Eine Schwarzstorchbrut mit drei Jungen in einem Rhöner Wald.
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Eine Schwarzstorchbrut mit drei Jungen in einem Rhöner Wald.

Scheu, sensibel und sehr selten 

Zahl der Schwarzstorch-Brutpaare in der Rhön stagniert - Störungen durch Menschen 

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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Während der Weißstorch sich in unserer Region pudelwohl fühlt und von Jahr zu Jahr immer mehr Paare brüten, stagniert die Zahl der Schwarzstörche. Nachgewiesen sind in diesem Jahr sieben erfolgreiche Bruten im Landkreis Fulda mit 21 Jungen. 

Rhön - Eventuell kommen noch zwei weitere Paare dazu, die Junge bekommen haben. „Allerdings ist dies nicht gesichert“, erklärt Bernd Mordziol-Stelzer vom Forstamt Hofbieber. Der Schwarzstorch ist ein scheuer Zeitgenosse. Anders als sein weißer Bruder, der in der Nähe von Dörfern brütet und den Menschen nahe kommt, sucht der Schwarzstorch, ein Kulturflüchtling, die Ruhe und Abgeschiedenheit der heimischen Wälder.

Fische und Amphibien stehen beim Schwarzstorch auf der Speisekarte.

Da er bei Störungen sofort die Brut abbricht, meiden auch die Artenschutzexperten die Nähe zu den Horsten. Sie beobachten aus großer Entfernung, was der schwarze Adebar treibt. Aus diesem Grund kann Mordziol-Stelzer bei zwei Paaren auch nicht genau sagen, ob sie gebrütet haben. Denn dort war der Wald so dicht, dass kein Blickkontakt möglich war. In den nächsten Tagen, wenn die Jungen ausgeflogen sind, werden die Experten nachschauen und dann Gewissheit haben.

Zahl der Schwarzstörche in der Rhön stagniert - Sieben Brutpaare nachgewiesen

Sicher nachgewiesen sind aber sieben Brutpaare. Dazu kommen noch zwei Grenzgänger, wie Mordziol-Stelzer sie nennt. Zwei Schwarzstorch-Paare haben im Grenzgebiet zwischen Hessen und Thüringen im Bereich Tann und Ehrenberg ihre Jungen zur Welt gebracht. Auch im Truppenübungsplatzgebiet Haderwald sind Brutpaare, ist sich Mordziol-Stelzer sicher. Der Forstmann sagt: „Das ist nicht schlecht.“ Und Jonas Thielen, Sachgebietsleiter Naturschutz im Biosphärenreservat, urteilt: „Das Ergebnis ist nicht optimal, aber ok.“ Auch er führt die Stagnation auf Störungen durch den Menschen während der Brutzeit zurück.

Steckbrief

Der Schwarzstorch ist einer der geheimnisvollsten Vögel in unserer Region. Er hält sich vorwiegend in Wäldern und in der Nähe von Flussläufen und Teichen auf. Deshalb bekommen den eleganten Flieger nur wenige Menschen zu Gesicht. Da er als Fischjäger galt, wurde er bejagt und war viele Jahrzehnte ausgerottet. 1903 wurde der letzte Schwarzstorch in unserer Region gesichtet. Erst Ende der 1980er Jahre kehrte er wieder zurück, zunächst in die Nähe der innerdeutschen Grenze ins Ulstertal und von dort in die Rhön. In Deutschland gibt es etwa 500 und in Hessen 50 bis 60 Brutpaare.

„In den vergangenen vier Jahren stagnierte die Zahl bei sieben Brutpaaren. Zuvor waren es schon mal zehn“, erklärt Storchenexperte Jörg Burkard. Nach seiner Auffassung könnten doppelt so viele Brutpaare hier leben. Leider gebe es neben den Menschen, die den scheuen Vogel stören, auch Konflikte mit der Windkraftindustrie und auch immer wieder mit uneinsichtigen Waldbesitzern, die im direkten Nahbereich zu Schwarzstorch-Horsten während der Brutzeit von Mitte Februar bis September Forstwirtschaft betreiben und sie dadurch verjagen, sagt er.

Forstamt Hofbieber hat Arten-Patenschaft für Schwarzstorch - Lebensgrundlage soll verbessert werden

Dabei unternimmt das Forstamt Hofbieber, das eine Arten-Patenschaft für den Schwarzstorch übernommen hat, viel, um die Lebensgrundlagen des Waldbewohners zu verbessern. Dazu gehören das Anlegen von Teichen und das Besetzen von Tümpeln mit Fischen. Denn der Schwarzstorch bevorzugt als Nahrung Fische und Amphibien. Zusätzlich werden vom Forstamt Hofbieber Horstschutzzonen im Umkreis von 300 Metern um die Brutbäume eingerichtet, die eingehalten werden sollten. In Wäldern von Hessen Forst funktioniere dies, sagt er.

Als Erfolg wertet es Mordziol-Stelzer, dass in diesem Jahr auf zwei Horsten vier Junge beobachtet werden konnten. Das zeige, dass die Biotope gut seien, und dass es vielleicht doch im nächsten Jahr mehr als sieben Brutpaare geben wird.

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