Ein Mädchen geht mit einem Mundschutz in die Schule.
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Nach den Abschlussklassen steht am Montag auch für jüngere Jahrgänge der Schulstart ins Haus. (Symbolbild)

Große Herausforderung

Schulstart am Montag: Wie wird der Unterricht an den Schulen in Fulda, Schlüchtern und Hünfeld ablaufen?

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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  • Marius Scherf
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Wenn am Montag in den Schulen für die meisten Klassen der Unterricht wieder beginnt, dann müssen Schüler und Lehrer mit vielen neuen Regeln zurechtkommen. Lob kommt aus der Kultusverwaltung: „Die Schulen haben sich bestens auf den nächsten Schritt vorbereitet“, betont der Fuldaer Schulamtsleiter Stephan Schmitt. Die Herausforderungen, das zeigt eine Umfrage, sind vielfältig.

  • Am Montag starten alle Jahrgänge bis hinunter zu den Viertklässlern mit zahlreichen Regeln wieder in den Schullalltag
  • Schüler der Klasse eins bis drei können nur schwer die Abstandsregeln einhalten, weswegen sich ihr Schulstart verschiebt
  • Drittklässer und jüngere Schüler sollen daher erst im Juni zum Unterricht zurückkehren

Fulda/Hünfeld/Schlüchtern - „Wir stehen Gewehr bei Fuß“, sagt Harald Frühauf, Rektor der Domschule Fulda. Er zählt auf: „Wege, auf denen sich die Schüler bewegen sollen, sind ausgewiesen, die Abstände zwischen den Tischen haben wir mit dem Maßband festgelegt, Namensschilder auf den Tischen verteilt, Seifenspender sind aufgestellt.“ Die Aufzählung ließe sich fortsetzten. „25 bis 30 Stunden haben wir investieren müssen“, sagt Frühauf.

„Um die Abstandsregeln auch außerhalb des Unterrichts garantieren zu können, sind die Pausenzeiten bei uns künftig gestaffelt.“ Der Nachteil: Allein für die Aufsicht werden 14 Lehrer benötigt. „Da einige Lehrkräfte zu den Risikogruppen gehören, fehlen diese, eigentlich bräuchten wir im nächsten Jahr mehr Kräfte, denn ich denke, dass uns die neuen Regeln auch nach den Ferien beschäftigen“, mutmaßt Frühauf.

Homeschooling nicht mit Schule vergleichbar

„Ich bin zuversichtlich, dass wir den noch nicht gelernten Stoff nachholen können“, ist Andreas Leibold, Leiter der Stadtschule Schlüchtern optimistisch. Er hofft, bis dahin auf drei Präsenztage pro Woche für jeden hochfahren zu können. „Ab nächster Woche werden neben den jetzt schon unterrichteten Abschlussklassen die fünfte und sechste Jahrgangsstufe dazukommen, die anderen Stufen in der Woche darauf. Jeder Schüler wird vorerst nur an einem Tag in der Woche kommen“, erklärt er.

Wer darf wieder in die Schule?

Der Unterricht hatte nach sechs Wochen Pause stufenweise bereits wieder begonnen. Am 27. April kehrten die Abschlussklassen zurück. Am Montag sollen nun alle weiteren Jahrgänge der weiterführenden Schulen und die Viertklässler der Grundschulen folgen. Fehlen werden allerdings die Klassen 1 bis 3 an Grundschulen. Bei den jüngeren Schülern gab es die größten Zweifel, ob sie die Hygiene- und Abstandsregeln werden einhalten können. Auch sie sollen aber Anfang Juni wieder die Möglichkeit haben, den Unterricht an Schulen zu besuchen.

Trotz der bevorstehenden Einschränkungen im Unterrichtsalltag ist er froh, seine Schüler wieder bei sich zu haben: „Obwohl wir im Bereich Homeschooling viel dazugelernt haben, ist das einfach nicht mit dem Lernen in der Schule vergleichbar.“

Unterricht im 14-tägigen Wechsel

Ein Problem ist immer wieder die Platzfrage: „Bezüglich der Raumkapazitäten sowie der einsetzbaren Lehrkräfte sind wir nun am äußersten Limit angelangt“, sagt Ulrike Vogler, die stellvertretende Leiterin der Ferdinand-Braun-Schule Fulda (FBS). Nachdem nach dem Neustart in der Berufsschule nur die Auszubildenden unterrichtet wurden, die unmittelbar vor der Abschlussprüfung stehen, werde ab Montag Unterricht für alle Ausbildungsjahre angeboten. Allerdings könne aufgrund der notwendigen Klassenteilungen und der durch Alter oder Risikogruppe minimierten Lehrkräfte-Zahl der Unterricht in manchen Berufen nur im 14-tägigen Gruppenwechsel erfolgen.

Für die Wochen ohne Präsenz in der FBS erfolge der Unterricht dann über digitales Lehren und Lernen. „Teilweise ist es uns aber auch möglich, den Berufsschulunterricht ,normal‘, also wie vor der Corona-Zeit, zu erteilen“, sagt Vogler. Wie sich die Situation verändern beziehungsweise verschärfen werde, wenn ab dem 2. Juni das Unterrichtsangebot auf alle Lerngruppen ausgeweitet werden solle, sei noch nicht abzuschätzen.

Digitales Lernen an Tagen ohne Präsenzunterricht

Welche Regeln werden gelten?

Das hessische Kultusministerium hat ein Konzept erarbeitet, mit dem die Hygiene- und Abstandsregeln umgesetzt werden sollen. Unter anderem gilt Folgendes prinzipiell: 1,50 Meter Abstand halten, Tische müssen entsprechend gestellt werden, keine Berührungen oder Umarmungen, gründliche Handhygiene, Husten und Niesen in die Armbeuge, tägliche Reinigung etwa der Toilettenräume, Abstandsmarkierungen auf dem Boden. Für den Unterricht im Klassenraum ist das Tragen einer Abdeckung für Mund- und Nase nicht vorgeschrieben. Für den Gang durch das Schulgebäude sollte aber eine Alltagsmaske aufgesetzt werden.

Wie vom Schulamt empfohlen, wird das Fuldaer Domgymnasium den Unterricht jeweils tageweise für ausgewählte Jahrgangsstufen starten. „Das ist besser als ein .Schichtwechsel‘ während des Tages: Dann können Räume und Arbeitsplätze entsprechend gereinigt werden“, erläutert Schulamtschef Schmitt. „Wir werden jeweils drei Jahrgangsstufen im Haus haben und dann die Klassen teilen und in benachbarten Räumen unterrichten“ erläutert Schulleiter Matthias Höhl.

Dabei werde der Schwerpunkt auf den Hauptfächern und Sprachen liegen, aber bewusst würden auch andere Fächer mit in die Stundenpläne eingebunden. Den Unterricht übernähmen dann die jeweiligen Fachlehrer der Klasse, die im zweiten Raum von einem Fachkollegen unterstützt würden. An den Tagen ohne Präsenzunterricht bleibe „digitales Lernen“ angesagt. Mit diesem Modell würden alle Schülerinnen und Schüler vor den Sommerferien noch elf Unterrichtstage in der Schule haben.

Wie sieht der neue Alltag aus?

Es werden maximal 15 Schüler gleichzeitig im Klassenraum sein können. Schüler können also nur tageweise in verschiedenen Gruppen am Unterricht teilnehmen. Partner- und Gruppenarbeit sowie auch der Sportunterricht sind zunächst nicht möglich.

Nicht alle Lehrer werden unterrichten können, weil sie selbst zu einer Risikogruppe gehören. Wer also etwa 60 Jahre oder älter ist, darf, muss aber nicht Unterricht geben. Zugleich müssen die Lehrer noch stärker als sonst die Schüler in den Pausen beaufsichtigen, damit auch dort Abstandsregeln eingehalten werden.

Kartensystem regelt Toilettennutzung

Auch im Schlüchterner Ulrich-von-Hutten-Gymnasium kommen ab Montag die Schüler jeweils nach Jahrgangsstufen im Wechsel zum Unterricht. Geplant sind laut dem kommissarischen Schulleiter Andreas Schneider pro Tag drei Doppelstunden. Dort sollen die jeweils halbierten Klassen an einem Tag zeitversetzt von denselben Lehrkräften unterrichtet werden, um den Wissensstand gleich zu halten. Weil die Schule in Folge der Rückkehr von G 8 zu G 9 gerade keine Q 2-Klassen habe, sei die Raumfrage einfacher zu lösen.

Durch ein Kartensystem wird geregelt, dass die Toilettenräume einzeln zu nutzen sind. Schulträger und Schulamt hätten rechtzeitig für genügend Hygienematerialien gesorgt, so Andreas Schneider.

Was passiert bei einer Infektion?

Treten Anzeichen in der Schule auf, sollte der Person ein Maske aufgesetzt und sie in einen extra Raum gebracht werden. Wird tatsächlich eine Infektion mit Covid-19 festgestellt, entscheidet das örtliche Gesundheitsamt, wie weiter zu verfahren ist - etwa, ob eine Klasse oder eine Gruppe in Quarantäne muss.

Außerhalb der Klassenräume – das gilt übergreifend für alle Schulen – wird das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes dringend nahegelegt.

12 bis 13 Schulstunden angestrebt

Hubertus Reith und sein Team von der Jahnschule in Hünfeld haben sich für die kommenden Tage einen Staffelplan überlegt, der regelt, wann welche Klassen tageweise unterrichtet werde. Der Einfachheit halber werden zudem alle Klassen in zwei gleich große Gruppen aufgeteilt, die an verschiedenen Tagen in die Schule kommen. „Wichtig für uns ist, dass für die Schüler wieder eine feste Struktur einkehrt. Wir hoffen, dass so jeder einen zwei Tagesrythmus bekommt und 12 bis 13 Schulstunden in der Woche unterrichtet werden kann.“ Das Land Hessen schreibt nur sechs Stunden verpflichtend vor.

„Der jeweils unterrichtende Lehrer entscheidet über die Pausenzeiten. Vorzugsweise sollen diese im Klassenraum stattfinden. Wenn auf dem Schulhof nicht so viel los ist, können die Schüler bei Gelegenheit auch raus“, erklärt Reith.

Wie lange wird der Zustand in den Schulen anhalten?

Mindestens bis zu den Sommerferien, die am 6. Juli in Hessen beginnen. Es wird vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie abhängen, wie dann im neuen Schuljahr weitergemacht wird. Gelten weiterhin Abstandsregeln, wovon Experten derzeit ausgehen, werden wohl auch die Schulen nicht wieder zum Unterricht zurückkehren können, wie er vor Beginn er Krise angeboten wurde. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat die Eltern in einem Brief bereits darauf eingestimmt, dass es auch im neuen Schuljahr einen Wechsel aus Präsenzunterricht in der Schule und häuslichem Lernen geben kann.

Vorbereitung sorgt beim Schulpersonal für Nachtschichten

„Gruppenarbeit ist momentan nicht möglich, im Grunde herrscht Frontalunterricht“, sagt Dr. Oswald Post, Schulleiter der Marienschule Fulda. Am Montag wolle man mit den Schülerinnen des Mädchengymnasiums erst einmal reden: über die Wochen zuhause und über die neuen Regeln. „Die ganze Vorbereitung hat mir und meinem Team auch so manche Nachtarbeit beschert“, sagt er.

„Unsere Mädchen erhalten einen individuellen Stundenplan und haben zwei Präsenztage in der Woche“, erklärt Post die Regelung an seiner Schule. „Ich hoffe, dass sich die Lage weiter bessern wird. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn einem die Schülerinnen mit Maske begegnen.“

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