Eine Herde Schafe steht auf einer Wiese.
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Der Stillstand bei Tönnies hatte auch Auswirkungen auf die Schlachtung von Schafen.

„An manchen Rasthöfen werde ich beschimpft“

Rhöner Schafhändler: Mit 400 Tieren quer durch die Republik

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Erst die Beschränkungen wegen des Coronavirus und dann die Diskussion rund um Schlachtfabriken wie die Firma Tönnies – die Auswirkungen spüren auch kleine Viehhändler wie Dirk Limpert aus dem Tanner Stadtteil Knottenhof. Er hat sich auf Schafe spezialisiert.

  • Dirk Limpert (41) aus Tann-Knottenhof ist seit 20 Jahren Viehhändler.
  • Er berichtet, dass auch er die Auswirkungen des Stillstandes bei Tönnies gespürt hat.
  • Limpert fährt pro Woche bis zu 1500 Lämmer zu Schlachthöfen.

Tann - „Im Frühjahr war der Verkauf drei, vier Wochen schwierig. Kein Schlachthof wusste, wie es mit der Verarbeitung weitergeht. Durch Tönnies war es nun wieder ähnlich. Es wurden einem weniger Tiere abgenommen“, schildert Dirk Limpert die Situation. Statt 400 Lämmer seien es vielleicht 200. „Die Schlachthöfe lassen die Schafe dann ein, zwei Tage im Stall stehen.“

Tausende Schafe aus Thüringen

Der 41-Jährige ist seit 20 Jahren als Viehhändler tätig. Den von seinem Vater Reinhold 1980 gegründeten Familienbetrieb hat er vor einigen Jahren übernommen. Schwerpunkt ist nach wie vor der Handel mit Schafen – die meisten davon kauft er in Thüringen: „Wegen der früheren Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften gibt es in Südthüringen noch immer viele Schafe. Die Betriebe dort haben um die 3000 Muttertiere.“ In der heimischen Rhön dagegen gebe es vor allem kleinere Schäfereien. Auch unter diesen habe er einige Kunden.

Dirk Limpert aus Tann-Knottenhof ist Schafhändler.

Die von ihm gekauften Lämmer – eines kostet um die 120 Euro – bringt Limpert zum Schlachthof, wo er sie verkauft. Meistens geht die Fahrt mit dem für lange Strecken ausgestatteten und zertifizierten Tiertransporter nach Stuttgart oder ins Ruhrgebiet, wo die Nachfrage nach Lammfleisch größer sei. 400 der jeweils etwa 40 Kilo schweren Tiere hat er auf den drei Etagen des Lkw dabei.

Unterwegs ist man nicht immer freundlich zu ihm: „Man wird an Raststätten immer wieder blöd angesprochen und als Tierquäler bezeichnet." Er betont: „Wegen der Schlachthöfe sind wir gezwungen, so weit zu fahren.“

Lesen Sie hier: Warum Tiertransporte nicht immer gleich Tierquälerei sind.

Schaf-Transport: Erlaubte Fahrzeit von neun Stunden

Durch die Lage von Tann in der Mitte von Deutschland „schaffe ich es mit der erlaubten Fahrzeit von neun Stunden gut an einem Tag wieder nach Hause“. Wäre der Schlachthof in Fulda da nicht eine naheliegende Alternative? „Dort müssten die Stückzahlen abgenommen werden“, sagt Limpert und ergänzt: „Ich habe um die 1000 bis 1500 Lämmer pro Woche.“ So viele könnte er in Fulda nicht loswerden.

Deren Preise schwanken übers Jahr so um die zehn Prozent, sagt der 41-Jährige: „Sie sind einigermaßen stabil. Nur vor Ostern oder anderen Feiertagen sowie im Januar und Februar, wenn es kaum Lämmer gibt, gehen sie hoch.“

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