Schüler sitzen mit Abstand in einem Klassenzimmer.
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Für zahlreiche Schüler in Deutschland ging es heute erstmals wieder in die Klassenzimmer. (Symbolbild)

Schulstart in Fulda

Trotz Rückkehr in die Klassenzimmer: Einige Schüler haben auch weiterhin ein mulmiges Gefühl

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Schrittweise öffnen Schulen wieder ihre Klassenzimmer für Abschlussklassen – allerdings mit Hygienevorschriften. So auch die Richard-Müller-Schule in Fulda. Der Großteil der Schüler hält sich an die neuen Vorschriften, bei der subjektiven Gefühlslage herrscht jedoch ein unterschiedliches Meinungsbild.

  • Großteil der Richard-Müller-Schüler hält sich laut Direktorin Hümmler-Hille an die Vorschriften
  • Schulträger stellt Mund-Nasen-Schutz für Schüler bereit
  • Meinungen der Schüler zum Schulstart gehen auseinander
  • Teil der Schüler wird weiterhin online unterrichtet

Fulda - Es ist still geworden in den Gängen der Richard-Müller Schule. Statt den gewohnten 1800 Schülern, die gewöhnlich pro Tag in der kaufmännischen Schule ein und aus gehen, waren es gestern zum Schulbeginn nach den Coronaferien nur 316. Mit einem Mundschutz ausgestattet und der Einhaltung des Sicherheitsabstandes begannen viele ihren ersten Schultag nach 43 Tagen.

Vereinzelt standen mehr als zwei Schüler auf dem Pausenhof und unterhielten sich. Im Allgemeinen kam es aber nur zu wenigen Regelverstößen. „Bei manchen Schülern war die Freude über das Wiedersehen so groß, dass sie sich umarmten. Das waren aber nur Einzelfälle“, betonte Schulleiterin Claudia Hümmler-Hille. Die Schüler seien junge Erwachsene, die für sich eigenverantwortlich sind.

Das Sicherheitsgefühl variiert stark

Über die Hygienemaßnahmen, die das Kultusministerium in einem Schreiben der Schule mitgeteilt hat, werden die Lernenden durch Plakate in den Räumen und der Pausenhalle der Schule und das schuleigene Radio erinnert. „Die Schüler sind sehr mitwirkungsorientiert, weshalb die Idee mit dem Radio aufkam“, freute sich die Rektorin. In regelmäßigen Abständen wird durch die Lautsprecher auf die wichtigsten Maßnahmen aufmerksam gemacht. Beispiel: „Vor und nach dem Unterricht solltet ihr euch bitte nicht länger als nötig in der Pausenhalle und auf den Gängen aufhalten“, tönte es aus den Lautsprechern.

Auch wenn die Sicherheitsmaßnahmen des Landes Hessen alle umgesetzt wurden, herrscht ein unterschiedliches Meinungsbild bei den Schülern. „Wir kämpfen gegen eine Pandemie an und müssen dennoch in die Schule kommen, weil nur die Leistung in unserer Gesellschaft zählt. Sicher fühle ich mich nicht“, stellte Alya Kobiela klar. Eine andere Meinung hat Luca Leitschuh, die sich einen eigenen Mundschutz von zu Hause mitgebracht hat. „Ich habe mir den vergangenen Wochen angewöhnt, worauf es ankommt: Regelmäßig die Hände waschen und Abstand einhalten. So verfahre ich auch in der Schule.“

Schulleben stark eingeschränkt

Für einen sicheren Unterricht stellt der Schulträger Mund- und Nasenschutze sowie Desinfektionsmittel zur Verfügung. Problem: Beides konnte von Schulen erst im Laufe des gestrigen Tages abgeholt werden und steht somit erst heute zur Verfügung. Masken hatten dennoch alle Beteiligten mitgebracht, Desinfektionsmittel wurde von der Schule zur Verfügung gestellt.

Auch wenn der Hygieneplan des Landes nach Angaben von Hümmler-Hille keine Überraschung war, seien die Herausforderungen in der kurzen Zeit sehr sportlich gewesen. „Wir wussten erst Mittwoch darüber Bescheid, welche Klassen unterrichtet werden und wie wir uns vorbereiten sollen.“ Das Schulleben sei dadurch sehr eingeschränkt, aber die Sicherheit der Schüler und Lehrer stehe über allem, betont die Schulleiterin.

Mulmiges Gefühl wegen Abschlussprüfungen

Unterrichtet werden die Schüler nur noch in prüfungsrelevanten Fächern. Dieser kann nur in Form des Frontalunterrichts stattfinden, da soziale Lernformen wie die Gruppenarbeit nicht mit den Hygienemaßnahmen vereinbar sind. „Ein mulmiges Gefühl habe ich mit Blick auf die Abschlussprüfungen nach der langen Zeit ohne Schule schon. Jetzt bin ich aber froh, dass letzte Fragen mit den Lehrern geklärt werden können“, erläuterte Schülerin Bernadette Jahn.

Viele Regeln und Einschränkungen warten auf die Schüler

Ein Schild an einem Fenster der Schule, auf dem Händeschütteln untersagt wird.
Der Schulalltag in der Richard-Müller-Schule Fulda unterliegt einigen Beschränkungen. © Michel Ickler
Eine Schulklasse muss die Abstandsregeln während des Unterrichts einhalten.
Der Schulalltag in der Richard-Müller-Schule Fulda unterliegt einigen Beschränkungen. © Michel Ickler
Der Monitor in der Eingangshalle verweist auf die Abstandsregeln.
Der Schulalltag in der Richard-Müller-Schule Fulda unterliegt einigen Beschränkungen. © Michel Ickler
Die Sitzfläche einer Bank ist gesperrt.
Der Schulalltag in der Richard-Müller-Schule Fulda unterliegt einigen Beschränkungen. © Michel Ickler
Schild an der Toilettentür mit dem Hinweis, dass nur drei Personen gleichzeitig eintreten dürfen.
Der Schulalltag in der Richard-Müller-Schule Fulda unterliegt einigen Beschränkungen. © Michel Ickler

Froh sind auch die Lehrer, nach der langen Zeit wieder unterrichten zu können. „Es macht keinen Unterschied, ob ein Lehrer vor sieben oder zwanzig Schülern steht“, sagte Verena Bettermann, die in der unterrichtsfreien Zeit eine erstaunliche Entwicklung des Online-Lernens bemerkt hat.

Online-Leistungen werden nicht gewertet

Die Schüler, die zu Hause bleiben müssen, werden weiter online über E-Mail oder Lernplattformen unterrichtet. Allerdings dürfen die per Internet erbrachten Leistungen nicht bewertet werden, da nicht jeder Schüler dieselbe technische Ausstattung besitzt und daher eine Ungleichheit besteht, erklärt die Schulleiterin.

„Langfristig ist es das Ziel, auch die restlichen Schüler wieder in die Schule zu holen“, erklärte Hümmler-Hille. Das ist aber die Entscheidung der Politik.

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