview mit unserer Zeitung.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Im Februar wurden Sie Aufsichtsratsvorsitzender bei R+S. War da schon klar, dass Sie das Unternehmen kaufen wollen?

Nein. R+S-Eigentümer Markus Röhner bat mich im Januar, den Vorsitz des Aufsichtsrates zu übernehmen, um das Unternehmen besser zu strukturieren und Prozesse besser zu organisieren. Ich sollte auch die Kommunikation mit den Banken verbessern. Um den Kauf von R+S ging es damals überhaupt nicht.

Wie kam es zum Verkauf?

Ab August zeigte sich, dass das Unternehmen andere Weichenstellungen braucht und dass es sinnvoll ist, wenn das Unternehmen in andere Hände übergeht. Ich hatte zwischen Februar und August in den Bereichen Strukturen und Kommunikation schon einiges angestoßen.

Und Sie überlegten, R+S zu kaufen?

Ja. Möglich wurde das durch eine finanzielle Veränderung bei mir. Anfang 2019 habe ich das Pharma-Unternehmen CC Pharma verkauft. Das erlaubte mir, Herrn Röhners Anteil von 80 Prozent an R+S zu erwerben.

Haben Sie auch die Immobilien gekauft?

Alle Immobilien, die in der R+S-Bilanz enthalten waren.

Was reizte Sie an R+S?

Mich reizen generell Unternehmen in besonderen Situationen und die Möglichkeiten, diese Unternehmen neu strukturieren und letzten Endes auch daran finanziell zu partizipieren.

Was löste den Verkauf aus?

Herr Röhner hat einen phänomenalen Aufbau geleistet. Jetzt wollte er sich zurückziehen und fragte mich, ob ich seine Anteile übernehmen möchte. Das war im Interesse des Miteigentümers Hamburger Sparkasse-Beteiligungsgesellschaft, von Herrn Röhner und des Unternehmens.

Warum?

Bei dem Eigentümerwechsel ging es auch darum, Strukturen zu ändern. Herr Röhner ist ein Vollblutunternehmer, der mit seinen Ideen vorangeht und sie, wenn möglich, gleich umsetzt. Jetzt kommt es darauf an, solide Organisations-, Prozess- und Finanzstrukturen einzuziehen. Das liegt mir sicher mehr als Herrn Röhner.

Brauchte das Unternehmen diese neuen Strukturen? Ist es zu schnell gewachsen?

Ob es zu schnell gewachsen ist, weiß ich nicht. Aber die neuen Strukturen waren und sind notwendig.

Sie sind ein Spezialist für Sanierungen?

Ja. Ich mache seit 30 Jahren nichts anderes, als Unternehmen zu sanieren und zu restrukturieren. Sanieren und Restrukturieren bedeutet für mich aber nicht, Strukturen zu zerstören und massenhaft Mitarbeiter zu entlassen. Vielmehr geht es mir immer darum, die Organisation und die Strukturen so zu ändern, dass das Geschäftsmodell eines Unternehmens wieder funktioniert.

Es kommt also nicht in erster Linie darauf an, Kosten zu senken?

Das kommt begleitend hinzu. Aber entscheidend ist: Wie schaffe ich in dem Unternehmen eine Struktur, damit das Geschäftsmodell wieder funktioniert? Das ist Aufbauarbeit. Das ist eine Sache von einem halben bis einem Jahr.

Waren die Strukturen bei R+S nicht in Ordnung?

Im Grunde schon. In der Nahbetrachtung gilt es einiges zu verändern.

Was genau?

Vor jeder Therapie kommt die Diagnose. Die haben wir weitgehend abgeschlossen. Wir müssen Organisations- und Prozessstrukturen so verändern, dass wir drei Ziele erreichen: Wir brauchen vernünftige Kennzahlen, erfolgreiche und schlüssige Geschäftsmodelle und verbesserte Prozessstrukturen. Wir sind jetzt dabei, das zu schaffen.

Was sagt die Diagnose?

R+S hat eine super Substanz. Die Geschäftsmodelle passen im wesentlichen. Modelle, die nicht mehr passen, haben wir abgestoßen.

Was genau?

Kleine Gesellschaften und kleine Niederlassungen wie in Nürnberg, Ingolstadt und München und den etwas größeren Standort Mannheim haben wir geschlossen, um uns auf die Kernbereiche zu konzentrieren.

Wie langfristig ist Ihr Engagement bei R+S?

Mein Engagement ist grundsätzlich langfristig angelegt. Aber es gibt manchmal äußere Einflüsse und unvorhergesehene Entwicklungen, die das unmöglich machen. Deshalb will ich keine Versprechen geben, die ich möglicherweise nicht halten kann.

Mit welchem Gefühl blicken Sie ins neue Jahr?

Mit einem sehr guten Gefühl. In den einzelnen Geschäftsmodellen gibt es noch so viele Potenziale und so viele Möglichkeiten, dass ich keine Bange habe um R+S.

Das Interview in ungekürzter Fassung lesen Sie in der Samstagausgabe der Fuldaer Zeitung sowie im E-Paper.

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