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Schützenfest noch nicht abgesagt – Ein Funke Hoffnung bleibt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Der Mann ist von ganzem Herzen Schausteller. Doch was das Fuldaer Schützen- und Volksfest angeht, hat Generalunternehmer Heiner Distel nur „die stille Hoffnung, dass vielleicht ein kleines Wunder passiert“. Mit einer möglichen Absage will er bis Pfingsten warten.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

„Die Chancen, dass das Schützenfest stattfindet, schätze ich nicht hoch ein“, ist Heiner Distel Realist. Schließlich haben Bund und Länder wegen der Coronavirus-Pandemie das Verbot von Großveranstaltungen gerade erst bis Ende August verlängert – das Fest in Fulda, das 2019 an zehn Tagen 120 000 Besucher zählte, beginnt jedoch schon im Juli.

In dem Telefongespräch mit Distel wird deutlich, wie schwer ihm die mit höchster Wahrscheinlichkeit notwendige Entscheidung fällt: „Eine Absage wäre schade. Seit meine Familie am Schützenfest tätig ist – also seit 1948 – gab es keine Absage. Damit das Fest aber stattfinden kann, müsste sich etwas gravierend ändern. Pfingsten haben wir uns als Deadline gesetzt.“

Kurzfristige Planung

Der Funke Hoffnung, der in dem 64-Jährigen glimmt, rührt daher, dass „wir in der Lage sind, das Schützenfest kurzfristig zu planen“. 40 Verträge habe er abgeschlossen sowie Werbe- und Sicherheitskonzepte erstellt: „Für den Vorlauf sind Kosten von 15 000 bis 20 000 Euro aufgelaufen. Das ist unser unternehmerisches Risiko. Wir werden die Soforthilfen in Anspruch nehmen, auch wenn sie nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind.“

Distel geht nicht davon aus, dass das Schützen- und Volksfest – wenn überhaupt – in gewohntem Rahmen stattfinden wird: „Wir planen ohne Bierzelt. Zudem wollen wir durch Absperrungen und Einlasskontrollen gewährleisten, dass nur eine bestimmte Anzahl Menschen auf das Gelände darf. Mit unseren Partnern haben wir besprochen, dass sie Desinfektionsmittel sowie Mundschutz und Schutzkleidung für die Mitarbeiter vorhalten.“

Unzufrieden mit Apres-Ski-Partys-Vergleich

Damit sei das Fest nicht viel anderes als ein Freizeit- oder Vergnügungspark. „Selbst in Bayern, wo die Bierzeltkultur mit bis zu 5000 Gästen einen anderen Stellenwert als in Hessen hat, sollen im Herbst Feste ohne Bierzelt stattfinden“, sagt der Generalunternehmer. „Die Behörden haben recht in der Einschätzung, dass Hygienevorschriften nicht einhalten werden, sobald Alkohol im Spiel ist.“

Nicht zufrieden sei er allerdings, dass Volksfeste mit Apres-Ski-Partys verglichen würden: „Zu einem Volksfest gehören ja auch Fahrgeschäfte wie Autoscooter, Ketten- und Kinderkarussells oder ein Riesenrad. Wir orientieren uns eher an den großen Freizeitparks.“

Fixkosten im sechsstelligen Bereich

Sein Betrieb beschäftige aktuell statt sechs nur noch einen Mitarbeiter. Auch ohne Veranstaltungen rechnet er in diesem Jahr mit Fixkosten von 100.000 Euro etwa für Versicherungen, die Zugmaschinen oder Miete für die Lagerhalle.

„Es kommt vor, dass ein Jahr verregnet ist oder einzelne Feste abgesagt werden. Damit, dass die ganze Saison ausfällt, rechnet aber kein Mensch.“ Nach dem Schützenfest in Fulda stehen für Distel Volksfeste in Straubing und Rosenheim an. Der Terminkalender sei „voll bis Ende Oktober. Daher ist es schwer, einen anderen Termin zu finden.“

Die Einschätzung, die Heiner Distel zum Münchner Oktoberfest abgibt, dürfte für die Freunde des Fuldaer Schützenfestes nur ein schwacher Trost sein: „Die Chancen, dass es stattfindet, schätze ich geringer ein als in Fulda. Ohne Bierzelte wird München das Fest nicht genehmigen – und ich befürchte, dass sich andere Veranstalter an einer Absage des Oktoberfestes orientieren könnten.“

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