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Schnecken statt Ski: Langlauf-Talente Zoe und Lou Delgado feiern mit der Großfamilie

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Gersfeld - Für Zoe (17) und Lou (fast 14) Delgado steht der Winter ganz im Zeichen des Sports. Für die beiden Langläuferinnen beginnt im Januar die Wettkampfzeit. Doch über die Feiertage gönnen sie sich eine Auszeit vom Training und feiern ausgiebig mit der französischen Familie ihrer Mutter. Und das heißt vor allem: viel gutes Essen.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Kohl

„Eines ist sicher: Würstchen und Kartoffelsalat an Heiligabend würde es in Frankreich nie geben“, sagt Virginie Brugneaux mit Nachdruck und lacht. Ganz im Gegenteil, in ihrem Heimatland seien die Feiertage Anlass, die erlesensten Speisen auf den Tisch zu bringen, so die 50-Jährige.

Seit zwölf Jahren lebt die Französin mit ihrem Mann Johannes Delgado und den Töchtern Zoe und Lou in Gersfeld. An Heiligabend 2007 haben die Vier ihr Zuhause im französischen Metz verlassen und ihr neues Heim in der Rhön bezogen, weil sie wollten, dass die Kinder in Deutschland zur Schule gehen. Den Eltern gefällt das hiesige System besser.

Spezialitäten wie Schnecken oder Froschschenkel

Seitdem versammelt sich alle drei Jahre am Heiligen Abend die französische Großfamilie – 25 bis 30 Personen – im Haus der Delgados, um gemeinsam zu feiern, zu schmausen und zu reden. In den anderen Jahren wird abwechselnd in Lyon oder Nancy gefeiert.

„Jeder bringt zu den Feiertagen etwas zu essen mit“, erzählt Vater Johannes, der ursprünglich aus Spanien kommt, aber bereits Teile seiner Schulzeit in Deutschland verbracht hat. Aufgetischt wird alles, was die französische Küche an Leckereien hergibt, darunter Spezialitäten wie Schnecken oder Froschschenkel.

Geselligkeit vor Geschenken

Auf die Schnecken freut sich vor allem Lou jedes Jahr aufs Neue. „Sie sagt mir oft, dass sie die ja gerne mal wieder hätt“, so Mutter Virginie schmunzelnd. „Ich vertröste sie dann immer auf die Feiertage.“ Sechs, sieben Stunden sitzt die Familie gemeinsam um den Esstisch, der bei den Delgados an diesen Tagen dann nicht nur das Esszimmer, sondern gleich das gesamte Wohnzimmer einnimmt.

Eine Bescherung hat bei so viel Schlemmerei keinen Platz, die gibt es erst am Weihnachtsmorgen. „Es beschäftigt sich doch sonst jeder erst mal nur mit seinen Geschenken“, findet Virginie Brugneaux. Die Geselligkeit komme dann oft viel zu kurz und das sei schade, so die Französin.

Pause vom straffen Trainingsplan

Dafür besucht die Familie in Deutschland an Weihnachten häufiger die Christmette als in Frankreich. Im Nachbarland seien die Gottesdienste wesentlich schlichter und sogar die Krippenspiele fehlten etwa, so die Familie.

Für die Schwestern Lou und Zoe bedeuten die Feiertage eine Pause vom straffen Trainingsplan. Beide Mädchen starten erfolgreich im Skilanglauf für die SKG Gersfeld, Lou nimmt an den Deutschen Schülercuprennen teil, Zoe startet im Deutschlandpokal. Spätestens Mitte Januar beginnen die Wettkämpfe.

Nächster Lehrgang noch in den Ferien

„Über die Feiertage mache ich meistens Pause mit dem Training“, berichtet Lou, die kurz nach Weihnachten ihren 14. Geburtstag feiert. Das ist nicht schlecht, denn in der Woche vor Weihnachten, war sie mit der SKG in einem intensiven Trainingslager. Danach brauchen die Muskeln erst mal etwas Erholung, so Lou. Anfang Januar, bevor die Schule wieder losgeht, geht es dann mit dem nächsten Trainingslehrgang weiter.

Zoe, die ein Sportinternat besucht und etwas früher als ihre Schwester in die Wettkampfsaison startet, hat den Luxus der Weihnachtspause nicht immer. „Letztes Jahr waren wir bei den Verwandten in Lyon über die Feiertage, und Zoe hatte ihre Rollskier dabei“, berichtet Vater Johannes. Damit habe sie dann ihre Trainingsläufe entlang der Rhône absolviert.

Da seien einige Weihnachtsspaziergänger ganz schön ins Staunen gekommen ob der ungewöhnlichen Sportgeräte, mit denen vor allem Langläufer in der schneefreien Zeit trainieren. Am Dienstagabend aber versammelt sich die ganze Familie wieder um den reich gedeckten Tisch. Und zumindest für einige Stunden spielt dann das Training überhaupt keine Rolle.

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