Ist die Rhöner Sage vom Bubenbad sexistisch? Eine unbekannte Person machte ihrem Unmut über die Sage Luft.
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Ist die Rhöner Sage vom Bubenbad sexistisch? Eine unbekannte Person machte ihrem Unmut über die Sage Luft.

Die Sage vom Bubenbad

Ist eine Rhöner Sage sexistisch? - Hinweisschild des Rhönklubs nahe der Milseburg beschmiert

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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In der Rhön gibt es für Touristen allerlei Hinweis- und Infoschilder. Ein Schild, das die „Sage vom Bubenbad“ wiedergibt, ist nun von Unbekannten beschmiert und als „sexistisch“ bewertet worden. Bei Naturpark und Rhönklub stößt das auf Unverständnis. 

Milseburg - Rund um die Milseburg ist in der Rhön bei schönem Wetter viel los. Wer auf dem Weg auf den sagenumwobenen Berg einen Abstecher zu den „Bubenbader Steinen“ macht, der kann die dazugehörige Sage auf einem Schild des Rhönklubs nachlesen. Dieses Schild ist jüngst beschmiert worden. In dem Text geht es um ein Ehepaar, das sechs Mädchen hat und sich einen Buben wünscht. Als das siebte Kind ein Mädchen war und die Mutter es taufte, „verwandelte es sich wie durch ein Wunder in einen Buben“, heißt es in der Sage. (Lesen Sie hier: Die Milseburghütte ist seit einem Jahr geschlossen: Wird der Abriss nun genehmigt?)

Sachbeschädigung an Hinweisschild: Rhöner Sage vom Bubenbad verärgert Unbekannte

Neben Schmierereien in dem Text selbst, wurde außerdem geschrieben: „Sagen sind keine Entschuldigung für Sexismus!“ Der Rhönklub, der das Schild zum Deutschen Wandertag vor gut 13 Jahren aufgestellt hat, wird von einer Anzeige bei der Polizei wegen Sachbeschädigung absehen, wie Rhönklub-Präsident Jürgen Reinhardt erklärt. „Dass wir den Schuldigen ausfindig machen, ist sehr unwahrscheinlich.“ Dass jemand „auf so eine Idee kommt“, verwundert ihn. „Uns geht es anscheinend zu gut“, kommentiert er. Die Sage sei sehr alt und in unterschiedlichen Büchern überliefert worden. Falls jemand Kritik äußern will, so sei der Rhönklub immer für einen Dialog offen. „Der- oder diejenige hätte einfach das Gespräch suchen können. So ist es Sachbeschädigung“, fasst Reinhardt zusammen.

Die Sage vom Bubenbad, die auf einem Schild in der Nähe der Milseburg zu lesen ist, wurde umgeschrieben und als sexistisch bewertet. Der Rhönklub hätte sich einen Dialog gewünscht, „so ist es Sachbeschädigung“.

Auch der Naturpark Rhön, der sich neben dem Rhönklub um Wegebeschilderungen und Infotafeln in der Rhön kümmert, äußert wenig Verständnis. „Egal ob mutwillige Zerstörung oder ‚nur‘ eine Kritzelei: Ärgerlich sind nicht nur die Kosten – die von der öffentlichen Hand getragen werden –, sondern auch die zusätzliche Arbeit, die für die Naturpark-Mitarbeiter anfällt. Sie haben mit der Pflege der Wanderwege und Infrastruktur genug zu tun – auch ohne die unnötigen Schäden.“ (Lesen Sie hier: Frau verschwindet nach Toilettengang im Wald. Außerdem: E-Bike-Fahrer sorgen in der Rhön für Probleme)

Rhönklub sauer: „Hätten uns Dialog gewünscht“

Dass jemandem der Inhalt der Tafel stört, „das ist keine Rechtfertigung für Vandalismus“, sagt „Naturpark Rhön“-Sprecherin Anna-Lena Bieneck. Auch hier hätte man sich einen offenen Dialog gewünscht.

Schäden

Dass Schilder im Biosphärenreservat beschädigt, beschmiert, beklebt oder gar vollkommen zerstört werden, komme laut Naturpark Rhön immer mal vor. Vor einigen Jahren sei ein Schild am Stallberg inklusive Ständer abgebrannt worden. Zuletzt (in diesem Jahr) ist eine Tafel am Weinberg durch Steinwürfe beschädigt worden, auch am Ulmenstein wurden Wanderschilder zerstört. Die Schäden liegen bei mehreren Hundert Euro.

„Auch wenn Sagen, ähnlich wie Märchen, heute im öffentlichen Diskurs sicher differenziert betrachtet und in einen Kontext gebracht werden müssen, sind sie doch eine wertvolle Dokumentation unserer Rhöner Kultur und Geschichte“, betont sie abschließend.

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