Bis zu 100 Schweine werden im Schlachthof Fulda pro Stunde geschlachtet, in der Woche sind es aktuell etwa 1100 Tiere.
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Bis zu 100 Schweine werden im Schlachthof Fulda pro Stunde geschlachtet, in der Woche sind es aktuell etwa 1100 Tiere.

Zuletzt stark gewachsen

Regionalität im Fokus: Metzgerei Robert Müller gibt Bekenntnis zum Schlachthof Fulda ab

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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75 Filialen und eine ganze Reihe Großkunden beliefert die im Fliedener Ortsteil Rückers beheimatete Metzgerei Robert Müller – diese Größenordnung ist in der Region unerreicht. Ein Bekenntnis gibt das Unternehmen zum Schlachthof ab.

Flieden/Fulda - „Bei uns wird handwerklich gearbeitet“, betonen der geschäftsführende Gesellschafter Peter Schmitt, Geschäftsführer und Betriebsleiter Lars Bagus sowie der Leiter des Zentraleinkaufs, Michael Heil.

Die Firma ist stetig gewachsen. „Wir setzen aber weiter auf Regionalität und nicht auf Masse. Das Wachstum kam auch deshalb zustande, weil Mitbewerber weggefallen sind“, sagt Bagus. Gemeint ist vor allem die Kurhessische Fleischwaren Fulda (KFF). Als Tochterfirma belieferte diese die Tegut-Märkte. Nach der Übernahme Teguts durch Migros wurde die KFF verkauft. Seither gehört Tegut zu den Großkunden der Metzgerei Robert Müller.

UnternehmenMetzgerei Robert Müller
MitarbeiterIn der Zentrale in Rückers sind etwa 150 Mitarbeiter beschäftigt
Filialen75 im Umkreis von 160 Kilometern
Sortiment400 Produkte, darunter 200 Sorten Wurst sowie Grillwaren

Im Interview mit unserer Zeitung sprechen Schmitt, Bagus und Heil über die Bedeutung des Schlachthofs Fulda, die Zusammenarbeit mit großen Supermarktketten und das Thema Corona.

Sie sind mit 25 Prozent am Schlachthof beteiligt. Weshalb? 
Bagus: Wir wollten ein Zeichen für die Region setzen. Wenn wir das Thema Tierwohl ernst nehmen wollen, sind kurze Transportwege ein wesentlicher Faktor.
Schmitt: Hier geht es nicht ums Geldverdienen, sondern um den Erhalt der Infrastruktur und das Bekenntnis zur Region.
Warum ist der Schlachthof so wichtig für Sie? 
Schmitt: Für uns ist die räumliche Nähe nach Fulda sehr wichtig – vor allem für die Herstellung der Ahle Wurscht. Diese muss schlachtwarm produziert werden. Dieses Thema haben wir vor sechs Jahren wieder angepackt, nachdem sie viele Jahre kaum hergestellt worden war. In Kassel ist es ein starkes Produkt – und wir haben auch dafür neu gebaut.
Heil: Das Fleisch für die Ahle Wurscht kommt von nur einem Landwirt. Die Tiere sind ein gutes Jahr alt, schwerer und sie werden in einem Außenklimastall gehalten.
Zählen Sie sich in Ihrer Betriebsgröße zum Handwerk? 
Schmitt: Wir sind eine handwerkliche Metzgerei, aber auf einer großen Fläche. Das Gegenstück dazu ist Industrie, das ist Produktion am Fließband.
Bagus: Wir beschäftigen in unserer Chargierung und Cutterei fast ausschließlich Meister. Dort werden die Zutaten zusammengeführt und zur Wurst verarbeitet. Dafür ist handwerkliches Fachkönnen nötig.
Wo liegen die Vorteile Ihres Systems? 
Bagus: Wir investieren in die Standorte, übernehmen die Nebenkosten und zahlen den Partnern Provisionen für Umsatz und Rohertrag. Die Verkaufspreise werden vorgegeben, aber der Partner entscheidet, wie er das Fleisch veredelt. Wenn er optimiert kauft und bestellt, hat er weniger Verderb. Bei einer reinen Umsatzprovision wäre die Bereitschaft geringer, darauf zu achten.
Schmitt: Bei uns braucht man kein Geld mitzubringen, um sich selbstständig zu machen. Die Partner sind oft gute Handwerker, haben aber im Meisterlehrgang nicht allzuviel über Betriebswirtschaft gelernt. Daher bieten wir ein Rundum-Sorglos-Paket im Baukastensystem.
Beziehen Sie das Fleisch nur vom Schlachthof Fulda?
Schmitt: Wir sind an die Angebote von Rewe gebunden. Wenn die Kette bundesweit Schnitzel für 5,90 Euro das Kilo bewirbt, dann können wir das nicht mit regionalem Fleisch aus dem Schlachthof Fulda leisten. In diesen Fällen kaufen wir von großen Zerlegebetrieben, die national liefern.
Heil: Es geht auch um das Volumen. Wenn Schnitzel aus der Schweineoberschale beworben werden, dann reicht das Fuldaer Angebot nicht aus.
Wie reagiert der Verbraucher?
Schmitt: Der Verbraucher reagiert nach wie vor auf die Angebotszettel der Märkte – Fleisch ist seit 30 Jahren der Magnet, der die Kunden in die Geschäfte zieht. Es gibt eine ganze Reihe von Kunden, die nur die Angebote kaufen.
Die Discounter kaufen das Fleisch nur von den großen Konzernen und verzeichnen jährlich zweistellige Zuwachsraten. Der Gesamtmarkt ist mit einem Pro-Kopf-Verzehr von etwa 60 Kilo aber relativ konstant.
Was hat sich durch Corona geändert? 
Schmitt: Durch Corona hat sich der Umsatz zugunsten der Selbstbedienungsware verschoben. Kunden waren zurückhaltender beim Kontakt mit dem Bedienpersonal. Insgesamt haben wir deutlich mehr verkauft und gehören zu den Gewinnern von Corona. Aber was passiert, wenn viele Menschen Einkommenseinbußen haben?
Heil: Im Herbst starten wir ein eigenes regionales SB-Sortiment mit Fleisch vom Erzeugerschlachthof Fulda was unser Programm aus der Bedientheke ergänzen soll.
Schmitt: Wir schaffen damit eine regionale Fleischmarke. Der Kunde erwartet verschiedene Qualitätsstufen von der Preis-Einstiegsmarke bis zum hochwertigen Dry-Age-Fleisch.

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